Ein Luftbild zeigt die Tiefbauarbeiten an der Hermannstraße. Wenn das benachbarte Gebäude an der Lohbachstraße (links hinter der großen Tanne) abgerissen ist, soll hier ein neues Wohnquartier entstehen. © GWG Schwerte
Großbaustelle Hermannstraße

Abrissarbeiten für neues Wohnquartier – der letzte Mieter muss bald ausziehen

Im Februar rückt noch einmal die Abrissbirne an. Denn zwischen Hermann- und Lohbachstraße in Schwerte soll ein neues Wohnquartier entstehen. Ein Entwurf zeigt, wie es später einmal aussehen soll.

Ein letzter Rentner wohnt noch in dem alten Gebäude an der Lohbachstraße 13. Doch auch er wird seine Wohnung bald für immer verlassen müssen. Denn wie bereits beim Nachbargebäude an der Hermannstraße rückt auch hier im Februar die Abrissbirne an.

Die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenshaft Schwerte (GWG) errichtet auf dem Areal zwischen der Hermann- und der Lohbachstraße ein komplett neues Wohnquartier. Für den letzten verbleibenden Mieter des alten Hauses wurde eine Wohnung im GWG-Neubau an der Kleinen Märkischen Straße gefunden.

Quartier mit 30 barrierefreien Wohnungen

Die beiden alten Mietshäuser an der Hermannstraße wurden bereits in Grund und Boden gestampft. Dort haben zu Jahresbeginn die Tiefbauarbeiten für das neue Wohnprojekt begonnen, um die Tiefgarage für die zukünftigen Mieter zu bauen. Darüber soll in den nächsten Monaten ein Quartier mit 30 barrierefreien Wohnungen entstehen.

Nicht ohne Stolz verkünden die Verantwortlichen, dass die Genossenschaft nicht nur dem letzten verbliebenen Rentner, sondern auch allen anderen vorherigen Mietern der Gebäude neue Wohnungen zur Verfügung stellen konnte.

„Selbstverständlich sind wir für die Kosten der Umzüge aufgekommen. Das gehört (…) zum Standard. Ein solcher Umzug ist ja ein starker Einschnitt in die Lebensumstände“, sagt GWG-Vorstandsmitglied Ralf Grobe.

Mehr als doppelt so viel Wohnfläche

Die 30 Wohnungen, die auf circa 2600 Quadratmetern Grundstücksfläche entstehen, haben insgesamt eine Wohnfläche von circa 2245 Quadratmetern. Vorher waren es rund 920 Quadratmeter mit vorwiegend Kleinstwohnungen. Im neuen Quartier soll sich die Wohnfläche also um mehr als das Doppelte vergrößern.

Eine solche Nachverdichtung, sagt die GWG, gehe aber nicht mit weniger Wohnqualität einher. Die zukünftigen Mieter könnten sich über große Balkone oder Terrassen mit eigenem Mietergarten sowie Aufzüge, bodengleiche Duschen, ein modernes Baddesign und Fußbodenheizung freuen.

Nachverdichtung im großen Stil: Ein Entwurf zeigt, wie das neue Wohnquartier aus Blickrichtung der Hermannstraße aussehen soll.
Nachverdichtung im großen Stil: Ein Entwurf zeigt, wie das neue Wohnquartier aus Blickrichtung der Hermannstraße aussehen soll. © GWG Schwerte © GWG Schwerte

Etwa sieben Millionen Euro steckt die GWG in das Bauprojekt. Anders als bei ihren vorherigen Neubauprojekten greift die Genossenschaft hier auf öffentliche Fördergelder in Form von zinsgünstigen Baudarlehen der NRW-Bank zurück. Es entstehen also ausschließlich Sozialwohnungen für Mieter mit niedrigen Einkommen, die von der Stadt Schwerte einen sogenannten Wohnberechtigungsschein ausgestellt bekommen.

Anzahl der Sozialwohnungen geht in Schwerte stark zurück

Die Nachfrage nach preisgünstigem Wohnraum sei in Schwerte enorm und werde in den kommenden Jahren noch weiter steigen. Denn in vielen Fällen – etwa in den GWG-Gebäuden an der Sauerlandstraße und dem Quartier an der Schützenstraße – laufen die Sozialbindungen in den nächsten Jahren aus, sodass die Eigentümer die Mietpreise an den jeweiligen Mietspiegel anpassen können und die Stadt die Belegungsrechte für die Wohnungen verliert.

Da die Sozialbindungen bei neueren Projekten bereits nach 20 Jahren auslaufen, werde es laut Berechnungen der GWG ohne Neubautätigkeiten im Jahr 2028 nur noch knapp 800 öffentlich geförderte Wohnungen geben – 2019 waren es in Schwerte noch 1257.

Wie Prokuristin Birgit Theis auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt, beläuft sich die Kaltmiete für eine durchschnittliche 3-Zimmer-Wohnung mit 80 Quadratmetern auf 472 Euro. „Dabei ist uns immer wichtig zu betonen, dass diese Wohnungen trotzdem sehr hochwertig ausgestattet sind. Viele haben bei dem Begriff ,Sozialwohnung‘ immer noch ganz falsche Vorstellungen“, so Theis.

Wenn auch das Gebäude an der Lohbachstraße abgerissen ist, sollen die Bauarbeiten zügig voranschreiten. Theis: „Wir gehen davon aus, dass wir im Frühjahr 2022 fertig sind.“

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