Yasmin Bürger (36) arbeitete gerne im Altenpflegeheim, sagt sie. Doch die zunehmende Arbeitsbelastung und das Arbeitsklima hätten ihr dermaßen zugesetzt, dass sie seit April 2018 krankgeschrieben ist. © Reinhard Schmitz
Seniorenheime

Altenpflege-Helferin (36) aus Schwerte: „Der Beruf macht mich kaputt“

Sie spürte ständige Überlastung, Einsparungen und fehlende Wertschätzung. Zehn Jahre lang hat Yasmin Bürger aus Schwerte im Altenheim gearbeitet. Jetzt kann sie nicht mehr, ist seit zwei Jahren krank.

Sie mochte ihren Beruf, der in den Seniorenheimen so dringend benötigt wird. Doch die Arbeitsumstände – so erzählt Yasmin Bürger – haben sie auf die Dauer zermürbt, an ihrer Gesundheit genagt. So sehr, dass die Altenpflege-Helferin mittlerweile schon seit April 2018 krankgeschrieben ist. „Wegen der Arbeitsbelastung“, sagt die Schwerterin.

Und mit dieser Situation sieht sie sich nicht allein: „Viele machen das fünf, sechs Jahre – dann sind sie fertig.“

Bei ständiger Überlastung stiegen die Krankenstände

Eine Ursache sieht die 36-Jährige vor allem in permanenter Überlastung. „Wir haben immer mehr Arbeit und immer weniger Personal zur Verfügung gestellt bekommen“, erklärt sie.

Zeitweise sei beispielsweise die Hälfte der Bewohner ihrer Station darauf angewiesen gewesen, das Essen angereicht zu bekommen, ohne dass die Teamstärke aufgestockt worden sei. Auf der anderen Seite sei die Zahl der Krankenstände gestiegen: „Ich habe die ganzen zehn Jahre nicht erlebt, dass alle da sind.“

Alfred Tumpach steht der Altenpflegerhelferin Yasmin Bürger im Kampf gegen die Probleme um ihren Arbeitsplatz ehrenamtlich zur Seite. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Auf Dienstbesprechungen habe sie auf diese Entwicklungen hingewiesen, berichtet die Altenpflegehelferin: „Ich habe mich dagegen gewehrt.“ Was man in der Theorie lerne, habe sie nicht richtig umsetzen können. Eigentlich solle man Protokolle beispielsweise zeitnah schreiben. Doch dazu habe einfach oft die Zeit gefehlt. Immer fühlte sie die Uhr im Nacken, um die Versorgungsaufgaben zu schaffen: „Dieses ständige Waschen wie am Fließband, das möchte ich nicht mehr.“

Morgens ging sie schon mit Grauen zum Job

Durch einen Ein-Euro-Job in einem anderen Altenheim hatte Yasmin Bürger einst zu ihrem Beruf gefunden, nachdem eine Ausbildung im Hotelfach für sie nicht das Richtige gewesen war. „Ich habe meine Arbeit wirklich gerne gemacht“, betont sie immer wieder.

Doch irgendwann spürte sie die Belastungen immer stärker. Auch die Dienstpläne empfand sie als ungerecht. „Wenn Sie morgens schon mit einem Grauen dahin gehen…“, sagt sie. Selbst eine Kur half nicht, die Gesundheitssituation grundlegend zu verändern.

Schwerterin vermisste auch den Rückhalt im Team

Gefreut hätte sich die 36-Jährige über Zeichen der Empathie während ihrer langen Krankheitsphase, vielleicht ein Besuch vom Personalrat. Der Einzige, der ihr hilft, ist ein Bekannter, Alfred Tumpach. Er kann das Ganze nicht verstehen: „Die schreien alle nach Pflegekräften, aber dann kümmert sich keiner.“

Jetzt könne Yasmin Bürger ihren Beruf nicht mehr ausüben, die Leistung nicht mehr erbringen. Darüber gebe es ein sozialmedizinisches Gutachten.

Alfred Tumpach hilft bei der Suche nach Alternativen

Alfred Tumpach unterstützt die Schwerterin auch bei der Suche nach Alternativen. „Nur weil der Beruf mich kaputt macht, möchte ich ihn nicht mehr ausüben“, erklärt sie: „Wenn man nicht gewertschätzt wird, kaum frei hat – und dazu ständige Einsparungen.“

Die Schwerterin hat Stellenanzeigen gelesen, die ihr mehr zusagen: für die Betreuung von psychisch beeinträchtigten Menschen. „Das ist nicht so ganz aus dem Beruf“, sagt sie: „Aber die wohnen da nur eine Zeitlang, bis sie selbstständig leben.“

Anmerkung der Redaktion: Der Name des Pflegeheims, in dem Yasmin Bürger gearbeitet hat, ist der Redaktion bekannt. Auf Anfrage wollte man sich vor der Berichterstattung nicht zu den Aussagen äußern.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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