Auch Könige greifen auf der Schwerterheide zu Schüppe und Harke

mlzVereine in Schwerte

Seit 1898 gibt es die Heideschützen. So lange sind selbst die Senioren des Vereins nicht dabei. Die können aber weitaus mehr, als mit einem Gewehr auf einen hölzernen Vogel zu schießen.

Schwerterheide

, 12.05.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schüsse hört man nicht. Dafür aus allen Ecken das Kratzen von Schüppen und Harken. In Blaumännern und Arbeitsklamotten wuseln Mitglieder der Heideschützen rund um den Parkplatz vor ihrer Festhalle. „Das ist die Rentner-Arbeitsgruppe“, erklärt Vereinssprecher Bernd Engelhardt: „Die erledigt seit Jahr und Tag viele Arbeiten auf dem riesigen Vereinsgelände.“ Von der Heidestraße bis zur Waldstraße hinauf reicht die Fläche, auf der immer was zu tun ist. Wie gut, dass die gut 15-köpfige Truppe auf der Heide zusammenhält, Nachbarschaft vorlebt. Immer wieder rollen weitere Helfer mit ihren Autos vor. Daneben sind Fahrräder und auch E-Bikes abgestellt. Wieder andere kommen zu Fuß. Dabei gibt es als Durstlöscher sowieso nur Mineralwasser für die Männer, die mit vereinten Kräften dem Unkraut zu Leibe rücken. Alles reine Handarbeit, wie es die Ökologen freut. Die Giftspritze ist verpönt.

Gastgeber für das Stadt-Königsschießen am 18. Mai

Vor allem Disteln und Kamille scheinen sich wohl zu fühlen zwischen den Kieselsteinen am Rand des Platzes. Auch ehemalige Könige zupfen fleißig mit. Alles muss hübsch werden für das nächste Vogelschießen. Am Samstag, 18. Mai, richten die Heideschützen das Stadt-Königsschießen aus, bei dem viele Majestäten der Nachbarvereine erwartet werden. Feier-Möglichkeiten in so einer großen Halle wie an der Heidestraße 55 sucht man sonst weit und breit vergeblich. In Eigenregie wurde der Saalbau, mit dem vorausschauend teure Zeltmieten gespart wurden, hochgezogen und 1992 eröffnet. Manfred ter Jung, König von 1986 bis 1988, war der Motor des Projekts. Und natürlich ist er auch jetzt bei der Pflege dabei, um es zu erhalten.

Wenn´s hoch hinaus geht, hilft die Jugend

„Ich habe keine Sorge, dass fleißige Hände fehlen“, sagt Günter Schmidt, der Koordinator der Rentner-Arbeitsgruppe. In seinem Team finden sich Spezialisten für die verschiedensten Arbeitsfelder. Ehemalige Eisenbahner und Bergleute, Elektriker und Dreher, Schlosser und Werkzeugmacher. Und ein Allrounder, der früher als Schiffsingenieur auf den Meeren unterwegs war. Wochenlang fern aller Häfen, wurde er Meister im Improvisieren. Nicht nur das Außengelände will in Schuss gehalten werden, auch an Heizung, Sanitäranlage und Dachrinnen ist immer was zu tun. Kaputte Stühle und Tische? Auch kein Problem.

Nur wenn es hoch hinaus geht - aufs Dach oder gar mit dem Hubsteiger ans Schneiden der mächtigen Bäume am Grundstücksrand - überlässt man den Einsatz jüngeren Vereinsmitgliedern. Die kommen dann an einem Samstag, weil sie unter der Woche ja noch voll im Beruf stehen. In einem sind aber alle gleich. Man freut sich, wenn man nach getaner Arbeit noch auf Cevapcici vom Grill oder bei Brötchen mit Fleischwurst zusammenbleiben kann.

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