Laufen, Wandern, Fahrradfahren und Co. sind nachhaltige Sportarten. In welchen Städten man ein solches Training am besten umsetzen kann, hat der Sportartikelhersteller Reebok erhoben. © Reebok
Umweltbewusstsein

Auslaufmodell Fitnessstudio? Nachhaltige Sportarten liegen im Trend

Reebok hat eine Studie zur Nachhaltigkeit von Mode und Fitness veröffentlicht. Fitnessstudios kommen dabei nicht gut weg. Welche Städte die meisten Alternativen bieten, zeigen die Ergebnisse.

526 Laufstrecken, 34 Wanderwege, eine prozentuale Fahrradnutzung von 27 Prozent und ein Umweltverschmutzungs-Index von 31,03 haben Aachen auf Platz 1 der nachhaltigsten deutschen Städte für Sport katapultiert. Die Stadt überzeugt zudem mit durchschnittlich 1477 Sonnenstunden pro Jahr.

Diese Werte gehen aus einer Studie des US-amerikanischen Sportartikelherstellers Reebok hervor. Anlass für die Datenerhebung sei die Corona-Pandemie, die das Sport- und Kaufverhalten verändert habe, so das Unternehmen.

„Seit der Pandemie werden sich Verbraucher immer mehr den Umweltauswirkungen, die der Kauf von Produkten hat, bewusst“, schreibt Reebok dazu. „Die Studie offenbart zusätzlich die besten Städte zum Besuchen und Leben, um umweltfreundlichen Sport zu treiben.“

Das Unternehmen hat dazu Städte weltweit hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit in den Bereichen Mode und Fitness untersucht. Die Studienergebnisse wurden für den hiesigen Markt teils gesondert auf Deutschland, Österreich und Europa heruntergebrochen.

Münster liegt im Mittelfeld

Neben Aachen sind dabei Karlsruhe und München weit vorne. Mit Bochum auf Platz 9 hat es zumindest eine Ruhrgebiets-Stadt in die Top 10 geschafft. Die „Fahrrad-Stadt“ Münster landete indes im Mittelfeld auf Platz 5.

Laut den Studienergebnissen liegt die prozentuale Fahrradnutzung dort bei 50 Prozent, es gibt 51 Laufstrecken, 17 Wanderwege und durchschnittlich 1593 Sonnenstunden pro Jahr. Der Umweltverschmutungs-Index lautet 32,97.

Auf Anfrage der Redaktion hat Reebok offen gelegt, dass diese Zahlen überwiegend auf Internetrecherchen und Daten beruhen, die die untersuchten Städte zur Verfügung gestellt haben. Die einzelnen Kategorien aus der Gesamtberechnung tauchen allerdings nur zum Teil in den veröffentlichten Ergebnissen auf.

Daten, die darüber hinaus erhoben wurden und in die Bewertung der Städte eingingen, sind zum Beispiel der durchschnittliche Preis für eine Fitnessstudio-Mitgliedschaft, die Zahl der Fitnessstudio-Mitglieder, die Anzahl an öffentlichen Parks und an Einwohnern, die zu Fuß zur Arbeit gehen.

Über die nackten Zahlen hinaus hat Reebok auch Experten aus verschiedenen Themenbereichen befragt, die in der Studie zu Wort kommen. Darunter eine Sportmedizinerin, Fitnesstrainer und den Gründer einer Kampagne für nachhaltige Mode.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Auswertung der deutschen Städte zum Thema nachhaltiger Sport.
Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Auswertung der deutschen Städte zum Thema nachhaltiger Sport. © Reebok © Reebok

Die klassischen Fitnessstudios kommen beim Umweltschutz in deren Augen nicht gut weg. „Viele Fitnessstudios haben eine Reihe von elektrisch betriebenen Geräten, Beleuchtung mit hohen Wattzahlen und Klimaanlagen. Manche haben mittlerweile sogar 24 Stunden pro Tag offen“, sagt beispielsweise Sportmedizinerin und Personal Trainerin Dr. Folusha Oluwajana zum Thema nachhaltiger Sport.

Reebok zitiert dazu eine Studie der britischen Women‘s Health, laut der 72 Prozent der Fitnessstudiobesucher nach den Lockdowns lieber weiter auf Home-Workouts und Trainingseinheiten im Freien setzen möchten, als zurück ins Studio zu gehen.

Weltweit liegt Tokio vorne, europaweit London

Umweltfreundlichere Trainingseinheiten seien nämlich vor allem an der frischen Luft möglich, bestätigt Dr. Oluwajana. Das habe im Frühjahr und Sommer zudem den Vorteil, dass die Vitamin-D-Versorgung verbessert werde. Die Studie von Reebok zeige, in welchen Städten es am einfachsten ist, die Workout-Routine umweltfreundlich anzupassen.

Deutschlandweit hat hierbei Aachen die Nase vorn, europaweit London und weltweit Tokio. Aber auch Kopenhagen, Amsterdam und Sydney werden gut bewertet. Berlin landet als einzige deutsche Stadt im weltweiten Vergleich immerhin auf Platz 16, europaweit auf Platz 11.

Was den nachhaltigen Umgang mit Mode angeht, sieht das Ranking wiederum etwas anders aus. Berücksichtigt wurde hierbei jede Art von Bekleidung, nicht ausschließlich für den Sport.

Freiburg liegt unter den deutschen Großstädten vorne. Die Stadt produziert etwa 872 Tonnen Textilabfälle pro Jahr. 470 Kilogramm davon landen auf Mülldeponien, während 636,37 Tonnen recycelt werden. Für neue Kleidung geben die Freiburger pro Jahr etwa 198 Millionen Euro aus.

Zudem werden in der Stadt pro 100.000 Einwohner monatlich 156 Mal nachhaltige Mode-Begriffe wie „Mietmode“, „Second-Hand-Kleidung“ und „umweltfreundliche Mode“ im Internet gesucht. Deutschlandweiter Spitzenreiter ist hierbei Berlin mit 1.190 monatlichen Suchen pro 100.000 Einwohner. Dafür hat die Bundeshauptstadt mit 14.404 Tonnen die höchste Menge an Textilabfällen in Deutschland.

Europaweit hat Kopenhagen den wenigsten Textilmüll

Dennoch: „Die Deutschen sind sehr umweltfreundlich, wenn es um den Textilabfall geht“, schreibt Reebok dazu. „In nur 15 von den 36 untersuchten Städten landet jährlich mehr als eine Tonne Abfall auf den Mülldeponien.“ Zudem werde ein großer Teil der weggeworfenen Kleidung recycelt.

Die umweltfreundlichste Stadt Europas ist indes Kopenhagen. Hier werden knapp 6.299 Tonnen Textilabfall pro Jahr produziert. Nichts davon landet jedoch auf einer Mülldeponie. Pro Jahr werden etwa 4.336 Tonnen an Textilien recycelt. Antwerpen und Dublin liegen in dem Ranking auf Platz zwei und drei.

„Nachhaltige Mode zu unterstützen ist ein Lebensstil“, wird dazu Kerry Bannigan zitiert. Er ist der Gründer der Conscious Fashion Campaign, die sich für nachhaltige Mode einsetzt. „Man sollte darüber nachdenken, wie oft man ein Kleidungsstück tragen wird bevor man es kauft, unabhängige ethische Marken unterstützen und recherchieren, welche Marken mit den eigenen Prinzipien übereinstimmen.“

Reebok resümiert: „Unsere Studie zeigt, dass Verbraucher zunehmend umweltbewusst werden und Themen wie Nachhaltigkeit in ihre Kaufentscheidungen miteinbeziehen.“ Zudem gebe es deutschland-, europa- und weltweit bereits jetzt einige Städte, die zahlreiche Möglichkeiten für umweltbewusstes Training bieten.

Reebok

Hintergrund der Studie

  • Reebok International Limited ist ein US-amerikanischer Sportartikelhersteller. Der Ursprung der Marke liegt in dem Unternehmen J.W. Foster and Sons, das die Rennschuhe für die Olympischen Sommerspiele 1924 herstellte. Erst ab 1958 wurde es unter dem Namen Reebok bekannt. Seit 2006 gehört das Unternehmen als Tochtergesellschaft zur Adidas AG.
  • Reebok nahm die Corona-Pandemie und Forschungsergebnisse anderer Studien zum Anlass, im Mai 2021 selbst eine Studie zum aktuellen Stand von Nachhaltigkeit in Mode und Fitness zu veröffentlichen.
  • Reebok hat darin die Bereiche Mode, Fitness und Sportequipment auf ihre Umweltfreundlichkeit hin analysiert.
  • Die Studie wurde in Großstädten weltweit durchgeführt.
  • Die gesamte Studie ist auf der Homepage von Reebok einsehbar.
Über die Autorin
Redakteurin für Schwerte und den Dortmunder Süden
Redakteurin, davor Studium der angewandten Sprachwissenschaften in Dortmund und Bochum. Sportbegeistert und vor allem tänzerisch unterwegs.
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Carolin West

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