Sieben neue Betonstufen können über Leben und Tod entscheiden

mlzSchwerter Tunnel

Notausgänge gibt es nicht. Nur über eine steile Bahnböschung war der Schwerter Tunnel auf der Strecke nach Dortmund für die Feuerwehr zu erreichen. Jetzt ist er sicherer geworden.

Schwerterheide

, 05.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind nur sieben Stufen aus frischem, hellen Beton. Aber sie können über Leben und Tod entscheiden. Im Notfall, wenn sich ein Bahnunglück im Schwerter Tunnel auf der Bahnstrecke nach Dortmund ereignen sollte. Denn dessen Eingang, in einem tiefen Geländeeinschnitt mit steilen Böschungen versteckt, war für die Feuerwehr bislang nur äußerst mühsam zu erreichen. Die kleine neue Fluchttreppe, die direkt zu einem Feldweg an der Ostberger Straße führt, verkürzt den Anmarsch der Rettungskräfte erheblich. „Durch die Treppe sparen wir 20 Minuten Zeit“, erklärte Norbert Schilff, Fachberater Feuerwehr bei der Deutschen Bahn, als er am Freitagmorgen Mitgliedern der SPD-Fraktion das neue Bauwerk präsentierte.

Feuerwehrübung im Tunnel hatten die Gefahren deutlich gemacht

Damit ist ein Gefahrenpunkt beseitigt, der bei einer großangelegten Feuerwehrübung im Tunnel im Juli 2015 deutlich geworden war. Als die Retter zu einem Triebwagen vordringen wollten, der laut Annahme in der dunklen Röhre unter dem Schwerter Wald liegengegeblieben war, mussten sie ihr schweres Gerät die matschige Böschung hinunterschleppen. Darunter nicht nur ein Notstromaggregat, sondern auch einen eisernen Rollwagen, der anschließend über die Schienen geschoben wurde. „Das bedeutete nicht nur eine extreme Zeitverzögerung“, sagte Norbert Schilff. Die Einsatzkräfte hätten sich auch selbst gefährdet.

Mit dem Fachberater Feuerwehr der Deutschen Bahn, Norbert Schilff (5.v.l.), besichtigte die SPD-Fraktion die neue Treppe, die Rettungskräften den Zugang zum Schwerter Tunnel an der Strecke nach Dortmund erleichtert.

Mit dem Fachberater Feuerwehr der Deutschen Bahn, Norbert Schilff (5.v.l.), besichtigte die SPD-Fraktion die neue Treppe, die Rettungskräften den Zugang zum Schwerter Tunnel an der Strecke nach Dortmund erleichtert. © Reinhard Schmitz

Und gar nicht auszudenken, wenn im Ernstfall über diesen Weg auch die Passagiere eines Zuges hätten ins Freie geführt werden müssen. Denn vermutlich wären längst nicht alle fit und mobil. Auch für Alte und Kranke, Kinder und Menschen mit Handycap hätte es keine andere Möglichkeit gegeben. Genauso wie für Verletzte.

Schwerter SPD-Fraktion nahm sich des Problems an

Auf das Problem des Schwerter Tunnels hatte die SPD-Fraktion 2014 nach dem Studieren des Brandschutzbedarfsplans hingewiesen. Die 795 Meter lange und 6,30 Meter hohe Röhre vom Baujahr 1912 verfügt über keinerlei Rettungswege oder Notausgänge. Nicht einmal eine Notbeleuchtung oder Fluchtwegpfeile gibt es. Und um an das Eingangsportal heranzukommen, muss man von der Schwerter Seite aus erst einmal 330 Meter über die Gleise stolpern. „Wenn wir uns von der Fraktion nicht so darum gekümmert hätten, wäre gar nichts passiert“, sagte Fraktionsvorsitzende Angelika Schröder, die auch den Landtagsabgeordneten Hartmut Ganzke einschaltete.

Ihr schweres Gerät musste die Feuerwehr bei der Übung im Juli 2015 noch die steile, matschige Böschung herunterschleppen, wo auch noch ein alter, aufgeständerter Kabelkanal im Wege war.

Ihr schweres Gerät musste die Feuerwehr bei der Übung im Juli 2015 noch die steile, matschige Böschung herunterschleppen, wo auch noch ein alter, aufgeständerter Kabelkanal im Wege war. © Reinhard Schmitz (A)

Fünf Jahre habe das Projekt gedauert, wusste Norbert Schilff: „Wir sind jetzt am Ende eines langen Weges angekommen.“ 32.000 Euro hat die Deutsche Bahn in die neue Treppe investiert - einschließlich aller Planungsleistungen sowie der Kosten für die Vorbereitungen und Streckensperrungen. Denn an der Baustelle seien überall Kabel verlaufen, die aufwendig in einem Kabelkanal zusammengeführt werden mussten. „Beim Wegnehmen wären sonst die Züge stehengeblieben“, erläuterte er.

Bahn plant schon 2021 weitere Übung mit der Schwerter Feuerwehr

Seine kalte Feuerprobe hat das Bauwerk schon bestanden. Die Werkfeuerwehr der Deutschen Bahn hat es ausprobiert, auf diesem Wege einen Rollwagen zu den Schienen hinunterzubringen und aufzugleisen. Nutzen werden die Stufen letztendlich aber vor allem den Rettungskräften aus Schwerte, die in Westhofen einen eigenen Rollwagen für Schieneneinsätze vorhalten.

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„Wir hoffen weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit der Schwerter Feuerwehr“, sagte Norbert Schilff. Regelmäßig solle es gemeinsame Übungen geben: „2021 ist Schwerte wieder dran - da, wo die Feuerwehr Schwerte die Übung gerne hätte.“ Dann soll es ungestörter laufen als zuletzt 2018, als im Bahnhof der Zusammenstoß zweier Züge simuliert worden war. Der Einsatz ging vorzeitig zu Ende, weil die Feuerwehr zu einem realen Einsatz auf der Autobahn A45 alarmiert wurde.

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