So werden Bretter im Sägewerk getrocknet. Obwohl das meiste Bauholz aus Skandinavien oder Deutschland kommt, wird es derzeit anderswo verkauft. © Foto: Björn Althoff
Bauholz-Engpass

Bauholz-Engpass in Schwerte: Dachbalken kosten plötzlich das Doppelte

Bauholz ist knapp: Die Preise für Dachbalken steigen seit einigen Wochen an, wenn man sie überhaupt noch bekommt. Der Grund dafür liegt nicht an der heimischen Nachfrage, bestätigt ein Schwerter Fachhändler.

Seit mehreren Wochen ist Bauholz zu einer Mangelware geworden. Wer Holz beispielsweise für einen Hausbau benötigt, muss tiefer in die Tasche greifen als üblich. So haben sich bestimmte Qualitäten des sogenannten Konstruktionsvollholzes (KVH) binnen Jahresfrist um fast das Doppelte verteuert. Auch andere Holzsorten sind im Preis gestiegen.

Manche Preise haben sich verdoppelt

„Unser KVH-Bauholz, das zum Beispiel für den Dachstuhlausbau verwendet wird, kostet momentan statt 10 Euro ganze 20 Euro“, berichtet Udo Wilkes, Geschäftsführer vom Schwerter Fachmarkt Holz Spaeing. „Beim Standardmaß KVH 8 kostet der Kubikmeter mittlerweile 710 statt 550 Euro.“

Auch bei den sogenannten OSB-Platten, die auch als Spanplatten bekannt sind, habe es in den letzten Wochen eine Preissteigerung von rund 35 Prozent gegeben.

Zudem komme es auch zu erheblichen Lieferengpässen – für Udo Wilkes ein gravierender Einschnitt in das normale Tagesgeschäft. „Alle Aufträge dauern momentan sechs bis acht Wochen. Manches, was normalerweise zwei Tage Lieferzeit hat, soll jetzt erst im September geliefert werden“, so Wilkes.

Nachfrage in China und den USA gestiegen

Der Grund für die Engpässe liegt nicht an der heimischen Auftragslage, die sei ähnlich wie in den vergangenen Jahren. Das Problem sei, dass die Nachfrage in den beiden Riesen-Nationen China und den USA enorm gestiegen sei. In beiden Ländern seien die Abnehmer bereit, deutlich höhere Preise zu zahlen, mit denen der deutsche Markt nicht mithalten könne.

„In China haben wir diese Situation schon länger und daran wird sich auch erst einmal nichts ändern“, sagt Wilkes. „In den USA könnte es am starken Wintereinbruch in diesem Jahr liegen. Gerade in Texas ist viel kaputt gegangen.“ Die Kombination aus beiden Faktoren führe zur derzeitigen Situation.

Bisher noch keine Umsatzeinbuße

Allzu schnell werde sich an der Lage wohl nichts ändern. Fachmagazine berichten, dass sich die Versorgungslage in den kommenden drei bis vier Monaten nicht entspannen werde.

Für Udo Wilkes bedeutet das auch, dass viele Abnehmer ihre Großprojekte erst einmal auf Eis legen und auf ein Ende der Krise warten. „Wir können die Preise als Großhandel ja nur weitergeben. Für Häuslebauer kommen derzeit Kosten zu Stande, mit denen man vorher nicht rechnen konnte.“

Da die Lage sich erst seit vier bis sechs Wochen verschärft hat, könne Wilkes noch keine Prognose zu Umsatzeinbußen in seinem Handel tätigen. „Viele kaufen derzeit auch noch auf Vorrat. In ein paar Wochen wird man sehen, wie es aussieht.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Student für Sozialwissenschaft und Philosophie – gebürtiger Schwerter und Wahl-Dortmunder. Immer interessiert an Menschen aus dem Ruhrgebiet und ihren Geschichten.
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Felix Mühlbauer

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