Bekommen Privatpatienten schneller einen Arzttermin? Das sagt der Schwerter Ärztesprecher

mlzTermine bei Fachärzten

Bei unserem Test in Schwerte haben Privatpatienten von den Ärzten gelegentlich einen früheren Termin als Kassenpatienten bekommen. Der Ärztesprecher hat eine klare Meinung dazu.

Schwerte

, 20.11.2019, 12:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Privat versicherte Patienten werden in Schwerte vereinzelt bei der Terminvergabe bevorzugt – das ergab unser Test bei acht Fachärzten im Stadtgebiet. Der Hausarzt Dr. Jörg Rimbach ist Sprecher für die Schwerter Ärzteschaft. Was sagt er zu den Ergebnissen?

„Nicht alle über einen Kamm scheren“

Der Ärztesprecher macht direkt zu Beginn des Gespräches seinen Standpunkt klar: „Ich sehe keinen Grund, warum man einem Privatpatienten eher einen Termin geben sollte als einem Kassenpatienten.“

Er warnt vor einer Pauschalisierung der Ausnahmen, dass Privatpatienten bevorzugt werden: „Wir dürfen nicht wegen zwei, drei Praxen in Schwerte alle über einen Kamm scheren und sagen ‚das gilt jetzt für alle‘. Da würde ich mich auch gegen wehren.“

Der Allgemeinmediziner selbst macht keinen Unterschied zwischen den Versicherungsarten. „Ich hoffe, der Kollege weiß dann auch, was vorne in seiner Anmeldung passiert. In unserer Praxis ist es so: Ich habe meine Mitarbeiterinnen darauf geschult, dass wir das nicht tun. Wir machen da keine Ausnahmen.“

Bekommen Privatpatienten schneller einen Arzttermin? Das sagt der Schwerter Ärztesprecher

Der Allgemeinmediziner Dr. Jörg Rimbach ist Sprecher der Schwerter Ärzteschaft. © Maximilian Stascheit

Lange Wartezeiten ein Problem

Dass eine Ungleichbehandlung von Patienten überhaupt auffällt, hat laut Rimbach aber auch einen weiteren Grund: „Wir haben mittlerweile eine zunehmende Problematik der langen Wartezeiten.“ Bei manchen Fachärzten in Schwerte waren es in unserem Test gleich mehrere Monate bis zum Termin.

Eine Sonderbehandlung der Privatversicherten bei der Terminvergabe durch die Ärzte könnte sich auch deshalb finanziell auszahlen. Eine Ungleichbehandlung aus rein finanziellen Gründen würde Jörg Rimbach aber besonders verurteilen: „Ich finde es nicht gut, wenn es wirtschaftliche Gründe gäbe. Das würde dem ethisch-moralischen Verständnis der Ärzteschaft und unseres Eides nicht entsprechen.“

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Das Genfer Gelöbnis

Mit dem Hippokratischen Eid wurde bereits vor über 2000 Jahren eine Schrift für ärztliche Ethik aufgesetzt. Hieraus entstand 1948 das Genfer Gelöbnis. Im Jahr 2017 wurde es dann zuletzt aktualisiert. Obwohl sich viele Ärzte auf diese ethische Richtlinie berufen, hat sie in Deutschland keinerlei rechtliche Bedeutung.

Dennoch wird sie auf Examensfeiern der Universitäten immer häufiger verlesen. Darin geloben die Ärzte unter anderem die Gleichbehandlung der Patienten: „Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten.“ Dies kann auch als Ausschluss der Bevorzugung von Privatpatienten interpretiert werden.

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