Belegschaft stimmt Konzept "schweren Herzens" zu

ERGSTE Die Beschäftigten des Stahlwerks Ergste Westig haben sich schweren Herzens dazu durchgerungen, das Konzept der Geschäftsleitung zur Standortsicherung anzunehmen. Das bedeutet, dass sie künftig 143 Stunden pro Jahr mehr arbeiten.

von Von Christoph Witte

, 07.09.2007, 19:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
<p>Diskussion unterm Stahlwerk-Turm.  Archiv</p>

<p>Diskussion unterm Stahlwerk-Turm. Archiv</p>

Hurra-Stimmung sieht anders aus. "Das ist eher mit Bauchschmerzen geschehen. Dass da keiner begeistert ist, konnte ich an den bedrückten Gesichtern sehen. Viele haben ihrem Ärger noch einmal Luft gemacht." Hubert Rosenthal, IG-Metall-Gewerkschaftssekretär, malte am Freitag ein düsteres Bild der Mitglieder-Versammlung im Stahlwerk Ergste Westig.

Zweite Abstimmung

In einer zweiten geheimen Abstimmung haben sich die Beschäftigten dazu durchgerungen, das Konzept der Geschäftsleitung zur Standortsicherung anzunehmen. Noch am vergangenen Sonntag war ein erster Wahlgang überraschend in einer Patt-Situation geendet.

Das Modell sieht vor, dass die Belegschaft zukünftig 143 Stunden mehr im Jahr arbeiten muss. Darunter fallen auch 33 so genannte Qualifizierungsstunden. Im Gegenzug sichert das Management den Ergster Stahlwerkern zu, in den kommenden fünf Jahren keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.

75 Prozent haben zugestimmt

Bestimmt 75 Prozent der Beschäftigten hätten, so schätzte Rosenthal vor Auszählung der Stimmen, dem Zukunftsmodell "schweren Herzens" zugestimmt. "Sie können es nicht verstehen, dass ein Unternehmen, dem es relativ gut geht, so einen Investitionsbeitrag will. Letztendlich gehen wir aber davon aus, dass die Geschäftsleitung uns nicht die Unwahrheit gesagt hat", sagt Hubert Rosenthal.

Der Gewerkschafter hofft, dass die beiden Standorte Unna und Ergste mit ihren 430 Beschäftigten in Zukunft "auf sicherere Füße gestellt" werden. Die 200-köpfige Unnaer Belegschaft hatte das Konzept bereits am Sonntag akzeptiert.

Aufsichtsrat entscheidet

Endgültige Gewissheit soll es nächste Woche geben. Voraussichtlich am Dienstag tagt der Aufsichtsrat der Zapp-Gruppe, zu der das Stahlwerk Ergste Westig gehört.

Dann wird es auch um die Frage gehen, ob ein geplantes neues Walzwerk in Unna, Ergste oder doch in Tschechien gebaut werden soll. Mit dem Votum der Ergster Belegschaft sind die deutschen Chancen sicherlich gestiegen.

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