„Knast-Bienen“ in der JVA Schwerte – Häftlinge werden zu Imkern

mlzJVA Schwerte

Sechs Bienenvölker leben in der JVA in Ergste. Der Honig, den die Gefangenen ernten, heißt „Räuberbeute“. Die Idee zu dem Namen liegt auf der Hand.

Ergste

, 12.11.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sechs Bienenvölker leben derzeit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Schwerte-Ergste. Die Idee zu „Bienen im Vollzug" stammte von einer Tagung 2017. „Dabei geht es weniger darum, viel Honig zu produzieren, sondern vielmehr darum, die Gefangenen alles selber bauen zu lassen", erklärt Sebastian Markus, Pressesprecher und Leiter der Arbeitsverwaltung in der JVA Schwerte-Ergste.

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Er und seine Kollegen wollten diese Idee aufgreifen und machten sich zunächst fachkundig, bevor 2018 die ersten vier Bienenvölker aus der JVA Remscheid nach Schwerte zogen.

Bei der Anschaffung der Bienenvölker ging es besonders um die Arbeit für die Gefangenen. „Für die Gefangenen besteht eine Arbeitspflicht. Dieser gehen sie zum Beispiel in der Schreinerei oder der Wäscherei nach", so Markus.

Sechs Bienenvölker gibt es derzeit in der JVA.

Sechs Bienenvölker gibt es derzeit in der JVA. © Carina Strauss

Und auch die Bienen bringen viel Arbeit mit sich. So bauten die Gefangenen die Zargen und auch die Rahmen selber. „In jeder Zarge gibt es 12 Rahmen und jedes Bienenvolk hat zwei Zargen. Außerdem müssen die Rahmen ungefähr alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht werden", so Markus. Und es liegen auch welche auf Vorrat. Der Materialaufwand bei sechs Völkern sei also enorm. Deshalb sei zum Beispiel auch das Gartenkommando, das im Winter nicht mehr viel zu tun hat, mit der Arbeit an den Rahmen beschäftigt.

Es muss aber nicht nur gebaut werden. „Die Zargen müssen sauber gemacht und gestrichen werden, und auch die Rahmen müssen sauber gemacht werden", erklärt Markus.

Gefangene verarbeiten den Honig

Auch bei der der Honigverarbeitung haben die Gefangenen mitgewirkt. „Dabei werden die Deckel von den Waben abgenommen, die Waben ausgeschleudert und der Honig mehrfach gesiebt", erklärt Markus. Und dann muss der Honig heranreifen. Das gehe zum Beispiel bei Rapshonig relativ schnell, bei flüssigem Lindenhonig dauert es etwas länger.

„Räuberbeute“ heißt der Honig aus der JVA Schwerte.

„Räuberbeute“ heißt der Honig aus der JVA Schwerte. © Carina Strauss

Etiketten der „Räuberbeute" selbst gestaltet

Aber die Gefangenen arbeiten nicht nur handwerklich. 2019 wurden die Gefangenen gebeten, Vorschläge einzureichen, wie der Honig heißen soll. „Der Honig hier aus der JVA heißt 'Räuberbeute'", so Markus.

„Zum einen nehmen wir den Bienen den Honig weg, zum anderen sitzen in der JVA auch Gefangene wegen Raubes." Und auch die „Beute" ist in diesem Zusammenhang zweideutig. „Der Bienenstock wird auch Bienenbeute genannt. Und dann natürlich die Beute eines Räubers", so Markus.

Die Etiketten haben Gefangene der JVA Schwerte entworfen.

Die Etiketten haben Gefangene der JVA Schwerte entworfen. © Carina Strauss

Auch die Etiketten zu dem Honig wurden von den Gefangenen selbst gestaltet. Im Rahmen eines Projektes waren die Gefangenen aufgerufen, Entwürfe zu den Glasetiketten zu gestalten. „Die beiden Siegerentwürfe wurden zur JVA nach Geldern geschickt. Dort wurden sie in der Druckerei, wo auch Gefangene arbeiten, digitalisiert und gedruckt." Der Honig aus der JVA Schwerte wird an die Gefangenen und Bediensteten verkauft.

Ab 2021 auch Arbeit mit den Völkern

„Wir mussten erst mal selbst fachkundig werden, bevor wir anderen etwas beibringen", erklärt Sebastian Markus. Aber ab dem nächsten Jahr sollen die Gefangenen dann auch mit in die Arbeit an den Bienenvölkern eingebunden werden. „Dazu gehört die wöchentliche Kontrolle der Völker, zum Beispiel ob Königinnen-Zellen angelegt wurden", so Markus.

Doch bis es so weit ist, stehe noch viel Arbeit bevor. „Wir müssen uns über den Arbeitsschutz Gedanken machen. Man arbeitet hier mit Wildtieren", erklärt Sebastian Markus.

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Die Wiese im Innenhof der JVA wurde von den Gefangenen in diesem Jahr auch schon als Wildwiese angelegt. Bei der Auswahl der in der JVA gepflanzten Blumen und Büsche habe man bewusst auf den ökologischen Aspekt und die Insektenfreundlichkeit geachtet. „Und zwar nicht nur, weil wir hier selber Bienen haben, sondern auch für die anderen Insekten", so Markus.

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