Die Stadtpark-Szene habe die Impfangebote bislang gut angenommen, berichtet Peter Blaschke. © Björn Althoff
Coronavirus

Biontech statt Johnson & Johnson: Schwerter Stadtpark-Szene bekommt Impfangebote

An Obdachlosen gehen auch in der Corona-Pandemie viele Angebote vorbei – zum Beispiel Impfangebote. Einige Städte organisieren nun Impfungen für Obdachlose. Schwerte geht einen eigenen Weg.

Obdachlose haben in der Pandemie zusätzliche Probleme, zum Beispiel in Bezug auf Impfungen. Anmelden kann man sich schließlich nur per Telefon oder im Internet.

In vielen Deutschen Städten bekommen Obdachlose deshalb eigene Impfangebote, vorrangig mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson. Dieses Vakzin muss nur einmal geimpft werden, ein zweiter Termin ist nicht nötig.

Offiziell keine Obdachlosen in Schwerte

Auch die Stadt Schwerte hat den Impfschutz von Menschen in sozial schwierigen Situationen im Blick. Obdachlose, die tatsächlich im Freien schlafen müssen, gebe es in Schwerte aber nicht.

Man denkt sofort an die sogenannte „Stadtpark-Szene“, doch um Obdachlose handelt es sich dabei in der Regel nicht. „Alle haben eine Unterkunft“, sagt Peter Blaschke vom Verein für Soziale Integration (VSI).

Jeden Tag um 12 Uhr gibt es einen Besuch

Der VSI und die Stadt Schwerte kümmern sich mit drei Mitarbeitern um die Mitglieder der Stadtpark-Szene. Jeden Tag um 12 Uhr gibt es einen Besuch der Streetworker.

Diese Besuche gab und gibt es auch in Corona-Zeiten. So wurden die Szene-Mitglieder mit der Masken-Spende des Lions-Clubs versorgt und es gab Schnelltests. Laut Peter Blaschke hat sich dieses System bewährt. „Die Akzeptanz für unsere Angebot ist sehr hoch“, sagt er.

Corona-Impfstoff für die Stadtpark-Szene

Zu diesen Angebot gehört inzwischen auch die Corona-Impfung. In Schwerte ist das aber zunächst unabhängig vom Johnson & Johnson-Impfstoff. „Mehrere Mitglieder der Szene wurden bereits mit dem Impfstoff von Biontech geimpft“, berichtet Peter Blaschke.

Jetzt, da es den neuen Impfstoff aus den USA gibt, könnte sich das Angebot für die Stadtpark-Szene vergrößern.

„Das Interesse in der Szene ist sehr groß“, freut sich Peter Blaschke über die gute Resonanz bei den Mitgliedern, die die Streetworker regelmäßig antreffen.

Noch nicht alle Mitglieder der Szene erreicht

„Es gibt mehrere Gruppen, nicht alle Mitglieder sind immer da“, erklärt Peter Blaschke. Von den 50 bekannten Mitgliedern der Stadtpark-Szene habe man in den vergangenen Monaten nur 35 regelmäßig angetroffen.

Dahinter vermutet Peter Blaschke private Gründe. Er weiß es nicht genau, denn außerhalb des Stadtparks sind die Menschen für den VSI praktisch nicht erreichbar. Aber Peter Blaschke bleibt gelassen. „Die wissen ja, wo wir sind, und wann sie uns erreichen können“, sagt er.

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Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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