Peter Modrei und Dr. Peter Asmuth von der Bürgerenergiegenossenschaft BG 58 wollen ein Windrad von der Abo-Wind in Ergste übernehmen. © Heiko Mühlbauer
Regenerative Energien

Bürgergenossenschaft will eines der Windräder in Ergste kaufen

Bislang hörte man meist von Gegnern der geplanten Windenergieanlagen in Ergste. Jetzt mischt sich eine Genossenschaft ein, die bislang auf Solarenergie setzt. Sie hat Argumente pro Windkraftanlage.

Um zum Standort der geplanten Winkraftanlagen zu gelangen, muss man zurzeit einen Fußmarsch von gut zehn Minuten einplanen. Denn außer forstwirtschaftlichem Verkehr ist hier kein Auto erlaubt. Und zumindest wenn die Karte stimmt, dann geht es anschließend noch ein gutes Stück querfeldein.

Peter Modrei zeigt auf die entfernten Häuser, die man von hier aus sieht. „Die sind ausreichend weit entfernt“, meint er.

Über 400 Mitglieder betreiben 111 Solaranlagen

Peter Modrei ist Vorstand der Bürger-Energiegenossenschaft 58 (BEG-58). Eine Genossenschaft, die sich bislang der Solarenergie verschrieben hat. 111 Photovoltaik-Anlagen betreiben die gut 400 Mitglieder. Fast alle Anlagen liegen in dem Gebiet, dessen Postleitzahlen mit 58 beginnen. In Schwerte haben die Genossen bislang kein Projekt.

Doch das soll sich jetzt ändern: Und zwar nicht in Form einer Solaranlage, sondern einer Windkraftanlage. Die Genossenschaft will sich an einem der umstrittenen Windräder in Ergste beteiligen. „Zur Not übernehmen wir aber auch eine Mühle“, sagt Modrei.

Möglich ist das, weil die Abo-Wind die zwei Windkraftanlagen in Ergste und drei weitere auf der Iserlohner Seite des Hügels plant. Der Widerstand von Nachbarn ist groß.

Kleine, lautstarke Gruppe von Windkraftgegnern

Doch das sei ja gerade das Problem, erläutert Dr. Peter Asmuth. Er war lange bei den Stadtwerken Aachen für regenerative Energien zuständig und setzt sich jetzt im Ruhestand als Vorstand für die Deutsche Gesellschaft für Solarenergie ein.

Wenn man eine Umfrage zu dem Thema mache, dann sei die Zustimmung zur Windkraft gut. Lediglich eine kleine Minderheit lehne die Anlagen ab. „Wichtig ist zu sehen, wie wenige Bürger eigentlich dagegen sind, (die Protestierer) sich aber in der Öffentlichkeit viel Raum verschaffen, und wie viele sich gar nicht äußern“, argumentiert Asmuth. Er ist für das Windkraftprojekt bei der Bürger-Energiegenossenschaft zuständig.

Grundsätzlich, so Asmuth, müsse man feststellen, dass die Solarenergie alleine für die Energiewende nicht ausreicht. Zwei Drittel des Stroms produzieren die heimischen Photovoltaikanlagen im Sommer, ein Drittel im Winter. Bei der Windkraft sei es genau umgekehrt. Und der Bedarf an Strom werde durch elektrische Heizungen und vor allem Elektromobilität in naher Zukunft steigen.

Kommune kassiert durch neues Gesetz mit

Das in Schwerte oft gehörte Argument, die Kommune habe nichts davon, wenn jetzt ein auswärtiges Unternehmen komme und eine Windkraftanlage baue, wollen die Genossenschaftler nicht gelten lassen.

Nach der Gesetzesnovelle könne die Kommune 20.000 Euro pro Anlage im Jahr direkt kassieren und zusätzlich noch Gewerbesteuer. Außerdem sei die Abo-Wind ja ein Projektierer. Er würde sich wünschen, die Schwerter Stadtwerke und weitere Bürger würden sich auch an den Anlagen beteiligen.

Vor zehn Jahren wurde die Genossenschaft in Hagen gegründet. Aus den zwölf ersten Mitgliedern wurden über 400. Wer Anteile kauft, erhielt in den vergangenen Jahren immer eine Rendite. Zuletzt von 3,2 Prozent. Und der Run auf die Anteile ist groß: Aktuell könne man nur einen Anteil erwerben, so Modrei.

Rund 5 Millionen Euro habe man in den zehn Jahren in Solaranlagen investiert. Eigentlich baut die BEG-58 ihre Solaranlagen selbst. Bei der Windkraft ist das anders. „Da fehlt uns die Expertise“, sagt Modrei. Deshalb wolle man mit der Abo-Wind kooperieren.

In Iserlohn wird ein Messmast gebaut

Vom Kreis Unna hieß es noch in der vergangenen Woche, man habe über die Genehmigung der Anlagen noch nicht entschieden. Auf Iserlohner Seite ist man schon weiter. Hier ist zwar eine Klage gegen die Genehmigung vor dem Verwaltungsgericht anhängig. Die Abo-Wind will aber noch in diesem Jahr einen Windmessmast aufstellen. Eine Genehmigung dafür erteilte der Märkische Kreis.

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Redaktion Schwerte
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Heiko Mühlbauer

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