Bürgermeisterin Meise tritt nicht wieder an: „Wir müssen den Rat definitiv verjüngen.“

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„Zuhören kann auch ein Beitrag zur Meinungsbildung sein“, sagt Ursula Meise. Im Interview sprach die scheidende Bürgermeisterin auch über Ratsmitglieder, die fast nie zu Wort kommen.

Schwerte

, 23.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Seit 2009 ist Ursula Meise (SPD) stellvertretende Bürgermeisterin und Ratsmitglied in Schwerte. Zu Kommunalwahl im September tritt sie nicht mehr an. Im Interview sprach sie über das Ehrenamt und den Umgang in der Kommunalpolitik.

Wie sind Sie an das Amt gekommen?

Nach der Kommunalwahl 2009 wurde ich in den Rat gewählt. Meine Fraktion (SPD) schlug mich für das Amt der zweiten stellvertretenden Bürgermeisterin vor. In der konstituierenden Sitzung des Rates wurde ich dann in dieses Amt gewählt.

Breitet man sich auf das Amt vor? Weiß man, was auf einen zukommt?

Nein, natürlich muss man sich in dieses Ehrenamt einarbeiten. Zum ersten Termin geht man noch mit einem Igel im Bauch, weil man einfach nicht genau weiß, was auf einen zukommt. Bis heute macht es mir viel Freude auf die Menschen zuzugehen. Sei es zu Geburtstagen, goldenen Hochzeiten und anderen Veranstaltungsterminen – die Stadt Schwerte zu vertreten, um Glückwünsche und Grüße der Stadt zu überbringen und damit zu zeigen: Wir machen das gerne, es ist wichtig. Man lernt die unterschiedlichsten Menschen und Organisationen in Schwerte kennen, dadurch lernt man automatisch auch sehr viel über Schwerte. Als einige Beispiele möchte ich hier das Schwerter Schichtwesen, die vielen Sportvereine, die Schützenvereine und natürlich die Feuerwehren nennen.

Interview mit Ursula Meise (stellv. Bürgermeisterin Schwerte)

Interview mit Ursula Meise (stellv. Bürgermeisterin Schwerte) © Foto: Manuela Schwerte

Haben Sie sich mal überlegt, bei wie vielen Geburtstagen sie schon waren?

Ach, das könnten schon sehr viele gewesen sein. Manche Jubilare habe ich im Laufe der Zeit sogar öfter besucht.

Wie sind Sie denn überhaupt zur Kommunalpolitik gekommen?

Ich bin ein bisschen vorbelastet. Meine Eltern waren beide in der Kommunalpolitik tätig. Mein Vater war auch Ratsmitglied und meine Mutter war immer in der Frauenpolitik unterwegs. Ich bin in einem politischen Elternhaus aufgewachsen. Durch unsere Kinder bin ich frühzeitig in diversen Elternvertretungen von Kindergärten, Schulen und Gymnasien engagiert gewesen. Zu dieser Zeit bin ich auch in die SPD eingetreten. Zur Kommunalwahl 2009 habe ich mich für die SPD-Ergste aufstellen lassen und wurde dann auch gleich in den Rat gewählt.

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Hat sich die Ratspolitik verändert, in der Zeit in der Sie im Rat waren?

„Meinungsbildung muss immer in einem größeren Kreis stattfinden.“
Ursula Meise, stellv. Bürgermeisterin in Schwerte

Also man versucht ja immer in der Kommunalpolitik einen Ausgleich hinzubekommen. Anders als ein Landtags- oder ein Bundestagsabgeordneter sind wir einfach näher bei den Menschen, das ist ganz normal. Und sie bekommen da wirklich manchmal auch Hinweise, bei den Geburtstagen zum Beispiel; worauf es den Menschen ankommt und worauf nicht. Ich finde Kommunal- und Ratspolitik müssen immer in diese Richtung gehen, persönlich sein. Die unterschiedlichen Richtungen aus dem Parteiprogramm sind auch wichtig, das muss sich natürlich ein bisschen widerspiegeln. Aber in erster Linie sind wir dafür da, die Stadt Schwerte nach vorne zu bringen und den Bürgern gerecht zu werden.

Und meinen Sie, das ist im Umgang miteinander so geblieben?

Das kommt immer darauf an, wer da sitzt und mit wem man spricht. Die Fraktionen haben ihre eigenen Vorstellungen was für Schwerte gut oder schlecht ist. Ich bin ja im Jugendhilfe- und im Generationenausschuss, da ist es meist etwas leichter. Im Jugendhilfeausschuss, weil wir da an eine Gesetzgebung gebunden sind. Das ist eigentlich eine Arbeit, wo man immer sehr schnell einen Kompromiss findet, weil es eben gesetzlich eingefordert wird. Schwieriger kann ich es mir vorstellen, wenn es um Bebauung geht. Da sind manchmal auch die Differenzen größer und man muss sich zusammenraufen.

Sind Sie eigentlich in sozialen Medien vertreten?

Nein, ich hab das ganz bewusst ausgeschaltet. Wir verständigen uns zwar teilweise über WhatsApp, aber ich bin nicht bei Facebook und das möchte ich auch nicht. Wenn ich was zu sagen habe, sage ich das da, wo ich es kann. Da brauche ich kein Facebook für.

Interview mit Ursula Meise (stellv. Bürgermeisterin Schwerte)

Interview mit Ursula Meise (stellv. Bürgermeisterin Schwerte) © Foto: Manuela Schwerte

Meinen Sie, das ist eine Alterfrage?

Ja, wenn man sieht, wie viele Jugendliche bei Facebook sind. Ich bin in den 50er Jahren geboren und in den 60ern aufgewachsen. Ich glaube, wir haben das erste Telefon bekommen, als ich in die weiterführende Schule gekommen bin. Meine Kinder sind 37 und 42, die sind schon wieder ganz anders aufgewachsen. Und die heutigen Kinder, also wenn ich da an meine Enkel denke, Kindergarten- und Grundschulalter, die sind zwar noch nicht bei Facebook, aber da könnte ich mir vorstellen, dass sie in eine digitale Welt hineinwachsen. Die werden damit umgehen, wie wir früher mit unseren Heften oder mit dem Telefon umgegangen sind. Ich glaube, das ist nur eine Frage der Generationen.

Wenn Sie jetzt austreten – wie alt sind Sie?

Das dürfen Sie ruhig fragen. Ich werde in diesem Jahr 68.

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Sie sind ja im Rat noch nicht Mal eines der ältesten Mitglieder. Ist es schwierig für den Rat neue Mitglieder zu gewinnen oder ist es so, dass die Parteien es mit ihren Strukturen und Vorgaben den jungen Leuten schwierig machen?

Wir müssen den Rat definitiv verjüngen. Das wird auch, soweit ich das mitbekommen habe, passieren. Die für die Ausgetretenen nachrücken sind sowieso ein wenig jünger. Die Nachrücker müssen aber zum einen Spaß da dran haben und sie müssen eben auch Zeit mitbringen. Politisches Engagement und Beruf unter einen Hut zu bringen ist schwierig. Dass zunehmend jüngere Menschen sich politisch engagieren, finde ich prima.

Würden Sie sagen, jedes Ratsmitglied ist für die Debatte, die man führt, notwendig?

Meinungsbildung muss immer in einem größeren Kreis stattfinden. Bereitschaft zur Diskussion und zu Kompromissen sind hierbei wichtig. Ich denke schon, dass es sinnvoll ist, in einer Fraktion, einem Ortsverein oder einem Stadtverband mit Mehrheiten zu arbeiten. Es muss ja nicht immer alles im Gleichklang geschehen, viele Sachen müssen auch hart diskutiert werden. Am Ende aber muss, oder besser sollte, ein Konsens daraus entstehen.

Es gibt aber auch Ratsmitglieder, die fast nie Redebeiträge haben, oder?

Menschen sind unterschiedlich. Zuhören kann auch ein wichtiger Beitrag zur politischen Meinungsbildung sein, wenn Erkenntnisse dann in Debatten einfließen. Eigene politische Meinungen sollten jedoch schon durch Redebeiträge geäußert werden.

Gibt es etwas, das Ihnen in Ihrer Laufbahn besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein Highlight kann ich jetzt nicht herauspicken. Es gibt aber Dinge, die mir besonders wichtig sind. Daher werde ich mich bei „Schwerte gegen Rechts“ und im „Familienbündnis für Schwerte“ weiterhin engagieren. Es gibt aber auch sehr viele Begegnungen mit Menschen, die mir in Erinnerung bleiben. Zum Teil haben wir die Partnerstädte besucht und haben die Menschen und ihre Lebensumstände kennengelernt. Gern haben wir die Besucher aus unseren Partnerstädten in Schwerte willkommen geheißen. Andere Eindrücke beeinflussen auch die Sicht auf seine eigene Stadt.

Was fangen Sie mit Ihrer Zeit an, wenn Sie nicht mehr stellvertretende Bürgermeisterin sind?

Ich freue mich darauf, mehr Zeit für Familie und Freunde zu haben. Ich bleibe in meinem Ortsverein und in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) tätig. Und ich freue mich natürlich, generell mal ein bisschen freier in der Terminwahl zu sein. Ein bisschen mehr Sport zu machen und den Fokus auf Sachen zu richten, die immer ein bisschen liegen geblieben sind.

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