Cilli-Kranefeld-Straße oder Küsterskamp? Diskussion um neuen Namen für Ergste

mlzHinkeln/Knapp

Welche Namen sollten neue Straßen in Schwerte tragen? Die von verdienten Frauen? Solche, die auf althergebrachte Begriffe zurückgehen? Darüber gab es eine große Diskussion.

Ergste

, 30.11.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Welche Menschen verdienen es, dass Straßen nach ihnen benannt werden? Gudrun Körber von der Arbeitsgemeinschaft Schwerter Frauengruppen hatte Zahlen für die Politiker mitgebracht: Etwa 430 Straßen gebe es in ganz Schwerte. Im Jahr 2003 trugen 56 von ihnen Männernamen und 9 Frauennamen. 2017 waren es dann 84 und 10.

„Das heißt: In 14 Jahren wurden 28 Straßen mit Männernamen belegt und eine Straße mit einem Frauennamen“, sagte Körber in der Einwohnerfragestunde im Ausschuss für Stadtentwicklung: „Von Gleichstellung keine Spur!“

CDU, SPD und Linke hätten sich zwar öffentlich dafür ausgesprochen, mehr neue Straßen nach Frauen zu benennen. Tun würde sich aber nichts. Warum nicht? Das wollte Körber ganz konkret wissen.

Kranefeld erhielt 2001 die Stadtmedaille

Diese Anregung passte zur Tagesordnung. Ging es doch, ganz konkret im Ausschuss um die Frage, wie die Straßen im Ergster Neubaugebiet Auf dem Hinkeln/Am Knapp heißen sollten. Und zur Auswahl standen auch Cilli-Kranefeld-Straße und Sophie-Ludwig-Straße.

Eine Gleichstellungsbeauftragte im Rathaus, ein Frauenhaus im Kreis Unna – für beides kämpfte Kranefeld (1927-2007), die von 1978 bis 1999 Sachkundige Bürgerin für die SPD war. 2001 erhielt sie die Stadtmedaille, auch weil sie sich für eine moderne Frauenpolitik einsetzte.

Ludwig indes war in den 20er- und 30er-Jahren Schwertes erste weibliche Stadtverordnete. Die Lehrerin engagierte sich in der Zentrumspartei. Auch nach ihr könne man eine neue Straße benennen, so der zweite Vorschlag des Arbeitskreises um Körber, den auch die städtische Gleichstellungsbeauftragte Birgit Wippermann unterstützte.

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CDU: Wollen Straßen nach alten Bezeichnungen benennen

Weiblich oder männlich – darum gehe es doch gar nicht, argumentierten CDU-Politiker. Man wolle aber viel lieber Straßen nach alten Flurbezeichnungen benennen, unterstrich Hans-Georg Rehage. Deshalb schlage man „Küsterskamp“ und „Huckensiepen“ vor.

Auch Thomas Keuthen von der Wählergemeinschaft für Schwerte (WfS) argumentierte so: Keine Straße mehr nach Menschen benennen, nicht nach Adenauer oder Brandt oder irgendeinem Schwerter. Das sei nicht mehr zeitgemäß.

Zumal: Das berge doch immer solche Risiken, wie man bei der Agnes-Miegel-Straße gesehen hätte. Wenn man dann „irgendwelche Flusen an einer Person“ finde, müsste mit großem Aufwand und zum Ärger der Anwohner eine Straße umbenannt werden.

2014 hatten Schwertes Politiker der Nazi-Dichterin Miegel den Straßennamen aberkannt. Seitdem steht auf den Schildern Kleine Feldstraße.

Knappe Entscheidung für Cilli Kranefeld

Doch zurück nach Ergste: Dort wird zumindest eine Straße bald einen Frauennamen tragen. Die Politiker stimmten knapp gegen den CDU-Antrag und knapp für den der SPD. Der westliche Teil heißt also bald Cilli-Kranefeld-Straße, der östliche Am Hinkeln.

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