Corona-Bußgeld gegen Wirt: Schwerterin schämt sich für ihre Stadt

mlzCoronakrise in Schwerte

Kein klärendes Gespräch vorab. Ein dickes Corona-Bußgeld hat die Stadt dem Wirt des Lo´Canta aufgebrummt. Das bringt Schwerter auf die Barrikaden. Elfi Scheuer schreibt an den Bürgermeister.

Schwerte

, 15.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die eine schreibt einen offenen Brief an Bürgermeister Dimitrios Axourgos. Ein anderer startet eine Unterschriftenaktion für Hasan Er. Das Bußgeld von mehr als 1000 Euro, das die Stadt dem Wirt des spanischen Restaurants Lo´Canta am Markt wegen eines angeblichen Corona-Verstoßes aufbrummen will, lässt die Schwerter mobil werden. Sie setzen sich für den Gastronomen ein, dem vorgeworfen wird, den Verzehr von Speisen und Getränken im Außenbereich geduldet zu haben.

„Ich schäme mich als Schwerterin für solche Vorgehensweisen“

„Mit großer Bestürzung“ - so Elfi Scheuer - haben sie in den Ruhr Nachrichten von dem „horrenden Bußgeld“ gegenüber dem Gastwirt erfahren, der vor seinem Lokal zwei Sitzbänke stehen habe. Deshalb wandte sie sich mit ihrem offenen Brief direkt an Bürgermeister Axourgos. „Ich schäme mich als Schwerterin wirklich für solche Vorgehensweisen gegenüber denen, die diese Stadt am Laufen halten“, schreibt sie ihm: „Das sind sozialistische Methoden, bei denen es um Machtdemonstrationen geht, wenn man so mit Unternehmern verfährt, die letztlich Schwertes Flair ausmachen. Warum haben Sie oder die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht ein klärendes Gespräch versucht?“

Auch Jörg Siegel setzte am Dienstagmittag seinen Namen unter die Unterschriften-Aktion, die ein Gast des Lo`Canta am Samstag für Wirt Hasan Er gestartet hat.

Auch Jörg Siegel setzte am Dienstagmittag seinen Namen unter die Unterschriften-Aktion, die ein Gast des Lo`Canta am Samstag für Wirt Hasan Er gestartet hat. © Reinhard Schmitz

Das, was alle Menschen im Augenblick brauchten, sei Solidarität und nicht, dass einer dem anderen an die Karre fahre, schreibt Elfi Scheuer weiter: „Unterstützen Sie bitte Ihre Bürger und Unternehmer in Schwerte mit Beratung und schaden Sie bitte nicht noch zusätzlich wirtschaftlich mit unverhältnismäßigen Bußgeldern, in diesen schweren Zeiten, die wir alle erleben.“ Sie wünsche sich, dass die Stadt Schwerte Größe besitze und ihre eigenen Entscheidungen überdenke: „Den eigenen Handlungsspielraum, der entsteht durch die Ausnahmesituation, in der wir gerade leben, selbst einmal zu hinterfragen und verantwortungsvoll zum Wohl und zur Unterstützung aller Betroffenen einzusetzen.“

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Darauf hoffen auch die Schwerter, die ihren Namen auf die Unterschriftenliste setzen, die ein Gast am Samstag spontan angelegt hatte. „Es haben schon viele Kunden unterschrieben“, berichtet Wirt Hasan Er, der selbst schon Einspruch gegen das Corona-Bußgeld eingelegt hat. „Man hätte doch abmahnen können, aber nicht sofort einen Bußgeldbescheid schicken“, verdeutlicht er: „Das ist ein bisschen unmenschlich, meiner Meinung nach.“ Wenn er keine positive Antwort aus dem Rathaus bekomme, werde er rechtliche Schritte einleiten. „Bekommt die Kirche, zirka 50 Meter entfernt des Lokals Lo´Canta, jetzt ebenfalls ein Bußgeld aufgebürdet, weil dort Bänke auf dem Marktplatz stehen?“, fragt Elfi Scheuer in ihrem Brief.

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