Die ersten Schwerter wurden am Sonntag (27.12.) im Seniorenheim Haus am Stadtpark von der Ärztin Viola Willeke gegen das Corona-Virus geimpft. © Theodor Spanke
Corona in Schwerte

Corona-Impfaktion beginnt: Erste 60 Schwerter erhielten die Spritze

Am Sonntagmorgen war es soweit. Exakt 60 Dosen des Impfstoffs gegen das Corona-Virus wurden in Schwerte angeliefert. Die erste Spritze erhielt eine über 80-Jährige in einem Seniorenheim.

Nur sanft schwenken, auf keinen Fall schütteln. Der noch rare Impfstoff wollte ganz sanft behandelt werden, nachdem mit Gummihandschuh-geschützten Händen die Kochsalzlösung in das Fläschchen gespritzt worden war. „Wenn er eine milchige Farbe hat, ist er impfbereit“, erläutert Theo Spanke.

Als ärztlicher Leiter des Impfzentrums Kreis Unna war der Schwerter Hausarzt am Sonntagmorgen (27.12.) federführend dabei, als die Impfung gegen das Corona-Virus in der Ruhrstadt begann. Die Internistin Viola Willeke nahm sie im Seniorenheim Haus am Stadtpark vor, das der Kreis Unna für den Start in seinem Verwaltungsgebiet ausgewählt hatte.

Die erste Lieferung nach Schwerte umfasste exakt 60 Impfdosen

Exakt 60 Dosen des Präparats, das Lagertemperaturen von minus 80 Grad – eisiger als die Durchschnittstemperaturen am Südpol – erfordert, waren zu der Einrichtung schräg gegenüber vom Bahnhof Schwerte geliefert worden. So kalt kann es natürlich nicht gespritzt werden. „Bei Kühlschranktemperatur ist der Impfstoff fünf Tage haltbar“, erläutert Theo Spanke.

Angeliefert worden sei er bei der Übergabe mit 4,8 Grad. Die Kühlkette ist nicht die einzige Herausforderung. Das Mittel sei auch noch empfindlich gegen Schüttelung beim Transport, so dass man es nicht einmal einfach auf einem Rollwagen durch Altenheim-Flure schieben könne. Die Fläschchen wollen vorsichtig getragen werden.

Die ersten 60 Impfdosen gegen das Corona-Virus sind am Sonntag (27.12.) in Schwerte angekommen.
Die ersten 60 Impfdosen gegen das Corona-Virus sind am Sonntag (27.12.) in Schwerte angekommen. © Theodor Spanke © Theodor Spanke

Die Betreiber des Hauses am Stadtpark, die Alloheim Senioren-Residenzen SE (Düsseldorf), stellten nach eigenen Angaben ein separates Zimmer der Einrichtung an der Beckestraße zur Verfügung, in dem Mitarbeiter und Bewohner nacheinander geimpft werden konnten. „Immobile Bewohner werden auf ihren Zimmern geimpft“, sagt Unternehmenssprecherin Alja-Claire Dufhues. Viele würden diesen Ablauf schon von der Grippe-Impfung her kennen.

Eine über 80-jährige Seniorin machte den Anfang

Eine über 80-jährige Seniorin des Heims war die Erste, der die Internistin Viola Willeke den Pieks verabreichte. Anschließend blieb die rüstige Dame – wie alle Nachfolgenden auch – zur Nachbeobachtung noch eine Weile im Speiseraum. Dort wollte man schauen, ob möglicherweise irgendwelche Reaktionen auftreten würden. „Der geimpften Patientin geht es gut“, berichtet Theo Spanke im Nachgang: „Und wir hoffen, dass ihrem Beispiel noch viele folgen werden.“

Die Bereitschaft zur Teilnahme war nach seinen Angaben groß. 84 Prozent der Bewohner und rund zwei Drittel der Belegschaft hätten ihr Einverständnis zu der Impfung erteilt. Entsprechende Listen hatte Alloheim laut seiner Sprecherin den zuständigen Stellen bereits im Vorfeld übersandt, um diese bei der Impfplanung zu unterstützen.

Der Kreis Unna hatte drei Altenheime für den Start ausgesucht

Fast zeitgleich, aber mit etwas späterem Beginn als die Aktion im Haus am Stadtpark fanden noch weitere Impfungen in zwei Altenheimen in Unna und Lünen statt. Die Häuser seien nach der Priorisierungsliste der Ständigen Impfkommission und des Ethikrates vom Kreis Unna ausgewählt werden, weil es Heime mittlerer Größe seien, erläutert Theo Spanke.

So habe man bei etwaigen Ausfällen – beispielsweise durch Krankenhaus-Aufenthalte von Bewohnern – einen Puffer gehabt, damit der empfindliche Impfstoff auf jeden Fall verbraucht werden könne. Weil er noch nicht für alle Bewohner der Schwerter Einrichtung gereicht habe, gehe es dort bereits am Mittwoch (30.12.) weiter.

Eine zweite Impfung ist nach drei Wochen nötig

Als erste Charge waren für den gesamten Kreis Unna nur 509 Impfdosen angeliefert worden. „Da wir jetzt mit größeren Impfstoffmengen rechnen können, werden wir in der Lage sein, alle Bewohner und das Pflegepersonal der gesamten Pflegeeinrichtungen und Seniorenheime des Kreises Unna in den nächsten Wochen mit unseren mobilen Teams zu impfen“, kündigt Theo Spanke an. Der Impfstoff sei nach bisherigen Kenntnissen nebenwirkungsarm und hoch wirksam: „Nach der zweiten Impfung im Abstand von drei Wochen liegt bereits eine Woche später der vollständige Impfschutz vor.“

Für die Immunisierung weiterer Personen außerhalb der Heime wird – so kündigt der ärztliche Leiter an – das Impfzentrum im Kreis Unna voraussichtlich am 15. Januar 2021 seinen Betrieb aufnehmen. Die Einrichtung an der Platanenallee 20 und werde an sieben Tagen in der Woche ab 8 Uhr jeweils zwölf Stunden lang geöffnet sein. Zuerst würden dort Menschen ab 80 Jahren geimpft. Termine dazu könnten voraussichtlich ab dem 4. Januar gebucht werden unter Tel. 116117. Die Anrufer würden sofort zwei Termine im dreiwöchigen Abstand bekommen.

Theo Spanke hofft auf Rückkehr des normaleren sozialen Lebens

„Für mich ist die Impfung gegen Covid-19 ein zentraler Baustein gegen die Pandemie, der uns ermöglichen kann, in absehbarer Zeit wieder zu einem normaleren sozialen Leben zurückzukehren“, sagt Theo Spanke. Alloheim-Sprecherin Alja Claire Dufhues ergänzt: „Auch wir hoffen, dass eine Impfung der weiteren Virus-Ausbreitung Einhalt gebieten wird, gerade weil die wesentlichen Risikofaktoren für eine schwere Covid-19-Erkrankung ein hohes Alter und bestehende Vorerkrankungen sind. Genau diese Hochrisikogruppe gehört zu den uns anvertrauten Personen.“

Auch nach der Impfaktion würden – nach aktuellem Stand – weiterhin Corona-Schnelltests vorgenommen. Ebenso würden die bisherigen Corona-Schutzmaßnahmen und Hygieneregeln bis auf weiteres beibehalten.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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