In diesem Jahr wird es ein noch einsameres Weihnachtsfest für viele Gefangene als ohnehin schon. Nicht nur die Familien sind weit weg, auch das reguläre „JVA-Weihnachten“ fällt wegen Corona ganz anders aus. © Carolin West
JVA Schwerte

Corona-Weihnachten in der Zelle: JVA-Insassen bleiben nur kleine Andachten

Weihnachten bedeutet in der Corona-Pandemie für alle Verzicht auf größere Feierlichkeiten. Doch wie ist ein Corona-Weihnachten ganz ohne Familie – beispielsweise im Gefängnis?

Ob auf freiem Fuß oder hinter Gittern: An Weihnachten gilt gleiches Recht für alle. Zwar ist das Maß der Feierlichkeit den Lebensumständen angepasst, dennoch dürfen auch Gefangene in gewissem Rahmen Weihnachten feiern.

„Das Leben im Vollzug ist den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit wie möglich anzugleichen“, erklärt Sebastian Markus, Pressesprecher der JVA Schwerte. „Insofern werden auch Aktivitäten zum Weihnachtsfest angeboten, die auch Teil der sozialen Sicherheit der JVA sind.“

Ein Teil der sozialen Sicherheit, die in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie stark eingeschränkt ist. Denn auch wenn die Gefangenen, abgesehen von ihrem Kontakt zu den Justizvollzugsbeamten und weiteren Mitarbeitern der JVA, von der Außenwelt abgeschottet sind, gelten auch für sie Corona-Beschränkungen. Das Ansteckungs- und Ausbreitungsrisiko soll so gering wie möglich gehalten werden.

Weihnachtsfrühstück fällt aus

Normalerweise gibt es am 24. Dezember auf vielen Haftabteilungen der Justizvollzugsanstalt in Ergste ein Weihnachtsfrühstück, das von den Gefangenen organisiert und finanziert wird. An Heiligabend und an den beiden Weihnachtsfeiertagen sieht auch der Speiseplan der Anstaltsküche festlicher aus als an anderen Tagen im Jahr.

Frikadellen mit Kartoffelsalat und Braten sollen ebenso wie die angebotenen Gottesdienste die Weihnachtstradition auch hinter den dicken grauen Mauern wahren. Wegen Corona wird das Weihnachtsfest in diesem Jahr jedoch deutlich einsamer für einen Großteil der Gefangenen.

Insassen der JVA Schwerte arbeiten seit Jahren am Krippenweg mit und tragen Weihnachten damit auch nach außen. 2019 beispielsweise fertigten diese Figuren an, die Teil des Schwerter Krippenwegs geworden sind.
Insassen der JVA Schwerte arbeiten seit Jahren am Krippenweg mit und tragen Weihnachten damit auch nach außen. 2019 beispielsweise fertigten diese Figuren an, die Teil des Schwerter Krippenwegs geworden sind. © Björn Althoff © Björn Althoff

Seit Beginn der Pandemie seien die Gruppengrößen bei Gemeinschaftsveranstaltungen und Hofgängen deutlich verringert worden, um einen größeren Abstand und kürzere Infektionsketten zu gewährleisten, so Pressesprecher Sebastian Markus. Weihnachten bilde da wie auch im „normalen Leben“ keine Ausnahme.

„Das Weihnachtsfrühstück fällt größtenteils aus, aus personellen Gründen, aber auch im Hinblick auf die Größe der Gruppen“, erklärt er. „Bei den Weihnachtsgottesdiensten musste die maximale Anzahl der teilnehmenden Gefangenen auf 16 deutlich beschränkt werden. Gleichzeitig wird die Dauer verkürzt, damit eine höhere Anzahl an Andachten angeboten werden kann.“

Telefonate mit Angehörigen werden kurz gehalten

Doch nicht nur die Angebote innerhalb der JVA Schwerte sind für die Gefangenen wichtig. In den vergangenen Jahrzehnten durften sie gerade an Weihnachten verstärkt telefonischen Kontakt zu ihren Familien aufnehmen – ein Band zur Außenwelt, das für viele sehr wichtig ist.

Ausfallen müssen die Telefonate in diesem Jahr zwar nicht, doch weil auch hier auf Abstand und möglichst wenige Begegnungen zu achten ist, sind die Anrufe diesmal eine logistische Herausforderung.

„Die Gefangenen haben die Möglichkeit, am 24. Dezember auf eigene Kosten mit ihren Angehörigen zu telefonieren“, sagt Sebastian Markus. Das beschränke sich allerdings auf ein kurzes Telefonat pro Gefangenem, damit möglichst viele Gefangene zu Weihnachten telefonieren können.

Fünf JVA-Insassen haben jedoch mehr Glück als ihre Mitinsassen. Während Ausführungen in Privathaushalte oder in die Öffentlichkeit derzeit wegen Corona generell nicht stattfinden, werden sie zu Weihnachten sogar ganz aus der JVA entlassen. Eine Ausnahmeregelung, für die ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Das bedeutet „Weihnachtsamnestie“

Die sogenannte „Weihnachtsamnestie“ ist immer eine Einzelfallentscheidung, kann aber nur von Gefangenen in Anspruch genommen werden, die eine Haftstrafe von weniger als zwei Jahren verbüßen und vor Oktober 2020 inhaftiert wurden. Zudem muss ihr Strafende in die Weihnachtszeit fallen.

Die Gefangenen müssen der Entlassung zustimmen und nachweisen, dass sie alles für die Zeit danach geregelt haben, beispielsweise eine Unterkunft. Sexualstraftäter sind von dieser Regelung grundsätzlich ausgenommen.

Den zahlreichen Gefangenen, die 2020 nicht von dieser Regelung Gebrauch machen konnten, bleiben als Kontaktmöglichkeit nach draußen abseits von Weihnachten Besuche nach Termin mit Trennscheibe und Skype-Termine.

Einschränkungen, die beispielsweise auch für Krankenhäuser und Pflegeheime gelten. Einschränkungen, die auch außerhalb der Mauern nicht unbedingt für eine gute Stimmung sorgen. Für alle – ob gefangen oder frei – stehe dieselbe Frage im Raum, so Sebastian Markus: Wann wird alles wieder normal?

Über die Autorin
Redakteurin für Schwerte und den Dortmunder Süden
Redakteurin, davor Studium der angewandten Sprachwissenschaften in Dortmund und Bochum. Sportbegeistert und vor allem tänzerisch unterwegs.
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Carolin West

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