"Ne Runde um den Block" ist eine von Jörg Rost geschaffene Alternative zum Welttheater der Straße in Coronazeiten. Die Aktion war ein voller Erfolg. . © Bernd Paulitschke (A)
Jahresrückblick 2020

Das Jahr 2020 in Schwerte: “Ne Runde um’n Block” – ohne Corona nicht denkbar

Wie kann Kultur in Zeiten von Corona aussehen? Wenn Konzerte und selbst Open-Air-Innenstadt-Veranstaltungen mit Menschenmengen nicht stattfinden dürfen, so wie das „Welttheater der Straße“?

Das letzte August-Wochenende ist in Schwerte traditionell geblockt für das Welttheater. Doch die Zehntausenden, die dafür in der Regel nach Schwerte kommen, mussten im Corona-Jahr zuhause bleiben.

Doch dieses Schwerter Leuchtturm-Ereignis einfach ausfallen lassen? Ein schlimmer Gedanke. Nicht nur für Jörg Rost. Der organisierte stattdessen „Ne Runde um‘n Block“, umgesetzt von und mit vielen Menschen und Kulturgruppen, deren Namen man in Schwerte kennt.

„Ne Runde um’n Block“ erwies sich als ein corona-taugliches Konzept, bei dem man sich kleine Kultur-Häppchen Musik, Tanz, Tanztheater und Literatur einsammeln konnte.

Mit Abstand und Wegweisern

Auf den Bürgersteigen in der ganzen Innenstadt erschienen viele aufgemalte Kreise, die den 1,50-Meter-Abstand verdeutlichten, und immer wieder den Schriftzug, der zeigten, wo die Runde weitergeht.

Bei der ersten Station gab‘s eine Band: Kräuterfunk & Bassdrum. Die Bläser standen oben auf dem Balkon, die anderen Musiker auf Palettentürmen. Und weil Lichtkünstler Jörg Rost der Organisator war, wurde viel Licht aufgebaut. So kam ein Großteil der Techniker, die immer für das Welttheater der Straße unterwegs sind, doch noch nach Schwerte.

An der Rost-Werkstatt an der Kuhstraße ging es los. Der internationale Aktionskünstler, Erfinder, und Bastler Jim Whiting war einer der ersten, der anreiste. Sein Beitrag, die Theatermaschine „Catwalk Women“. Bekannt ist Whiting für die Inszenierung des Musikvideos „Rockit“ für den weltbekannten Jazzmusiker Herbie Hancock, das er mit seinen skurrilen Maschinen ausstattete.

Kasperletheater, Kleinstgruppen und Chöre

An der Goethestraße bezog Rost auch seine Sponsoren ein. An der Versicherungsagentur Schulte-Drüffel gab es eine theatrale Szene vom Studio 7, die befreundete Theater aus Europa in Kleinstgruppen als Gäste hatten. Am Park von Nowy Sacz gab es eine Art Kasperletheater. Aber statt Handpuppen steckte dahinter die Schwerter Operettenbühne in kleiner Besetzung.

Im Mehrgenerationenhaus Casa Nostra, wo schon wochenlang zur Corona-Krise gesungen worden war, standen Chöre beim Finale auf den Balkonen in Richtung Volksbank-Parkplatz.

Solidaritätsgedanke

Warum haben es so viele Namen auf das Plakat geschafft: Rost gibt die Antwort: „Es geht auch um den Solidaritätsgedanken, dass ich viele Freunde von mir einlade, die jetzt alle ein halbes Jahr kein Geld verdient haben. Und es geht darum, dass man die ins Boot holt, die in den vergangenen Jahren die Schwerter Kultur bereichert haben.“

Zwei Wochen nach dem Projekt „Runde um den Block“ kam ein Teil der Akteure zusammen und zog Bilanz: künstlerisch wie finanziell. Das Urteil: Es war auf beiden Ebenen ein Erfolg: 750 zahlende Zuschauer, viele Sponsoren und gute Kritiken von allen Seiten. „Jetzt versuchen wir natürlich, das Konzept auch in andere Städte zu verkaufen“, kündigte Jörg Rost an.

Der Schwerter Lichtkünstler hatte die Idee. Für die Umsetzung suchte er sich Kulturschaffende aus Schwerte, aber auch aus anderen Städten, wie zum Beispiel Uwe Köhler vom „Theater Titanic“, das eigentlich von Straßentheaterfestival zu Straßentheaterfestival ziehen würde. Doch Corona stoppte alle Großveranstaltungen, sodass die Theatermacher derzeit eine Menge freie Termine haben. Das Ensemble bestand aus einer Mischung von Profis und Amateuren. Insgesamt wirkten über 150 Personen an dem Programm mit.

Fortsetzung folgt?

„Für mich war ausschlaggebend, dass die Politik das eingesparte Geld für das Welttheater 2020 nicht für Kultur ausgeben wollte“, so Rost. Also zog er los und sammelte selber Geld. Zu den Fördergebern gehörten Unterstützer des Welttheaters genauso wie neue Sponsoren. Insgesamt 46.000 Euro gab es aus den unterschiedlichsten Töpfen.

Fest steht, dass es mit der „Runde um den Block“ weiter gehen soll. Zum einen mit einzelnen Projekten, wie zum Beispiel einem Chorabend auf dem Platz hinter der Volksbank, zum anderen aber als gesamtes Konzept. Dafür verhandelt man bereits mit Sponsoren.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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