Das sagen Schwerter Betriebe zur Hygiene-Kontrolle

Neues Gesetz

Grün, Gelb und im schlimmsten Fall Rot - eine Hygieneampel soll in NRW und damit auch in Schwerte bei Bäckereien, Gastronomien und Fleischereien aufzeigen, wie ein Betrieb die Hygienevorschriften einhält. Ob es wirklich soweit kommt, entscheidet der Landtag im Frühjahr. Was halten aber die Betriebe in Schwerte davon?

SCHWERTE

, 01.12.2016, 13:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lebensmittelkontrollen gibt es jetzt schon, doch viele Betriebe fürchten, durch für sie unsinnige Regelungen mit gelben oder sogar roten Lichtern dazustehen, sobald die Hygieneampel eingeführt wird.

Lebensmittelkontrollen gibt es jetzt schon, doch viele Betriebe fürchten, durch für sie unsinnige Regelungen mit gelben oder sogar roten Lichtern dazustehen, sobald die Hygieneampel eingeführt wird.

Acht Ordner stehen im Büro von Bäckermeister Sascha Ruhnke. Darin hat er Putzpläne, Rechnungen vom Kammerjäger und andere Dokumente zur Hygiene angesammelt. Gerade Bäcker hatten sich über die Einführung der Ampel beschwert, und auch Sascha Ruhnke hat ein paar Kritikpunkte: „Offenheit bei Hygiene muss sein, die Parameter sind aber völlig daneben“, sagt er.

Hoher Dokumentationsaufwand für die Betriebe

Beispielsweise gelte es schon als Verstoß, wenn nicht alle Papierhandtuch- und Seifenspender im Betrieb aufgefüllt sind. Er befürchtet, dass solche Bewertungsmaßstäbe zu einer gelben Bewertung führen könnten, obwohl der Betrieb eigentlich in Ordnung ist. Zudem käme ein hoher Dokumentationsaufwand auf die Betriebe zu. „Große Unternehmen haben dafür Abteilungen, ich muss nach Feierabend noch den Papierkram abwickeln“, sagt er.

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Auch Markus Sträter von der Fleischerei Lewe ist nicht begeistert von der Hygieneampel. „Der Gesetzgeber kontrolliert doch eh schon wie verrückt“, sagt er. Eine Bewertung aus einer einmaligen Prüfung im Jahr sei nicht repräsentativ, Betriebe würden an den Pranger gestellt.

Außerdem seien die Kriterien für die Überprüfung nicht deutlich und unausgereift. Kunden könnten zudem selbst ganz gut einschätzen, wie sauber ein Betrieb ist. „Wenn ich da sehe, dass die Gabel dreckig ist oder der Boden der Küche schmuddelig, dann geh ich doch da nicht mehr hin“, sagt er. Dementsprechend wäre eine Einhaltung der Hygienevorschriften auch im Sinne des Geschäftsführers.

Ampel soll Hygienebedingungen verbessern

Eine ähnliche Meinung zur Hygieneampel hat Jörg Prüser, Geschäftsführer der Gasstätte Freischütz. „Die Kontrollen müssen gerecht sein“, sagt er. Wenn eine Nachkontrolle erst nach mehreren Monaten möglich sei, habe der Betrieb nicht die Chance, die Fehler auszubessern und stände mit einer gelben oder gar roten Bewertung da.

Entspannter sieht das Hartmut Ganzke (SPD), Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Unna, Fröndenberg, Schwerte und Holzwickede. Er sagt: „Die Hygieneampel unterstütze ich.“ Er schätzt, dass bei der Offenlegung der Hygienekontrollen kein zusätzlicher Aufwand auf die Betriebe zukommt. In Duisburg und Bielefeld habe man das schon ausprobiert. „Ich gehe davon aus, dass die Behörden das ordentlich machen“, so Ganzke. Die Ampel solle zu einer Verbesserung der Hygiene bei Lebensmittelbetrieben führen. „Alles soll auf Grün gestellt werden“, so Ganzke.

Schneider: "Das ist Bürokratie hoch zehn"

„Das ist Bürokratie hoch zehn“, sagt dagegen die in Schwerte wohnende Landtagsabgeordnete Susanne Schneider (FDP). Die Ampel würde nur überprüfen, wie gut der jeweilige Gastronom seinen Betrieb dokumentiert. „Da wird eher kontrolliert, ob die Tür schief hängt oder die Fliesen gerade sind. Ob der Betrieb sauber ist, das erkennen die Kunden dadurch weniger“, sagt Schneider.

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