Ab Montag öffnen die Schulen wieder für alle Kinder. In die Vorfreude mischt sich bei vielen auch Besorgnis. Wichtig ist, dass Hygienekonzepte umgesetzt werden. © picture alliance / dpa
Corona-Pandemie

Die Schulen öffnen wieder für alle: „Es ist natürlich ein Risiko“

Bald sind sie wieder da: Ab Montag (31.5.) werden Kinder und Jugendliche in die Schulen gehen. Alle gleichzeitig. Kinder, Eltern und Lehrer freuen sich. Doch ein mulmiges Gefühl bleibt.

Mit Tests, Masken und Abstandsregeln haben die Schulen es bisher geschafft, Wechselunterricht in Präsenz anzubieten. Ab nächstem Montag (31.5.) wird wieder alles anders. Dann nämlich, wenn wieder sämtliche Schülerinnen und Schüler in die Klassenräume zurückkehren.

Keine Frage, das wünschen sich natürlich viele. Doch ein mulmiges Gefühl bleibt. So auch bei Heiko Klanke, dem Leiter des Schwerter Friedrich-Bährens-Gymnasiums (FBG). „Abstandsregeln kriegt man im vollen Klassenraum nicht hin“, sagt er. Auch bei einigen Eltern, so habe er in Gesprächen mitbekommen, gebe es Unbehagen.

Viele kommen mit dem Rad zur Schule

Dabei sei am FBG eigentlich bisher alles gut gelaufen. „Unsere Räume kann man gut durchlüften, ein Altbau hat da sicher Vorteile“, sagt Heiko Klanke. Die Mädchen und Jungen verhielten sich sehr diszipliniert. Zudem kämen viele mit dem Rad zur Schule, sodass nicht alle gleichzeitig in Bussen anreisen.

Trotzdem: „Es ist natürlich ein Risiko, wenn wieder so viele zusammen in einem Raum sitzen“, räumt der Schulleiter ein. Er ist froh darüber, dass zumindest die Abiturienten dann nicht mehr dabei sind.

Sitzpläne für jeden Kurs gehören dazu

Das Lernen im Klassenverband wird wieder erweitert: Wahlpflichtkurse verlangen eine andere Schüleraufteilung. „Jeder Lehrer führt einen individuellen Sitzplan für jeden Kurs“, sagt Heiko Klanke. „Damit haben wir ja mittlerweile Erfahrung.“ Bei den AGs, die im Nachmittagsbereich üblicherweise angeboten werden, hält man sich am FBG allerdings noch zurück. „Da fahren wir einen sanften Einstieg.“

FBG-Schulleiter Heiko Klanke zeigt die Listen, in der die anwesenden Schüler samt Sitzplatz erfasst werden müssen.
FBG-Schulleiter Heiko Klanke zeigt die Liste, in der die anwesenden Schüler samt Sitzplatz erfasst werden müssen. © Heiko Mühlbauer (A) © Heiko Mühlbauer (A)

Froh ist der Schulleiter darüber, dass auch der Caterer für die Mensa liefern kann. „Die Mensa ist nagelneu, da haben wir ein gutes Belüftungssystem.“

Ein Fortschritt sei auch, dass immer mehr Kollegen jetzt zumindest einen Impftermin hätten. „Da haben wir sogar Anrufe von Ärzten bekommen, die uns unterstützen wollten“, freut sich der Schulleiter.

Jürgen Priggemeier: „Direkte Begegnung“ wichtig

An der Gesamtschule Gänsewinkel spricht Schulleiter Jürgen Priggemeier angesichts der gesunkenen Inzidenz-Werte von einer „erfreulichen Entwicklung“. Denn mit der Rückkehr zu durchgehendem Präsenzunterricht werde den Schülerinnen und Schülern eine Perspektive vor den Sommerferien eröffnet.

„Das wird den Einstieg in das nächste Schuljahr erleichtern.“ Die Kinder erhielten so die Möglichkeit der direkten Begegnung. „Das ist jetzt sehr wichtig“, betont Jürgen Priggemeier.

Behutsame Rückkehr zur Normalität

Natürlich gebe es auch besondere Schutzmaßnahmen. „Neben dem Tragen von Masken und dem Querlüften haben wir an unserer Schule eine doppelte Mittagspause eingeführt, sodass die Kontakte zwischen den Jahrgängen reduziert werden können“, erklärt der Schulleiter.

Jürgen Priggemeier, Leiter der Gesamtschule Gänsewinkel, trägt auch in seinem Büro eine Corona-Maske.
Jürgen Priggemeier, Leiter der Gesamtschule Gänsewinkel, trägt auch in seinem Büro eine Corona-Maske. © Reinhard Schmitz (A) © Reinhard Schmitz (A)

Und wie an den Gymnasien wird an den Gesamtschulen das Kurssystem mit Wahlpflichtfächern ebenfalls wieder hochgefahren: „Mit unseren Hygienemaßnahmen halten wir es für verantwortbar, dass die Schülerinnen und Schüler im Wahlpflichtbereich und in den Hauptfächern wieder in E- und G-Niveaus unterrichtet werden.“

Die Rückkehr zur Normalität solle dabei behutsam erfolgen. Jürgen Priggemeier: „Unsere Kinder erhalten dadurch wieder ein Stück Sicherheit durch Rückkehr zu einem Tagesrhythmus.“

„In der Schule kann ich besser lernen als zu Hause.“

„Es ist fast ein bisschen komisch – zuletzt hatten wir Anfang Dezember gemeinsamen Unterricht“, sagt Berin Meryem Kurtbas. Die 18-Jährige ist Schülerin der Gesamtschule Gänsewinkel. Auch sie freut sich auf den Unterricht.

Gesamtschülerin Berin Kurtbas (18) freut sich auf den Schulbeginn. Doch auch sie räumt ein:
Gesamtschülerin Berin Kurtbas (18) freut sich auf den Schulbeginn. Doch auch sie räumt ein: „Manche haben schon Angst.“ © Privat © Privat

„In der Schule kann man einfach besser lernen als zu Hause. Da beschäftigt man sich viel öfter mit anderen Dingen. Das muss man ganz ehrlich einfach mal sagen“, sagt die Schülerin, die selbst Nachhilfe gibt. Gerade für jüngere Kinder sei das Homeschooling eine Herausforderung gewesen. „Meine kleine Schwester lässt sich schnell ablenken. Da reicht schon eine Fliege im Raum“, sagt Berin und lacht.

Manche haben schon „ein bisschen Angst“

Trotzdem hat sie auch Bedenken. „Die Mehrheit der Schüler wird noch lange nicht geimpft sein, und das Abstandhalten wird schwieriger. Da haben schon manche ein bisschen Angst“, gibt sie zu.

Insgesamt überwiege aber die Vorfreude. „Es ist auch wichtig, dass wir unsere Wahlpflichtkurse wieder haben“, sagt Berin Kurtbas. „Eine Sprache muss man sprechen, da nützt es nichts, nur Vokabeln zu lernen.“

Auch aus dem wochenlangen Wechselunterricht nimmt sie eine positive Sache mit: „In unseren kleinen Gruppen waren nicht immer die ursprünglichen Freunde zusammen. So habe ich viele meiner Mitschüler besser kennengelernt, mit denen ich früher nicht so viel zu tun hatte.“

Regeln

Die Hygienevorschriften laut NRW-Schulministerium

  • Tests: Schüler sowie Lehrkräfte sind weiterhin verpflichtet, sich an zwei Tagen in der Woche in den Einrichtungen per Schnelltest auf Corona zu testen. Es sei denn, die Person ist vollständig geimpft oder nachweislich nach einer Erkrankung genesen – dann braucht es den Impfpass oder ein labordiagnostisch bestätigtes Testergebnis.
  • Impfung: Lehrkräfte und Beschäftigte weiterführender Schulen können sich seit Anfang Mai gegen das Coronavirus impfen lassen. Impfungen für Jugendliche sind bisher erst ab 16 Jahren zugelassen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat noch keine abschließende Empfehlung ausgesprochen.
  • Masken: Wer die Einrichtungen besucht, muss eine medizinische Maske (OP, FFP2 ohne Ausatemventil oder KN95/N95) tragen. Alltagsmasken aus Stoff können Schüler insbesondere an Grundschulen tragen, wenn medizinische Masken wegen ihrer Passform unzureichend sind.
  • Abstand: In Pausen können die Masken bei einem Mindestabstand von 1,5 Metern zum Essen und Trinken abgenommen werden, sofern sich die Schülerinnen und Schüler an festen Plätzen befinden.
  • Lüften: Das Umweltbundesamt empfiehlt, alle 20 Minuten für 5 Minuten bei weit geöffneten Fenstern zu lüften.
  • Sport: Auch der Sportunterricht ist ab Montag wieder möglich: „Sportunterricht kann an Schulen im durchgängigen Präsenzbetrieb bei Beachtung der einschlägigen Hygienevorgaben wieder grundsätzlich in vollem Umfang erteilt werden. Allerdings findet dieser in der Regel im Freien statt“, heißt es dazu vom Land NRW. Nur zu Prüfungszwecken und bei widrigen Witterungsverhältnissen könne von dieser Regel abgewichen werden. Besonderes Augenmerk liegt auf der Ausbildung von Schwimmanfängern, was ausdrücklich stattfinden soll.
  • Öffnung unter Vorbehalt: Wenn die Kreise und kreisfreien Städte wieder über die Inzidenzen von 100 beziehungsweise 165 steigen, droht eine erneute Rückkehr in den Wechsel- oder Distanzunterricht.
Über die Autorin
Redakteurin
Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.