Diese Frau sorgte dafür, dass der Sex-Täter am Schwerter Pflegeheim gefasst wurde

mlzSexualdelikte in Pflegeheimen

Die Sorge war groß in den Altenheimen. Ein angeblicher Pfleger soll versucht haben, Seniorinnen zu entkleiden und zu waschen. Eine Mitarbeiterin erzählt, wie sie dem Treiben ein Ende setzte.

Schwerte

, 08.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Haltet die Augen offen! Nach dem Mann mit weißem T-Shirt, kurzer Stoffhose und grauen Turnschuhen. Auf dem Weg in den Feierabend klang Manuela Rudack diese Warnung noch im Ohr, die gerade in ihrem Dienstzimmer im Klara-Röhrscheidt-Haus vorgelesen worden war. Per Fax - so erzählt sie - hatte die Polizei eine aktuelle Täterbeschreibung geschickt, nachdem ein angeblicher Pfleger sich kurz zuvor auch im Marienkrankenhaus Goethestraße in das Zimmer einer Patientin geschlichen hatte. Wie die Faust aufs Auge passte sie auf den Mann, der da vor dem Aufzug an der Station 1 stand, als Manuela Rudack die Treppe herunterging.

„Der gehört hier nicht hin“, schoss es der 57-Jährigen durch den Kopf: „Wen will der besuchen?“ Mit den speckigen, lockigen Haaren, die etwas verändert aussahen gegenüber dem Phantombild, das die Ermittler nach sexuellen Übergriffen auf hochbetagte Bewohnerinnen in Schwerter Altenheimen Ende März gezeichnet hatten. Die Mitarbeiterin reagierte richtig. Unverzüglich drehte sie um, rannte wieder zum Wohnbereich 2 hinauf, um beim Personal Alarm zu schlagen. Eine Kollegin habe dann noch einen männlichen Kollegen von einer weiteren Station geholt, um sich den mutmaßlichen Täter zu schnappen.

Auf der Flucht die Turnschuhe verloren

Doch als die Verfolger zum Ausgang kamen, war weder vor noch hinter der gläsernen Schiebetür irgendetwas von dem mutmaßlichen Sexualtäter auszumachen. „Aber eine Bewohnerin, die draußen auf der Bank saß, zeigte, dass er Richtung Schützenstraße weggelaufen sei“, berichtet Manuela Rudack. Zu sehen war er dort aber auch nicht. Deshalb ging sie mit einem Kollegen in das benachbarte Marienkrankenhaus Schützenstraße, um an der Pforte zu fragen, ob womöglich dort ein Mann mit weißem T-Shirt gesehen worden sei. Jetzt half der Zufall mit, dass ihr Spürsinn die 57-Jährige zum zweiten Mal zum Treffer führte: „Genau in dem Moment kam der und wollte rausgehen.“ Ihr Kollege stellte sich dem Mann in den Weg, der nach einer Rangelei aber zunächst abhauen konnte. Doch er hatte wohl nicht damit gerechnet, wie schnell der Altenpfleger und eine Kollegin hinter ihm her hetzten. „Die flitzte wirklich - das war Wahnsinn“, erzählt Manuela Rudack noch heute voller Staunen.

Der mutmaßliche Sextäter verlor unterwegs sogar noch seine Turnschuhe. Aber am Ostentor war seine Flucht endgültig zu Ende. Auf Zuruf hin halfen Passanten dort, den Mann zu stoppen. Mit seinem Bauch auf dem Bürgersteig liegend, wurde er von den Altenheim-Mitarbeitern festgehalten.

„Die Polizei war ratzfatz da“, erzählt Manuela Rudack. Die Beamten waren schon von der Pforte des Marienkrankenhauses Schützenstraße aus alarmiert worden. Ihr Blaulicht-Bulli, der zunächst auch auf die Klinik zusteuerte, wurde von der Mitarbeiterin zum Ostentor zurückgeschickt.

Weiterer Vorfall kurz zuvor im Marienkrankenhaus

Die Beamten nahmen den 46-jährigen Schwerter fest. Er soll zuvor im Klara-Röhrscheidt-Haus das Zimmer einer über 90-jährigen Bewohnerin betreten haben, wie die Polizei in damals in einer Pressemitteilung berichtete. Unter dem Vorwand, Pfleger zu sein, habe er die alte Dame umziehen wollen. Das konnte die Bewohnerin allerdings verhindern.

Am selben Tage (30. Juni) hatte sich zuvor ein angeblicher Pfleger im Marienkrankenhaus Goethestraße einer Patientin genähert, wie Polizei-Pressesprecher Thomas Röwekamp berichtet. Wegen seines ungepflegten Aussehens schöpfte die Frau jedoch Verdacht und klingelte nach einer Schwester, woraufhin der Mann das Weite suchte.

Wie die Polizei am Montag weiter mitteilte, sitzt der mutmaßliche Sexualtäter weiterhin in Untersuchungshaft. Auf Wertsachen seiner Opfer habe er es offensichtlich nicht abgesehen gehabt. Die Ermittlungen dauern an.

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