Diese Hügel waren vor 1000 Jahren ein Wall

Im Wald in Schwerte

Nur ein paar Hügel im Wald auf dem Ohl in Schwerte? Nein: Wer genauer hinschaut, erkennt, dass die Hügel einen Kreis bilden. Vor 1000 Jahren war das hier eine Ringwallanlage. Eine, die zerstört werden könnte - vor allem von Mountainbike-Fahrern. Die SPD will das verhindern.

SCHWERTE

, 01.07.2017, 03:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diese Hügel waren vor 1000 Jahren ein Wall

Warum gibt es hier runde Wälle? Der Grund ist rund 1000 Jahre alt.

Obwohl die Anlage seit 1991 in der Liste der Bodendenkmäler Schwertes verzeichnet ist, weist bis heute kein Schild darauf hin. Vor sechs Wochen wurde Sigrid Reihs bei der Begehung im Rahmen der Veranstaltung Café Nebenan der SPD Schwerte-Süd auf die Wallanlage neben dem Spazierweg aufmerksam.

In dieser Woche kam Reihs mit einigen Villigster Parteigenossen, mit Heimatforscher Ferdinand Ziese und dem Kreisheimatpfleger Dr. Peter Kracht für eine Begehung zum Ohl zurück. Die historisch Interessierten durften tatsächlich über den Wall spazieren.

Darauf zu gehen, sei unproblematisch, so Peter Kraft. Schaden verursachen jedoch die Mountainbiker, die die Anlage in den vergangenen Jahren für ihre Tricks entdeckt haben, und die mit den tiefen Profilen ihrer Räder die Wälle abschleifen.

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Turm mit Palisadenringen

Laut Ferdinand Ziese bestand die Wallburg einst aus einem hölzernen Turm mit zwei bis drei Etagen in der Mitte und ein oder zwei Palisadenringen auf dem Wall drumherum. In der Burg wohnte vermutlich ein fränkischer adeliger Ritter, ein Lehensmann Karls des Großen und seiner Nachfolger, erzählt Kraft.

Die Burg auf dem Ohl ist eine von insgesamt drei Anlagen – weitere befinden sich auf dem Ochsenhügel in Westhofen und auf dem Bürenbruch – , die die große Zentralburg auf der Hohensyburg umgeben. „Die Hügel waren damals gerodet, sodass die Burgbewohner untereinander kommunizieren und sich bei Angriffen warnen konnten“, erzählte Ferdinand Ziese.

„Bei Tage machten sie das mit Spiegeln, nachts mit Bärlapp.“ Zündet man die Samen der ölhaltigen Pflanze an, brennen sie hell. Sie werden unter dem Namen Lykopdium auch bei der Pyrotechnik und Theatereffekten verwendet. Die Burg auf dem Ohl bot Schutz für 50 bis 100 Bauern aus dem Umland.

Reihs fordert Hinweisschild

Sigrid Reihs zeigte sich irritiert, dass es seit 26 Jahren keine Beschilderung für diesen geschichtsträchtigen Ort gibt. Sie glaubt, dass ein solches Schild weitere Beschädigungen verhindern könnte: „Die Jungs mit ihren Mountainbikes wissen doch gar nicht, worauf sie hier fahren.“

Sollte es am Geld mangeln, stellt die SPD Süd spontan bis zu 200 Euro für eine Hinweistafel zur Verfügung, die auch über die Historie des Ortes aufklären soll. Peter Kracht sagte jedoch, für Denkmalschilder gäbe es einen besonderen Fonds des Landes NRW.

Denkmal-Beschädigung kostet 

Ferdinand Ziese wünscht sich außerdem einen ausgewiesenen Wanderweg über das Ohl. Denn dort gibt es noch mehr zu entdecken, wie beispielsweise drei Quellen, die einst die Gräfte des Hochmotte des Hauses Villigst speisten und den aufgegebenen Friedhof der Grafen von Elberfeld.

Carsten Morgenthal, Sprecher der Stadt Schwerte, bestätigte, dass man nach dem Hinweis der SPD tätig werden wolle.

Sollte die Beschilderung wieder ins Stocken geraten, will sich Dr. Peter Kracht mit Nachdruck einbringen. Er verwies auch darauf, dass, wer ein solches Bodendenkmal beschädigt, mit empfindlichen Geldstrafen rechnen müsse.

Schließlich fand die interessierte Gruppe neben einem tiefen Loch im Wall auch die Überreste einer Schaufel. Ferdinand Ziese vermutete, es sei eine Hinterlassenschaft von Münzsuchern.

 

Unsere Redakteurin Annette Theobald-Block kommentiert:

Schützen, was man kennt

Eine Stadt sollte ihre Denkmäler schützen, die Hinterlassenschaften der Ahnen für zukünftige Generationen erhalten.

Historisches Bewusstsein prägt die eigene Identität. Wenn ein schützenswertes Denkmal für die Bürger nicht auf den ersten Blick als solches erkennbar ist, sollte es mit Schildern gekennzeichnet werden. Denn man kann nur schützen, was man kennt.

Dass die historisch bedeutsame Wallburganlage seit 26 Jahren im Dornröschenschlaf unbeachtet dahindämmert, ist traurig.

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