Dieser Hund sucht ein neues Zuhause

Mogli aus Schwerte-Holzen

Mogli ist ein Hund, den man sofort ins Herz schließt: Besucher begrüßt er freundlich, er spielt gerne und hört ganz gut. Trotzdem sucht er ein neues Zuhause – denn sein Frauchen ist nur eines auf Zeit.

Schwerte-Holzen

, 22.12.2017, 18:39 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bei diesem Blick muss man ihn einfach ins Herz schließen: Boxer-Mischling Mogli hat in seinem Leben schon einiges mitgemacht. Aktuell lebt er bei der Schwerter Familie Graudejus zur Pflege. Mittelfristig braucht der gechipte und kastrierte Rüde aber ein neues Zuhause. Foto: Bernd Paulitschke

Bei diesem Blick muss man ihn einfach ins Herz schließen: Boxer-Mischling Mogli hat in seinem Leben schon einiges mitgemacht. Aktuell lebt er bei der Schwerter Familie Graudejus zur Pflege. Mittelfristig braucht der gechipte und kastrierte Rüde aber ein neues Zuhause. Foto: Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Mogli, Buddy und Anton wollen nur eins: toben! Mogli hat einen alten Socken im Maul, Anton stupst ihn an. Zeit für Anja Graudejus, Fahrt rauszunehmen: „Die reißen mir hier alles um, wenn ich die nicht ab und an bremse.“ Sie macht zwei Schritte an die Küchenvitrine und fragt: „Wollen wir ans Glas gehen?“ Sofort sitzen ihre drei Vierbeiner ganz still vor ihr, sie wissen: Jetzt gibt es Leckerchen.

Eigentlich gehören der 50-jährigen Schwerterin und ihrem Mann zwei Hunde: Boxer-Mischling Anton und der Westgoten-Spitz Buddy. Momentan tollt aber auch Mogli mit durch die Wohnung. Er darf allerdings nicht für immer bleiben: Für ihn ist die Familie Graudejus nur eine Pflegestelle, mittelfristig braucht der Hund ein neues Zuhause.

Seit 2001 engagiert im Tierschutzverein Arche 90


Anja Graudejus engagiert sich seit 2001 für den Dortmunder Tierschutzverein Arche 90, der sich um Tiere in Notsituationen kümmert. Immer wieder hat sie seitdem Hunde zur Pflege aufgenommen, bis sie ein dauerhaftes Zuhause fanden. Mogli ist dabei ein besonderer Fall: Er lebte bereits vor sechs Jahren, als Welpe, bei Familie Graudejus. „Damals hatte die Arche seine Mutter und die sechs Welpen bei einem Kriminellen gefunden, der sich aus dem Staub gemacht hatte.“ Nachts um kurz vor zwölf klingelte die Arche und lieferte die völlig abgemagerte Hündin und die Welpen, ebenfalls unterernährt, bei Familie Graudejus ab. „Anfangs hat die Hündin das Achtfache des eigentlich Futterbedarfs bekommen, damit sie überhaupt stillen konnte.“

Kein einfacher Fall – aber das gilt für fast alle der Tiere, die die Arche in Pflegestellen und dann langfristig an neue Besitzer vermittelt: „Die Tiere kommen aus unseren Einsätzen, sind Notfälle. Hauptsächlich kommen bei uns verletzte, kranke, besonders junge oder sehr alte Tiere an, die pflegebedürftig sind“, so Sabine Keller, bei der Arche zuständig für die Pflegestellen. Auf etwa sechzig solcher Familien oder Personen kann die Arche zurückgreifen, wenn sie für Hunde, Katzen oder auch Kleintiere ein Zuhause auf Zeit sucht. „Wir können immer nur das an Notfällen aufnehmen, was wir auch an Pflegestellen haben. Wir sind für jede Pflegestelle dankbar.“

Manchmal passt es mit den Pflegestellen sehr gut


Im Normalfall bleiben die Tiere einige Wochen in ihrer Pflegestelle. „Bevor wir sie weitervermitteln, wollen wir das Tier besser einschätzen können, damit man weiß, an wen man es vermitteln kann.“ Für Tierarzt- und Futterkosten kommt der Verein auf. Die Pflegestellen müssen vor allem Zeit mitbringen. „Wenn wir Pflegestellen verlieren, liegt es oft daran, dass das Pflegetier so perfekt passt, dass sie sich nicht mehr trennen wollen“, so Keller.

Die Erfahrung hat auch Anja Graudejus schon gemacht: Die beiden Boxer-Mischlinge Anton und Mogli sind Brüder: Beide stammen aus dem Wurf der abgemagerten Hündin.

Wenn Anja Graudejus an die Küchenvitrine geht, sind Anton, Buddy und Mogli ganz brav: Es gibt Leckerchen. Foto: Bernd Paulitschke

Wenn Anja Graudejus an die Küchenvitrine geht, sind Anton, Buddy und Mogli ganz brav: Es gibt Leckerchen. Foto: Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

„Es ist gut, dass er bei uns geblieben ist“

Warum durfte Anton damals bleiben? „Schauen sie ihn doch an. Er ist ein bisschen trottelig. Einfach ein bisschen anders als andere Hunde, deshalb ist es gut, dass er bei uns geblieben ist.“ Auch Mogli hatte damals Glück, wurde in eine Familie vermittelt, in der er lange gut lebte. Dann kam eine Scheidung, ein Todesfall. Und dann war einfach keine Zeit mehr für den Hund. Als die Arche anrief und sagte, dass er übergangsweise eine Pflegestelle braucht, zögerte Anja Graudejus keine Sekunde: „Der kommt wieder zu uns.“

Diese Lösung ist aber nicht auf Dauer


Auf Dauer ist das aber keine Lösung, daher suchen die Arche und Familie Graudejus ein neues Zuhause für den Boxermischling: „Er ist absolut friedfertig, aufgeweckt und verspielt. Manchmal etwas ungestüm, nimmt sich aber sofort zurück, wenn er merkt, etwas ist falsch gewesen. Hundeerfahrene Leute, die ihn ruhig führen können, wären gut, Kinder ab zehn Jahren wären auch kein Problem“, rührt die Schwerterin die Werbetrommel für ihren Schützling. Mogli liebe Wurfspiele – und Fressen. „Damit kann man ihm alles beibringen.“

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