Digitales Lernen am Smartphone – so läuft es an der TFG in Schwerte

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Schüler und Lehrer sind zuhause. Die Aufgaben kommen digital, direkt aufs Smartphone. So läuft es an der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule in Schwerte. Wo man einen Wunsch an die Stadt richtet.

Schwerte

, 02.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich gibt es jetzt keine Ausrede mehr“, sagt Nils Böckmann, 32, Lehrer für Deutsch und Sport an der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule. Seit Wochen schon sind die Schulen dicht. Und zurückgekehrt sind neben einigen Lehrern, die dort etwas zu organisieren und vorzubereiten haben, bisher nur die Mädchen und Jungen, die 2020 ihr Abitur oder einen anderen Abschluss machen.

An der TFG also niemand, denn die Gesamtschule befindet sich im Aufbau. Aktuell gibt es die Klassen 5 bis 8. Den ersten Abschluss gibt es also erst 2022.

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„Schön, dass man etwas flächendeckend aufbaut“

Der Vorteil für die TFG: Es ist noch Zeit. „Da ist es sehr schön, dass man was aufbaut, was flächendeckend für die ganze Schule gilt“, unterstreicht Böckmann. Kurz nach der Schulschließung hat er schnell iServ installiert und etabliert – eine Plattform, über die Lehrer und Schüler digital Aufgaben und Lösungen austauschen können, über die zudem Fragen direkt beantwortet werden können. Jeder hat einen Zugang.

Wichtig dabei: Es muss nicht über den Computer der Eltern gehen. Denn wer weiß, ob es einen solchen überhaupt gibt, ob er den Mädchen und Jungen zur Verfügung steht, wenn sie ihn brauchen? Wer sich bei iServ anmelden will, kann das über Computer und Browser tun, aber auch per App am Smartphone.

Natürlich gab es technische Hürden zu Beginn. In der ersten Schulschließungs-Woche waren erst 420 von 508 Schüler angemeldet, erläutert Böckmann. Auch Kollegen habe man noch schulen müssen im Umgang mit dem digitalen Lern-Tool.

Nils Böckmann im Homeoffice. Der Lehrer baute rasch die digitale Infrastruktur der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule aus.

Nils Böckmann im Homeoffice. Der Lehrer baute rasch die digitale Infrastruktur der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule aus. © Böckmann

Lehrer stellen Aufgaben ein, Schüler können per Foto antworten

„Jetzt ist aber Struktur drin“, unterstreicht der 32-Jährige: „Die Lehrer wissen, wie es funktioniert.“ Und dadurch, dass kleine Aufgabenpäckchen eingestellt werden könnten auf die E-Learning-Plattform, sei es nun auch für die Schüler leichter, als wenn sie einen langen Plan mit Aufgaben abarbeiten müssten. Sie können sich durch Fächer und Aufgaben klicken, direkt ein Foto von der Lösung im Heft machen und über die App abschicken.

„Die Resonanz der Schülerinnen und Schüler ist hervorragend. Diese E-Learning-Plattform ist gerade rechtzeitig in Betrieb genommen worden,“ sagt Böckmanns Lehrerkollege, Benny Alze, der Didaktische Leiter an der TFG.

Per E-Mail oder internen Messenger können Schüler und Eltern mit den Lehrern kommunizieren. Das werde auch rege genutzt. „Gute Leistungen werden natürlich zur Kenntnis genommen und können in die Abschlussnote miteinfließen“, so Alze weiter.

Vorteil dieses Anbieters: Die Daten liegen nicht bei einer US-Firma

Durch iServ bleibe der Kontakt zwischen allen Beteiligten trotz der räumlichen Distanz erhalten. „Ein wichtiger Schritt zur digitalen Transformation der Schulen“ sei vollbracht. Insofern richten die Lehrer auch einen Wunsch in Richtung Stadt Schwerte: Momentan sei das Angebot ja noch kostenlos. Was übrigens nicht ungewöhnlich ist – von Microsoft über Google bis zu kleineren Anbietern sind während Corona viele auf Neukunden aus, denen sie ihre Produkte derzeit noch kostenlos anbieten.

Alze hofft aber, „dass die Stadt Schwerte uns ermöglicht, diese Plattform auch in den kommenden Jahren zu nutzen.“ Sprich: dann, wenn es kostet. Ein Vorteil von iServ, das seit Jahren schon am Ruhrtal-Gymnasium eingesetzt wird, gegenüber zum Beispiel Microsoft: Der Anbieter kommt aus Deutschland. Die Daten liegen auf einem Server im Keller, nicht irgendwo bei einer US-Firma.

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App auch als Vorbereitung für das Leben nach der Schule

„Im pädagogischen Konzept der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule ist das selbstgesteuerte Lernen sowieso ein Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit, daher waren wir sehr zuversichtlich, dass unsere Schülerinnen und Schüler das schaffen“, so Benny Alze.

Selbstständiges Arbeiten für die Schule? Ja, schon, unterstreicht Böckmann. Aber es gehe doch weit darüber hinaus: „Man bereitet die Schüler auf den digitalen Alltag vor – darauf, ein aktiver Benutzer zu werden und die Sachen gewinnbringend zu nutzen.“ Und das Smartphone nicht nur als Gerät für Spiele und Nachrichten an Freunde zu verstehen: „Wenn man damit nicht klarkommt, hat man es später schwierig, seine Bankgeschäfte zu bewerkstelligen.“

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