DRK-Kindergarten Gänsewinkel wird vom Lebenszentrum Königsborn übernommen

mlzEltern sind besorgt

Überraschend hat das DRK die Kita Gänsewinkel an das Lebenszentrum Königborn abgegeben. Das will seine heilpädagogische Gruppe dort ansiedeln. Personal und Eltern sind besorgt.

von Martin Krehl

Schwerte

, 05.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Ende ging es ganz schnell: Im Spätsommer des vergangenen Jahres hat der DRK-Kreisverband den mit der Stadt Schwerte bereits in den Jahren 2011/2012 geschlossenen Überlassungsvertrag zum Ende des Kindergartenjahres 2018/2019 gekündigt. Nachfragen seitens der Stadt zu den genauen Kündigungsgründen blieben unbeantwortet.

Schließlich blieb der Stadt nichts Anderes übrig, als mit Zustimmung der Politik die Kündigung anzunehmen und eine Interessenabfrage zur Übernahme der Trägerschaft für die Kita Gänsewinkel zu starten.

Ergebnis: Lediglich das Lebenszentrum Königsborn in Unna sieht sich derzeit in der Lage, die Trägerschaft mit Beginn des neuen Kindergartenjahres zum 1. August 2019 zu übernehmen.

Der Geschäftsführer des Lebenszentrum, Michael Radix: „Wir hatten nach unserem Besuch vor Ort einen wirklich guten Eindruck. Wir sind immer noch am Anfang der Prüfungen zur Übernahme, aber wir werden tatsächlich die bestehenden Regel-Kita-Gruppen im Gänsewinkel übernehmen“.

Für die Stadt bietet der Trägerwechsel einen Vorteil

Für die Stadt hat diese Lösung noch einen weiteren Vorteil: Mit dem Umzug der heilpädagogischen Gruppe aus der städtischen Kita in Wandhofen in die Kita im Gänsewinkel besteht dann die Möglichkeit, den Kita-Standort in Wandhofen neu zu entwickeln.

„Eine echte Win-Win-Situation und ein Gewinn für die Trägervielfalt in Schwerte. Damit können wir auch endlich einer schon lange bestehenden Forderung des Landesjugendamtes nachkommen, das zwei Träger unter einem Dach auf Dauer ablehnt“, sagt Andreas Pap, Leiter des Schwerter Jugendamtes.

Noch steht das DRK-Schild am Zaun zu der Einrichtung.

Noch steht das DRK-Schild am Zaun zu der Einrichtung. © Krehl

Was wird aus dem Personal?

Ob die Königsborner auch das DRK-Personal komplett gleich mit übernehmen, steht noch nicht fest. „Es ist eher in meinem Sinne, gute und motivierte Leute zu übernehmen, als sie zu verlieren“, sagt Michael Radix dazu. Motiviert ist das Gänsewinkel-Personal allemal, das Team möchte sehr gern zusammenbleiben.

Einige Erzieherinnen sind seit Jahrzehnten beim DRK beschäftigt und fürchten, auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen zu haben. „Wir haben noch nicht alle Unterlagen, deshalb kann ich auch zum Thema Personal noch gar nichts sagen,“ bittet Michael Radix um Verständnis.

Sommer 2020 soll die heilpädagogische Gruppe umziehen

Vorgesehen ist zunächst die Fortführung der dreigruppigen Einrichtung durch das Lebenszentrum, so wie sie da steht.

Im Sommer 2020 soll laut Radix die heilpädagogische Gruppe aus der städtischen Kindertageseinrichtung in Wandhofen zum Gänsewinkel umziehen, dann bliebe dort Platz für mindestens zwei Regelgruppen mit dem dazu gehörenden städtischen Personal.

Keine strategische Entscheidung

Beim DRK-Kreisverband Unna muss jetzt die neue Kreisgeschäftsführerin Christine Scholl die Suppe auslöffeln, die ihr Vorgänger Michael Lihl ihr eingebrockt hat. Der hatte den Mietvertrag „zur Optimierung der Vertragssituation“ aufgekündigt.

Scholl: „Wir müssen jetzt diese Einrichtung abgeben, dahinter steckt keineswegs eine strategische Entscheidung, die auch andere Einrichtungen unsers Verbandes betreffen“.

Sprich: Mit dem DRK-Hort am Wuckenhof zum Beispiel hat diese Geschichte nichts zu tun, dort ändert sich nichts.

Keine offenen Stellen für Erzieherinnen in Schwerte

Christine Scholl hat großes Verständnis für die Sorgen der Erzieherinnen: „Ich kann nur jeder Kollegin raten, selbst zu entscheiden, ob diese Situation ein Anlass zu einer Neuorientierung ist“.

Der Kreisverband habe offene Stellen für Erzieherinnen, allerdings nicht in Schwerte. Wenn Erzieherinnen im Sommer nicht zum neuen Träger Lebenszentrum Königsborn gGmbH wechseln wollen, muss der DRK-Kreisverband über alle im Verband beschäftigten Erzieherinnen eine Sozialauswahl treffen.

Eine Elternversammlung am Dienstag beginnt um 18 Uhr.

Kommentar von Martin Krehl


Ehemaliger Geschäftsführer hat zu hoch gepokert


Eine Einrichtung wie die Kita im Gänsewinkel, 2011 erst neu gebaut und erstklassig ausgestattet mit einem kreativen, motivierten Klasse-Team – welcher Träger gibt denn so etwas freiwillig ab? Der ehemalige Kreisgeschäftsführer des DRK wollte im Vertragsgerangel mit der Stadt zocken und hat zu hoch gepokert – die Stadt besaß nämlich die Frechheit, seine eiskalte Mietvertragskündigung ebenso kaltlächelnd anzunehmen. Natürlich haben die Kinder der heilpädagogischen Gruppe des Lebenszentrums ein barrierefreies Kita-Schmuckstück verdient. Und natürlich wird man sich in Wandhofen freuen, dass der Weg für einen Kita-Neubau jetzt frei ist – aber genauso natürlich werden sich Schwerter Eltern jetzt fragen, ob sie ihr Kind in der richtigen Kita angemeldet haben. Ihre Wunsch-Einrichtung an der Grünstraße wird nämlich im nächsten Kindergartenjahr ganz anders aussehen, sehr wahrscheinlich wird auch das Erzieherinnen-Team dann anders aussehen. Einige Fachkräfte werden dann im Gänsewinkel nicht mehr gebraucht. Der neue Träger wird eine neue Pädagogik mitbringen. Der Blick zurück bringt jetzt gar nichts. Es ist, wie es ist. Alle Beteiligten müssen jetzt gemeinsam in eine Richtung ziehen – nach vorne. In die Zukunft.
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