''Ehrenmord''-Prozess: Welche Rolle spielte der Onkel?

20-Jährige erschossen

Im "Ehrenmord"-Prozess schweigen die vier Angeklagten beharrlich. Aber in polizeilichen Vernehmungen vor über vier Jahren scheinen sie auskunftsfreudiger gewesen zu sein. Am Mittwoch hörte das Gericht weitere Ermittlungsbeamte. Diesmal ging es um den anderen Onkel (49) der Getöteten.

SCHWERTE/HAGEN

von Von Patricia Prange

, 15.05.2013, 16:12 Uhr / Lesedauer: 1 min
Überraschende Entwicklung im ''Ehrenmord''-Prozess: Ein Onkel (Foto) und die Mutter der Getöteten sind aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Überraschende Entwicklung im ''Ehrenmord''-Prozess: Ein Onkel (Foto) und die Mutter der Getöteten sind aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Hintergrund
Seit dem 15. März 2013 sitzen zwei Onkel, die Mutter und ein Bruder des Opfers auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Sie sollen die junge Frau im Sommer 2008 wegen ihres westlichen Lebensstil auf einem „Familientribunal“ zum Tode verurteilt haben. Die 20-Jährige aus Schwerte wurde auf einem Rastplatz an der A45 mit einem Kopfschuss hingerichtet. Ein Cousin wurde bereits verurteilt.

Laut Anklage soll er den Rastplatz „Sterbecker Siepen“ als Tatort festgelegt haben. In der Mordnacht führte er unter anderem einige Telefonate mit seinem Sohn, wie die Auswertung von Handydaten ergeben hatte.Bei der polizeilichen Vernehmung vor viereinhalb Jahren gab er dazu an, sich nur erkundigt zu haben, wie es seinem Sohn gehe. Dass die Anrufe bis nach 23 Uhr erfolgten und ein letzter sogar noch gegen vier Uhr in der Frühe, habe der Angeklagte damals als „normal“ bezeichnet, erinnerte sich ein 43-jähriger Vernehmungsbeamter im Zeugenstand.

In der Vernehmung habe der Onkel sein Verhältnis zur Ermordeten als positiv beschrieben. Er habe sich als eine Art „Vaterersatz“ für die junge Frau gefühlt, nachdem sie ihren Vater verloren hatte, gab der 43-jährige die Aussage des Onkels wieder. Kommende Woche wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen der Richter und Protokollführer aus dem ersten Prozess als Zeugen aussagen. Zudem soll ein Ethnopsychologe erklären, was unter „Ehrenmord“ zu verstehen ist.  

Hintergrund
Seit dem 15. März 2013 sitzen zwei Onkel, die Mutter und ein Bruder des Opfers auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Sie sollen die junge Frau im Sommer 2008 wegen ihres westlichen Lebensstil auf einem „Familientribunal“ zum Tode verurteilt haben. Die 20-Jährige aus Schwerte wurde auf einem Rastplatz an der A45 mit einem Kopfschuss hingerichtet. Ein Cousin wurde bereits verurteilt.

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