Nina Stahl (v.l.), Koordinatorin beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Kreis Unna, freute sich über die Spende von Sarah und Sascha Ruhnke. © Nina Stahl
Brötchentüte mit Geld

Ehrliche Kundin verzichtet auf den Finderlohn – und denkt stattdessen an andere

Ein Schokocroissant war im Bistro „Das Beckers“ in der Tüte mit den Tageseinnahmen verkauft worden. Die ehrliche Kundin meldete sich. Den Finderlohn will sie nicht. Sie hat anderes im Sinn.

Der beinahe so verhängnisvolle Irrtum der Verkäuferin vom Bistro Das Beckers tat letztlich sogar noch Gutes. Die ehrliche Schokocroissant-Kundin Michaela Kops, der sie versehentlich in einer Brötchentüte die Tageseinnahmen gegeben hatte, brachte den Beutel mit der unverhofften Zugabe zurück. Einen Finderlohn lehnte die Diplom-Pädagogin, die den sozialen Dienst im Altenheim Haus am Stadtpark leitet, für ihre Tat aber ab.

Vielmehr schlug sie vor, das Geld dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Kreis Unna zu spenden, mit dem ihre Einrichtung schon viele Jahre zusammenarbeitet – nicht nur bei Spendenaktionen, sondern auch am jährlichen Tag der Kinderhospizarbeit.

Der Scheck über 150 Euro ist willkommen

„Das ist eine ganz schöne Geste“, freute sich Kinderhospizdienst-Koordinatorin Nina Stahl, die den Anruf von „Das Beckers“-Chef Sascha Ruhnke erhielt. Der Bäckermeister und seine Frau Sarah Ruhnke seien mit ihrer Bäckerei Becker ebenfalls langjährige Unterstützer ihrer Organisation.

In dem Bistro an der Bahnhofstraße nahm sie den Scheck über 150 Euro entgegen. Das Geld ist hochwillkommen. Denn die Arbeit des Kinderhospizdienstes ist für die betroffenen Familien komplett kostenfrei, wie Nina Stahl betont. Nur etwa ein Viertel der entstehenden Kosten sei durch Mittel der Krankenkassen gedeckt. Der Rest müsse über Spendengelder finanziert werden.

In Bäcker Beckers Bistro „Das Beckers“ an der unteren Bahnhofstraße hatte sich der Irrtum mit der Brötchentüte in der vergangenen Woche ereignet.
In Bäcker Beckers Bistro „Das Beckers“ an der unteren Bahnhofstraße hatte sich der Irrtum mit der Brötchentüte in der vergangenen Woche ereignet. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Kreis Unna hat sich zur Aufgabe gemacht, an lebensverkürzenden Krankheiten leidende Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und deren Familien zu begleiten. Dazu werden ehrenamtliche Mitarbeiter ausgebildet. Diese unterstützen die erkrankten Kinder, spielen mit ihren Geschwistern, haben ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte und sind darüber hinaus Ansprechpartner für die Eltern. Derzeit begleitet die Organisation mit mehr als 70 Ehrenamtlichen im Kreis Unna 45 Familien, davon zwei in Schwerte.

Manchmal machen Kooperationspartner auf die Fälle aufmerksam, meistens melden sich die Betroffenen aber selbst. Manchmal sind es aber auch Spender wie in diesem Fall Bäcker Becker, die die Nummer des Kinderhospizdienstes wählen.

Die Höhe des Finderlohns ist übrigens im Bürgerlichen Gesetzbuch (Paragraf 971) geregelt: Bei verlorenen Gegenständen bis zu einem Wert von 500 Euro beträgt er 5 Prozent, für jeden darüber hinausgehenden Euro werden 3 Prozent berechnet.

Michaela Kops wollte von alledem nichts. Ihr reichten als Belohnung voll und ganz Schokocroissant, Brötchen und Brot, die Sascha Ruhnke sofort an ihrem Arbeitsplatz vorbeigebracht hatte.

Kontakt zum Kinderhospizdienst
  • Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Kreis Unna hat seinen Sitz in Unna, Gabelsbergerstraße 5.
  • Er ist zu erreichen unter Tel. (02303) 942490. Auf dem Anrufbeantworter ist jederzeit eine Notfallnummer hinterlegt.
Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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