Ein Leben in der Stille - Gehörlose berichten

Verein in Iserlohn

Mit den Händen sprechen, Wecker mit Lichtsignalen, Terminstress mit dem Gebärden-Dolmetscher und Probleme in der Berufswelt - hier berichten Gehörlose aus ihrem Leben. Ein Leben in Stille.

SCHWERTE

von Von Anne Petersohn

, 23.04.2011, 08:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im evangelischen Gemeindehaus Letmathe kommen (v.l.) Pfarrerin Christine Brokmeier, Antje, Ronja und Jan Mader sowie Jonas, Janika und Jill Herzer miteinander ins Gespräch. Sie alle beherrschen die Gebärdensprache.

Im evangelischen Gemeindehaus Letmathe kommen (v.l.) Pfarrerin Christine Brokmeier, Antje, Ronja und Jan Mader sowie Jonas, Janika und Jill Herzer miteinander ins Gespräch. Sie alle beherrschen die Gebärdensprache.

   Einmal im Monat kommt Familie Mader in Iserlohn mit anderen Gehörlosen zusammen. Im Letmather Gemeindehaus an der Friedensstraße lädt der Gehörlosenverein zu seinen Treffen ein. Seelsorgerin Christine Brokmeier ist dann als Ansprechpartnerin vor Ort, bietet Gottesdienste in Gebärdensprache an. Viele Gehörlose, weiß sie, kommen von weit her, um daran teilzunehmen. „Meist sind Hörende und Nicht-Hörende in einer Familie zusammen.“So ist es auch bei den Herzers aus Iserlohn. Mutter Jill Herzer (37) tauscht sich gerne mit Antje Mader aus - in Gebärdensprache. Und Sohn Jonas (5) tobt mit seiner Schwester Janika (8) und den anderen Kindern durch das Gemeindehaus. Viele von ihnen haben gehörlose Eltern.

Der Weg ins Berufsleben sei schwierig, so Antje Mader.  Nach ihrem Realschulabschluss hat die Schwerterin eine Ausbildung zur Goldschmiedin gemacht - bis zum Meisterin.  „Ich musste viele Bewerbungen schreiben, bis es geklappt hat“, erinnert sie sich. Jill Herzer kann das bestätigen: Die Vermessungstechnikerin ist auf Jobsuche. „Wegen der Hörbehinderung ist es nicht so einfach, etwas zu finden.“ Die Zeit habe viele Verbesserungen gebracht: Wecker und Klingel funktionieren mit Lichtsignalen, ein Bildtelefon ermöglicht Kommunikation auf Distanz. „Computer und Handy sind ebenfalls große Hilfen“, berichtet Jill Herzer.

Dass sie für jeden Arztbesuch einen Termin mit der Gebärden-Dolmetscherin abstimmen müsse, sei dennoch frustrierend. „Vor allem, weil nicht alle Kosten übernommen werden.“ Ob sie jemals den Wunsch hatten, ein bestimmtes Geräusch hören zu können? Antje Mader und Jill Herzer schütteln einhellig den Kopf. „Die optischen Eindrücke zählen.“ In dicken Alben stapeln sich deshalb die Fotos – Erinnerungen an die schönsten Ereignisse der Familiengeschichte.

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