Dieses Nistangebot soll die Dohlen im kommenden Frühjahr vom Schornstein weg locken. © Dr. Thomas Kruse
Clevere Lösung

Ein Nistplatz im Giebelfenster: Hausbesitzerin aus Schwerte hat alles richtig gemacht

Giftige Gase, gestaute Hitze: Das kann passieren, wenn im Schornstein Vögel nisten. Eine Hausbesitzerin in Schwerte hatte ein Nest im Kamin – und hat jetzt eine andere Lösung gefunden.

Wenn sich jemand schon mal die Frage gestellt hat, welchen Nutzen eigentlich der Besuch des Schornsteinfegers hat, der muss diese Geschichte einer Schwerter Hausbesitzerin kennen.

Bei einer routinemäßigen Kaminüberprüfung und -Reinigung fand man ein Dohlen-Nest im Schornstein der Frau. Die Dohlen waren wohl schon fertig mit der Brut und hatten das Nest verlassen.

Der Schornsteinfeger entfernte das Nest und reinigte den Kamin. Doch die Hausbesitzerin überlegte und hatte den richtigen Gedanken: Die Dohlen würden bestimmt im nächsten Jahr zur Brutzeit wiederkommen.

Nestbauer kommen zurück

Wie sollte sie verhindern, dass dann ein neues Nest in dem Kamin gebaut wird? Auf der Suche nach einer Antwort fragte sie den Nabu in Unna und kennt die Ornithologen der Agon (Arbeitsgemeinschaft Ornithologie und Naturschutz) in Schwerte. „Die Frau hat genau richtig gehandelt“, lobt Vogelexperte Dr. Thomas Kruse.

Die Schwerter Vogelkundler sahen sich das Haus an und fanden eine Lösung für eine alternative Nistmöglichkeit. In dem Altbau entdeckten sie ein ungenutztes Giebelfenster. Mit dem Einverständnis der Besitzerin bauten sie am Freitag (13.8.) einen Nistplatz.

Das Giebelfenster verblendeten die Ehrenamtler mit einer Holzplatte inklusive Einflugloch und Ansitzstange. Die Dohlen können dahinter in einem Kasten nisten. Was die Vögel nicht wissen: Die Hinterwand ist aufklappbar, damit die Kiste gereinigt werden kann.

Dohlen-Kolonie in Schwerte

Die Rückkehr der Dohlen ist sehr wahrscheinlich, denn Dohlen nisten gerne in Kolonien, also niemals alleine. Auch in Schwerte gibt es so eine Kolonie. Deshalb machen die Tierschützer allen Nachbarn das Angebot, ähnliche Nisthilfen anzubringen.

Denn ein Dohlen-Nest im Schornstein ist lebensgefährlich für die Bewohner. Unter dem Nest staut sich die Hitze der Heizungsanlage, was zu Bränden führen kann. Die Dohlen merkten von der Hitze kaum etwas, denn so ein Nest kann bis zu zwei Meter dick werden.

Die Dohlen sind clevere Nestbauer. Zuerst werfen sie Äste in die Kamine. Früher oder später verkantet sich ein Ast, dann ein nächster und so weiter. So entstehen stabile Nester, die teilweise selbst vom Schornsteinfeger mit seiner Metallkugel an einer Kette nicht beseitigt werden können. Die Schwerterin hatte also noch Glück.

Dohlen auf dem Dach

Für Hausbesitzer gibt es mehrere Möglichkeiten, zu erkennen, ob ihr Kamin als Nesthöhle genutzt wird. Zuerst einmal lohnt der Blick zum Kamin. Wenn man mehrmals Dohlen auf dem eigenen Haus beobachtet, sollte man sofort seinen Schornsteinfeger benachrichtigen.

Außerdem soll der Nestbau recht laut sein, wenn die Äste in den Kamin fallen. Und wenn die Dohlen gebaut haben, kann man sich an die Agon wenden.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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