Dany und Nadine Hartmann bieten an der Bachstraße in Villigst klassische Weihnachtsmarkt-Süßigkeiten an. © Holger Bergmann
Corona-Krise

Ein Stand in Villigst befriedigt ein großes Bedürfnis vieler Menschen

Eigentlich wollten Nadine und Dany Hartmann einen Lieferservice für Süßigkeiten aufbauen. Aber schon am ersten Tag mussten sie alle ihre Pläne über den Haufen werfen.

Die Bachstraße, die Zufahrt zum Gewerbegebiet Villigst ist alles andere als belebt. Die Begriffe „einsam“ und „abgelegen“ passen eher zu dieser Gegend. Seit Anfang November ist die Parkplatzsuche auf Höhe von Hausnummer 12 trotzdem eher ein Glücksspiel.

Denn dort verkaufen Nadine und Dany Hartmann Weihnachtsmarkt-Naschereien. Gebrannte Mandeln, Lebkuchen-Herzen und Schokofrüchte in einem bunt leuchtenden Verkaufsstand mitten im Grau eines Gewerbeparks.

Erst Fundomio dann Vechta

Doch eigentlich stehen die beiden gar nicht irgendwo, sie stehen vor der Halle von Michael Hartmann, Vater von Dany Hartmann und natürlich auch Schausteller.

Den Lockdown-Sommer haben die Hartmanns zuerst im Dortmunder Pop-Up-Freizeitpark Fundomio rund um die Westfalenhallen und später im Freizeitpark Vechta verbracht. Mit dem Fahrgeschäft „Fliegender Teppich 1001 Nacht“.

„Damit haben wir den Sommer weitgehend überbrücken können“, berichtet Dany Hartmann. Denn Schausteller gehören zu der Gruppe, die besonders unter den Corona-Beschränkungen leiden. Denn wenn es keine Jahrmärkte gibt, gibt es auch keinen Umsatz für Schausteller.

Die Schwester ist das Vorbild

Im Oktober standen die Hartmanns dann vor der Frage: „Wir soll es weitergehen?“, sagt Dany Hartmann. Auf den angestammten Weihnachtsmarkt in Siegen zu warten, der dann auch nicht gekommen sind, war ein Risiko.

Den entscheidenden Anschub gab es von Danys Schwester. Die betreibt in Kirchen im Westerwald einen Indoor-Freizeit-Park. Der musste natürlich schließen. Doch die Schwester verkaufte einfach Süßigkeiten vor der Tür. Unter dem Titel „Süße Kirmes-Spezialitäten“.

Einen Tag später sicherte sich Bruder Dany das Firmen-Profil „Süßes von der Kirmes“ bei Facebook. Eigentlich sah der Plan einen Lieferservice vor, im Internet Bestellungen entgegennehmen und dann ausliefern.

Kunden kamen schon am ersten Tag

Doch bereits am ersten Tag klingelten die Kunden direkt an der Tür des Betriebs an der Bachstraße und wollten sich gebrannte Mandeln selbst abholen. „Da haben wir uns gedacht, dass wir auch gleich einen Stand aufbauen können“, so Hartmann.

Eine Entscheidung, die sich gelohnt hat, denn Dany und Nadine Hartmann sind nur selten allein in ihrem Stand. Die Nachfrage ist riesig. „Das scheint ein starkes Bedürfnis der Menschen zu sein“, meint Nadine Hartmann. „Gebrannte Mandeln zu Weihnachten, vielleicht auch einfach nur der Duft.“

Ein Rätsel bleibt aber noch: Seit dem 20. November steht ein zweiter Stand der Hartmanns vor dem Schwerter Kaufland. Doch dort laufen die Geschäfte gar nicht, trotz des viel größeren Publikum-Verkehrs. Seltsam.

Egal, die beiden freuen sich schon auf Heiligabend. Für diesen Tag haben sie einen dicken Packen Vorbestellungen für gebrannte Mandeln.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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