Ein Syrer erkundet die Redaktion der Ruhr Nachrichten

Zeitungsdesigner floh nach Schwerte

Mohammad Ushman Salem hat schon viel erlebt: Als Gastarbeiter hat der Syrer lange in Kuwait gelebt. Als er von dort zurück in den syrischen Bürgerkrieg abgeschoben wurde, flüchtete er – bis nach Schwerte. In der Schwerter Redaktion der Ruhr Nachrichten begab er sich auf berufliche Spurensuche.

Schwerte

, 19.02.2018, 09:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mohammad Usama Salem (40) mit einem Bild der Zeitung, die er in Kuwait gestaltet hat.

Mohammad Usama Salem (40) mit einem Bild der Zeitung, die er in Kuwait gestaltet hat. © Mühlbauer

Auf seinem alten Samsung-Handy zeigt Mohammad Ushman Salem seine Arbeit. Und die erinnert die Schwerter Zeitungsmacher an das eigene Werk. Denn auch wenn die lateinischen Buchstaben durch arabische ersetzt sind und die Bilder auf den Seiten ausschließlich Männer zeigen, eine Lokalzeitung bleibt eine Lokalzeitung.

Eigentlich wollte Salem nur einmal sehen, wie man hier in Deutschland Zeitungen baut. Aus Syrien ist er über den Libanon und zwei Auffanglager in Deutschland nach Schwerte gekommen. Zunächst wohnte er mit seiner Familie in der Container-Siedlung an der Grünstraße. Doch jetzt sind sie in eine richtige Wohnung am Robert-Koch-Platz umgezogen. Bei der VHS lernt er Deutsch. Noch läuft das nicht ganz so unfallfrei. Dafür kann er sich aber gut auf Englisch verständlich machen.

Zuständig für das Layout

Geboren ist Salem in Syrien. Doch lange Jahre war er Gastarbeiter in Kuwait. Denn dort schätzte man seine Fähigkeiten als Zeitungsdesigner. Der Syrer war für das Layout einer lokalen Tageszeitung zuständig. Bilder einpassen, Überschriften setzen und Kästen für die Inhalte bauen, war sein Job.

„Wir bekamen die Texte zugesandt, haben sie dann am Computer in die entsprechende Form gebracht und dem Verlag zurück als PDF geschickt“, erzählt er. Das in Deutschland die Zeitung ohne diesen Zwischenschritt auskommt und die Redakteure das Layout direkt am Bildschirm selber anpassen, erstaunt ihn beim Besuch in unserer Lokalredaktion. Das einzelne Handwerkszeug erscheint ihm aber ähnlich.

Eigentlich hatte er als Gastarbeiter in Kuwait ein gutes Auskommen. Der kleine Staat sei zwar vom Preisniveau ziemlich teuer, letztlich verdiene man dort aber auch gut. Und auch wenn die echten Kuwaitis lieber unter sich blieben, schätzte er das internationale Flair. „Da arbeiteten Inder, Schwarzafrikaner, Europäer und Asiaten zusammen.“ Zudem wird sowohl in Syrien als auch in Kuwait arabisch gesprochen und geschrieben, sodass es keine Verständigungsprobleme gab. „Meine Kinder sind da geboren und aufgewachsen“, erzählt er. Doch dann verabschiedete sich die Zeitung in Kuwait von ihrer gedruckten Ausgabe und bot nur noch eine Internetvariante an. Das war das Ende für die Familie Salem in der Fremde.

Abgeschoben nach Arbeitslosigkeit

Mit der Arbeitslosigkeit des Vaters verlor die Familie ihre Aufenthaltsgenehmigung und wurde in Richtung Heimat abgeschoben. Dass da seit Jahren der Bürgerkrieg tobte, war den arabischen Nachbarn egal.

Nach kurzem Aufenthalt in Damaskus beschlossen die Salems deshalb, aus ihrer Heimat zu fliehen. In Richtung Nachbarland Libanon ging es und von dort nach Deutschland. Hier hofft der Familienvater, einen Job in Richtung Internet-Design zu finden. Zuvor muss aber kräftig Deutsch gebüffelt werden.

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