Einbrüche bis der Arzt kommt

SCHWERTE Auch Kriminelle müssen hin und wieder zum Arzt. Aber brechen sie gleich dreimal in das Wohnhaus eines Mediziners ein? Dieser Frage wird vor dem Gericht in Hagen nachgegangen.

von Von Reinhard Schmitz

, 20.09.2007, 17:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Landgericht in Hagen.

Das Landgericht in Hagen.

Was hatten es die Kriminellen auf den Doktor abgesehen: Gleich dreimal drangen sie binnen drei Jahren in das Wohnhaus des 72-Jährigen ein, dem die Staatswanwaltschaft vorwirft, am 24. Januar 2005 einen Einbruch in seine Schwerter Praxis vorgetäuscht zu haben.

50 000 Mark Schaden

Die entsprechenden Ermittlungsakten legte der Staatsanwalt jetzt  auf den Tisch des Vorsitzenden Richters Michael Brass, als der Prozess gegen den Mediziner vor dem Hagener Schöffengericht IV fortgesetzt wurde. Bei einem Einbruch in das private Anwesen am 26. März 2001 sei ein Schaden von 50 000 Mark angegeben worden, bei den weiteren Taten am 20. November 2003 und am 20. Januar 2004 jeweils einer von 40 000 Euro. Die Täter konnten in allen Fällen nicht ermittelt werden.

Recherche im Schuldnerverzeichnis

Genau recherchiert hatte die Staatsanwaltschaft indessen beim Schuldnerverzeichnis des Amtsgerichtes Schwerte. Dort war eingetragen, dass die Ehefrau des Internisten am 6. September 2006 die Eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte. Nach Kenntnis des Anklägers nicht zum ersten Mal. Denn denselben Schritt sei sie mit ihrem Ehemann schon einmal 1999 gegangen.

Weitere Details aus der Vita des Angeklagten hatte Richter Brass ausgegraben. Das Bundeszentralregister verriet, dass der Mediziner schon über Erfahrungen mit Justitia verfügt. 1999 und 2005 sei er wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden - zuletzt zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 18 Monaten. Außerdem waren zwei Fälle von Betrug aktenkundig.

Zeugin muss zahlen

Was den Internisten im Falle des aktuellen Vorwurfs erwartet, wird voraussichtlich erst am 8. Oktober zu erfahren sein. Auf diesen Termin musste die Verhandlung vertagt werden, weil eine Entlastungszeugin trotz Ladung gestern nicht erschienen war. Sie soll aussagen können, dass die Arzt-Gattin tatsächlich über Original-Rechnungen der medizinischen Geräte verfügte, die seit dem Praxis-Einbruch verschwunden sind. Zunächst jedoch wurde die Zeugin selbst verdonnert: Wegen unerlaubten Fehlens muss sie ein Ordnungsgeld von 150 Euro und die Mehrkosten zahlen, die durch die Verzögerung der Verhandlung entstehen.

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