Eine Ehefrau für einen Abend gesucht

Volksbühne Höchsten

„Job-Suey“ oder „Kein Dinner für Sünder“ hieß es am Samstagabend bei der Premiere der Volksbühne Höchsten – eine rasante Boulevard-Komödie mit viel Humor und überzeugender Darstellung.

Hennen

, 11.03.2019, 13:29 Uhr / Lesedauer: 3 min
Eine Ehefrau für einen Abend gesucht

Das aktuelle Stück der Volksbühne Höchsten heißt: Job-Suey oder Kein Dinner für Sünder. © Manuela Schwerte

Ganz klare Vorstellungen brachte der große Boss aus den Staaten auf seiner Europa-Tour mit nach London: Die Manager seines weltweiten Investment-Imperiums müssen einen absolut lupenreinen Lebenswandel führen und vor allen Dingen verheiratet sein – Prüfung vor Ort eingeschlossen. Und da galt es für Jim Watt, dem Filialleiter der britischen Niederlassung, einige Hürden zu überwinden: Lebt er doch in „wilder Ehe“ mit dem Top-Model Helen Foster – ein Zustand, den sein Chef auf keinen Fall akzeptieren wird. Schon der französische Kollege von Jim scheiterte an dieser „Anti-Junggesellen-Forderung“.

So die Ausgangssituation der überaus humorvollen und mit vielen Pointen gespickte Komödie des englischen Schriftstellers Edward Taylor. „Das Stück passt prima in unseren Spielplan und ist optimal zugeschnitten auf unsere aktuelle Personalsituation“, sagte Spielleiterin Birgit Schreiber zur Auswahl des Bühnenstückes.

Ehefrau gesucht

Und Birgit Schreiber sollte recht behalten: Von Beginn an ging es turbulent zur Sache. Händeringend sucht Investment-Banker Jim Watt, hervorragend und spielfreudig dargestellt von Bernd Peters, eine Ehefrau für einen wichtigen Abend – hing doch sein Job von einer tadellosen Präsentation ab.

Allerdings war seine attraktive Dauerfreundin Helen Foster, von Sandra Hellweg überzeugend in Szene gesetzt, absolut nicht bereit, die Ehefrau für nur einen Tag zu mimen – wartet sie doch bereits seit zwei Jahren auf den Heiratsantrag des Ehemuffels Jim. Auch seine Argumentation: „Ich dachte, Du legst Wert auf Deine Unabhängigkeit“, nutzte nichts – wütend und mit kleinem Gepäck verließ sie das Haus. Nun war guter Rat gefragt: Die Anrufaktionen mit seinen Ex-Freundinnen waren erfolglos – alles Absagen.

Auch seine Bürokraft und Buchhalterin Terry Pringle (Claudia Jaenecke) konnte nicht einspringen, hatte sie doch ausgerechnet an diesem Abend eine für sie wichtige Theaterprobe. Dann der entscheidende Einfall: Die exzentrische Putzfrau Edna Chapman soll die Ehefrau-Rolle übernehmen – gegen entsprechendes Entgelt. „Und der Friseur muss auch noch drin sein“, so Angelika Bien in der auf sie zugeschnittenen Paraderolle als Staubsauger-Dompteuse und Reinigungskraft Edna: „Was Sie brauchen, Mister Watt, ist eine reife Frau. Der Altersunterschied stört überhaupt nicht – wäre bei einer Heirat mit Madonna auch nicht anders“ – und ist ja auch für Heidi Klum aktuell.

Scotch Pur für den Boss

Nun galt es, alles herzurichten: Das von Bühnenmeister Artur Schreiber und seinem Team gestaltete Wohnzimmer des Bankers im modern-gemütlichen Stil mit Sofa, Sitzecke, Stehlampe und gut bestückter Hausbar musste durchgeputzt und das Essen vorbereitet werden.

Auch die Getränkefrage wurde geklärt: „Alle Amerikaner trinken Cola – sie sind dazu verpflichtet“, erklärte Jim Watt die vermeintlichen Trinkgewohnheiten seines mächtigen Bosses aus Übersee. Natürlich kam es anders: Der absolut puritanische und tugendhafte US-Manager und Investment-Magier Bill McGregor (Ralf Führer), der gemeinsam mit seiner Frau Nancy (Ute Schütt) zum Mitarbeiter-Check eintraf, erwies sich mit seinen schottischen Wurzeln als Whisky-Spezialist und Scotch-Pur-Freund.

Spontan wurde der Big-Boss von der aufgepeppten Abend-Ehefrau Edna mit „Halleluja, Bruder!“ begrüßt. Und als dann noch die mitleidsgeplagte Dauerfreundin Helen Foster sowie die doch zeit-habende Bürokraft Terry Pringle auftauchten, kam das gesamte Geschehen ins Rollen – einschließlich Verwechslungen und Versteckspiel. Ob das wirklich gut ausgeht oder sogar ein knalliges Ende findet?

Spaß bei den Zuschauern

Viel Spaß hatten die rund 150 Besucher aller Altersstufen im ausverkauften Haus Dröge-Adria in Kalthof an dem humorvoll und gekonnt von den Darstellern herübergebrachten Stück – lediglich der Vorhang fiel einmal aus der Rolle. „Das gehört zu einer Premiere irgendwie dazu“, sagte Tobias Esche, Vorsitzender der Volksbühne Höchsten: „Wir sind zwar ein Dortmunder Verein, haben aber glücklicherweise hier im Haus Dröge-Adria unsere Heimat gefunden – und sind schon in Vorfreude auf unser 100-jähriges Bestehen“.

Guter Zweck inklusive

Mit viel Beifall bedankten sich die Besucher bei den Protagonisten – und der Vorhang musste zum Abschluss noch ein paarmal geöffnet werden. Zufrieden zeigten sich auch die Darsteller: „Der Funke sprang direkt von der Bühne zum Publikum über und die vielen Lacher mit Zwischenapplaus waren absolute Motivation für uns“, so die Schauspieler Bernd Peters und Sandra Hellweg.

Und weitere Gewinner des Abends gibt es zudem, wie Tobias Esche erklärte: „Ein Teil der Einnahmen geht auch in diesem Jahr für gemeinnützige Zwecke an die soziale Jugendförderung.“

Infos Karten und Co.

  • Veranstaltungsort: Haus Dröge-Adria in Iserlohn-Kalthof an der Leckingser Straße 143.
  • Die weiteren Aufführungs-Termine sind Samstag, 16. März um 19.30 Uhr; Sonntag, 17. März um 18 Uhr; Samstag, 23. März um 19.30 Uhr sowie Sonntag, 24. März um 18 Uhr.
  • Der Kartenpreis beträgt je nach Platz 9 Euro oder 8 Euro.
  • Kartenreservierung über die telefonische Ticket-Hotline (02304) 940 6200 oder im Internet unter www.volksbuehne-hoechsten.de
  • Wer gerne auf, vor oder hinter der Bühne bei der traditionsreichen Theatergruppe mitwirken möchte: Die Volksbühne Höchsten sucht für seine nächsten Bühnenstücke und überhaupt Interessenten und Nachwuchs jeder Altersklasse – Kontaktaufnahme über die vorgenannte Homepage oder Telefonnummer.
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