Eine Villa zieht um: Dieses Haus wurde am Postplatz ab- und am Stadtrand wieder aufgebaut

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Ein Haus steht einem Neubau im Weg. Das kommt öfter vor. Dass man aber ein ganzes Haus umsiedelt, das geschah in Schwerter beim Bau des Postamtes. Und zwar schon im Jahr 1908.

Schwerte

, 26.01.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein ganzes Haus auf dem Umzugswagen: Ein Riesen-Spektakel muss es für die Ruhrstadt gewesen sein, als die Villa des Amtsrichters Brügmann im Jahre 1908 am Postplatz ab- und am Talweg 16/18 wieder aufgebaut wurde.

Dank ihrer Fachwerk-Konstruktion konnte die Villa Brüggemann am Postplatz ab- und am Talweg 16/18 als Doppel-Wohnhaus wieder aufgebaut werden. Auch ein neuer Kastanienbaum wurde daneben in die Erde gesetzt.

Dank ihrer Fachwerk-Konstruktion konnte die Villa Brüggemann am Postplatz ab- und am Talweg 16/18 als Doppel-Wohnhaus wieder aufgebaut werden. Auch ein neuer Kastanienbaum wurde daneben in die Erde gesetzt. © Schmitz

„Das Haus musste damals Platz machen für den Bau des neuen Postamts“, weiß Klaus Gerhold, der Material über die ungewöhnliche Recycling-Aktion gesammelt hat. Die repräsentative Brief- und Telegrafen-Station im historizistischen Stil sollte den Eingang des neuen Stadtviertels markieren, das in Richtung des einige Jahrzehnte zuvor eröffneten Bahnhofs gewachsen war. Um ihre Bedeutung zu unterstreichen, wurde gleichzeitig der Postplatz angelegt.

Richter-Villa stand den Stadtplanern im Weg

Diesen stadtplanerischen Absichten stand die Richter-Villa im klassizistischen Stil im Wege. Ihre Fachwerk-Konstruktion, die sich hinter der massiv erscheinenden Fassade verbarg, ermöglichte aber einen Umzug.

Die Ausmauerungen wurden aus dem Ständerwerk herausgebrochen, das anschließend in seine Einzelteile zerlegt werden konnte. Am Talweg, der damals noch Auf der Westerheide hieß, wurden diese wieder zu einem Doppelwohnhaus zusammengesetzt. Nur der herrschaftliche Eingang mit Freitreppe und Säulendach verschwand.

Nur von der Rückseite sieht man noch die Fachwerkbalken

Verändert hat sich mittlerweile auch die Fensterteilung in der Fassade, die im Jahre 1970 eine damals hochmoderne Eternit-Verkleidung erhielt. Nur die östliche Seite zur Hörder Straße hin ist nackt und gibt den Blick frei auf die alten Fachwerk-Balken.

Kastanie durfte vor der Post stehen bleiben

Eine schöne Erinnerung an die Villa blieb am Postplatz zurück: Die heute mächtige Kastanie spendete schon im Garten von Richter Brügmann als junger Baum kühlenden Schatten. Dass sie stehenblieb, ist dem raschen Eingreifen des damaligen Bürgermeisters Emil Rohrmann zu verdanken. Denn die Bauarbeiter, die das Postamt errichten sollten, wollten den Baum am liebsten kurz und klein sägen. Eine weitere Kastanie in dem früheren Garten hatten sie bereits gefällt, als der Bürgermeister von der voreiligen Aktion Wind bekam. Schnell war er am Ort des Geschehens und sprach ein Machtwort.

"Partie am Kaiserlichen Postamt" ist die Postkarte aus dem Jahre 1913 betitelt, die Leser Frank Wiedenbruch in seiner Sammlung hütet. Bemerkenswert ist der offene Balkon über dem Haupteingang.

"Partie am Kaiserlichen Postamt" ist die Postkarte aus dem Jahre 1913 betitelt, die Leser Frank Wiedenbruch in seiner Sammlung hütet. Bemerkenswert ist der offene Balkon über dem Haupteingang. © Repro: Frank Wiedenbruch

An neuem Haus wurde eine neue Kastanie gepflanzt

An ihrem neuen Standort am Talweg sollte die Villa auch nicht ohne Kastanie bleiben. Beim Wiederaufbau wurde neben dem Gebäude ein neuer Baum gepflanzt, unter dem Kinder immer noch in jedem Herbst die braunen Früchte sammeln können – genauso wie am Postplatz.

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