Entwurf für Tempel: Mit diesem Bauwerk will die Hindu-Gemeinde die Göttin ehren

mlzHindu-Gemeinde Schwerte

Am Sonntag legt die Hindu-Gemeinde den Grundstein für ihren neuen Tempel am Beckenkamp. Ein Blick auf den Entwurf zeigt: Einen solchen Prachbau hat Schwerte noch nicht gesehen.

Schwerte

, 10.08.2018, 20:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

So einen Bau hat die Stadt Schwerte in ihrer mehr als 600-jährigen Geschichte noch nicht gesehen: Einen Hauch von fernöstlicher Kultur wird der Tempel der Hindu-Gemeinde dem Beckenkamp verleihen. Eigens aus Indien und Sri Lanka hat die Gemeinde die Entwürfe für den Schmuck des elf Meter hohen Turms bestellt, der sich über dem Eingangsportal erheben wird. Am Sonntag, 12. August, findet gegen 11.45 Uhr die feierliche Grundsteinlegung für das Gotteshaus statt, das der Göttin Sri Kanakathurka Ampal einen würdigen Ort zur Verehrung geben wird. Es wird nahezu in direkter Nachbarschaft der muslimischen Ditib-Moschee errichtet.

Entwurf für Tempel: Mit diesem Bauwerk will die Hindu-Gemeinde die Göttin ehren

Ein elf Meter hoher, reich verzierter Turm wird das Eingangsportal des Hindu-Tempels krönen. © Zeichnung: Hindu-Gemeinde

Für den Auftakt der Bauarbeiten wurde ein besonderer Tag ausgewählt, der Tag des Jahresfestes der Göttin. Zu der Zeremonie eingeladen hat die Hindu-Gemeinde neben weiterer Prominenz Alt-Bürgermeister Heinrich Böckelühr und seinen Nachfolger Dimitrios Axourgos. Bis zur Einweihung des Tempels werden danach rund anderthalb Jahre vergehen.

Das hat einen besonderen Grund. Denn während der Rohbau von deutschen Unternehmen hochgezogen wird, werden anschließend Handwerker aus Indien eingeflogen, um die kunstvollen Verzierungen an Wänden und Decken zu gestalten.

Tempel-Neubau erfüllt langgehegten Traum

Mit dem Bau des prächtigen Tempels – er wird fast genauso groß wie das bekannte Hindu-Gotteshaus in Hamm – geht ein langgehegter Traum der Gemeinde in Erfüllung. 1985 hatten sie ihren Tempel noch in einem Keller an der Schützenstraße gegründet. 1996 zog man in eine ehemalige Fabrikhalle in einem Hinterhof an der Robert-Koch-Straße, die zuvor als Lager für Gewürze gedient hatte. Ursprünglich waren dort einmal Lacke produziert worden.

Das Flachgebäude, das bis jetzt für die Zusammenkünfte genutzt wird, ist zwar von innen reich verziert, jedoch von außen schmucklos. Es gilt aber als ältester Hindu-Tempel in Deutschland.

Hindu-Gemeinde hat bereits über 100 Mitglieder

Mittlerweile ist die Hindu-Gemeinde auf über 100 Mitglieder angewachsen. Auf der Suche nach einem Baugrundstück für den Tempel hatte sie im Frühjahr 2016 schon einmal ein Auge auf das Gelände des ehemaligen Lyzeums an der Ostenstraße geworfen, das die Stadt zu diesem Zeitpunkt zum Verkauf gestellt hatte. Man gab ein Angebot ab, aber den Zuschlag erhielt schließlich die Stadtsparkasse für ein Wohnbauprojekt. Bei dieser Entscheidung gab der Finanzausschuss des Rates der Stadtverwaltung aber den Auftrag, sich auch um die Belange der anderen Bieter zu kümmern.

Für die Hindu-Gemeinde fand sich die Lösung auf einem nicht mehr genutzten Parkplatz des Hoesch-Ziehwerks am Beckenkamp. Notariell war der Kaufvertrag zwar schon im ersten Halbjahr 2017 in trockenen Tüchern. Doch die Regelung von Formalien mit italienischen Gläuiger-Banken, die ihre Hand auf dem Gelände hatten, zog sich lange hin.

Baugenehmigung beim Tempelfest erteilt

Diese Ansprüche waren aber alle aus dem Grundbuch gelöscht, als der stellvertretende Bürgermeister Jürgen Paul der Gemeinde beim Tempelfest vor zwei Wochen die frisch-gestempelte Baugenehmigung erteilte. An den Plänen für das Gotteshaus hatte das Schwerter Architekturbüro Peter bereits seit zwei Jahren kräftig gearbeitet. Architekt Detlef Peter und seine Tochter Nadine Peter, ebenfalls Architektin, entwarfen ein rechteckiges, steinernes Gebäude auf einer Grundfläche von 18 mal 20 Metern.

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Impressionen vom Tempelfest 2018

Als Höhepunkt ihres zehntägigen Tempelfestes zog die Hindu-Gemeinde am Sonntag mit ihrer Göttin Sri Kanakathurka Ampal durch die Straßen von Schwerte.
29.07.2018
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Bis zum Festwagen, der in Märkischen Straße wartete, musste die Göttin auf den Schultern getragen werden.© Reinhard Schmitz
Rituelle Tänzer zogen vor dem Festwagen her.© Reinhard Schmitz
Der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes Schwerte sicherte den Festumzug der Hindus und sperrte die Einmündung Hörder-/Märkische Straße mit seinem Einsatzfahrzeug ab.© Reinhard Schmitz
Bis zum Anfang der Märkischen Straße musste die Göttin auf den Schultern getragen werden, da der Bürgersteig zu schmal für den heiligen Wagen war.© Reinhard Schmitz
Unüberhörber machte die rituelle Musik schon von weitem auf den Festumzug aufmerksam.© Reinhard Schmitz
Viele Hundert Hindus nahmen an dem Festumzug durch die Märkische Straße teil.© Reinhard Schmitz
Sparkassenvorstand Ulrich Bartscher (M.) nahm wie immer an dem Umzug teil, dieses Mal begleitet von Architekt Detlef Peter (l.) und dessen Tochter, der Architektin Nadine Peter.© Reinhard Schmitz
Viele hundert Gläubige begleiteten die Hindu-Göttin Sri Kanakathurka Ampal bei ihrem Festumzug durch die Straßen.© Reinhard Schmitz
Im Trance-Zustand spürten die Tänzer den Schmerz der Eisenhaken nicht, die sie sich zur Selbstkasteiung durch den Rücken gezogen hatten.© Reinhard Schmitz
Zu Ehren ihrer Göttin ließen sich Trance-Tänzer Eisenhaken durch den Rücken stechen, ohne zu bluten.© Reinhard Schmitz
Nur der Prieser durfte in dem Heiligen Wagen neben der Göttin Platz nehmen.© Reinhard Schmitz
Nur die Priester durften im Wagen der Göttin sitzen, der an langen Seilen durch die Straßen rund um ihren Tempel gezogen wurde.© Reinhard Schmitz
Im Ther, dem geschmückten heiligen Wagen, zogen die Hindus ihre Göttin Sri Kanakathurka Ampal durch die Märkische Straße.© Reinhard Schmitz
Traditionelle indische Musik begleitete den Hindu-Umzug.© Reinhard Schmitz
Trommelwirbel und Trompetentöne - das tiefe Brummen dazu erzeugte der Rekorder.© Reinhard Schmitz
Mit Deutschlandfähnchen am Dach hatten die Hindus ihren heiligen Wagen für den Festumzug geschmückt.© Reinhard Schmitz
Mit Opfergefäßen zogen Frauen vor dem heiligen Wagen der Göttin her.© Reinhard Schmitz
Mit einer Deutschlandfahne am Dach geschmückt war der heilige Wagen der Göttin.© Reinhard Schmitz
Tradition und Moderne: In der linken Hand das Handy zum Filmen, in der rechten das Räuchergefäß.© Reinhard Schmitz
Von ihrem Logenplatz auf dem Balkon ihrer Wohnung aus filmte Marianne Wloka den
bunten Festumzug in der Märkischen Straße.© Reinhard Schmitz
In festliche Saris gekleidet, trugen Frauen Opfergefäße auf ihren Köpfen.© Reinhard Schmitz
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