Erfolgsgeschichte: Yamoussa Sylla schließt als erster Flüchtling in Schwerte die Lehre ab

mlzIntegration

Mit 16 kam er nach Deutschland, mittlerweile hat der 27-Jährige aus Guinea eine Wohnung, eine Familie - und jetzt auch einen Job. Der Weg war lang und er weiß, was noch getan werden muss.

Westhofen

, 12.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Yamoussa Sylla ist stolz - und er hat allen Grund dazu. Vor wenigen Wochen hat er erfolgreich seine Ausbildung abgeschlossen. Und während das für die meisten deutschen Azubis ein fast schon gewöhnlicher Schritt im Leben ist, steckt bei Yamoussa mehr Arbeit dahinter als man zunächst vermuten würde.

Der 27-Jährige kommt aus dem westafrikanischen Guinea, lebt seit mittlerweile 10 Jahren in Deutschland und war 2015 der erste Flüchtling, der in Schwerte einen Ausbildungsplatz erhielt.

Schon immer wollte er im Handwerk arbeiten, am liebsten als Metallbauer. Und genau das macht er jetzt bei der WBG Blechverarbeitungs GmbH in Westhofen, als Festangestellter wie seine Kollegen auch. Als Positivbeispiel für Integration haben ihn damals zum Ausbildungsbeginn auch überregionale Medien wie Die Welt und das ZDF bezeichnet.

Viele Anlaufschwierigkeiten, dann doch der Erfolg

Zugegeben, zwei Anläufe habe er dann beim theoretischen Prüfungsteil doch gebraucht. Probleme mit der Sprache, viele Fachbegriffe und eine große Portion Druck und Prüfungsangst standen Yamoussa erst im Weg. Im praktischen Teil habe es aber von Anfang an keine Probleme gegeben.

Schon zu Beginn der Lehre vor drei Jahren hatte er Metallbauer als seinen Traumberuf beschrieben. Yamoussa Sylla hatte in Deutschland seinen Hauptschulabschluss gemacht, dann nach einer einjährigen Maßnahme der Handwerkskammer in Dortmund mindestens 50 Bewerbungen geschrieben - zunächst ohne Erfolg. Auch bei Vorstellungsgesprächen kam er nicht weiter.

Zumindest bis Ulrich und Klaudia Benke von der WBG ihn einstellten. Dieses Engagement gehörte auch zu den Gründen, warum die Ruhr Nachrichten Benke zum Unternehmer des Jahres 2017 kürten.

Jetzt lesen

„Integration ist eine Win-Win-Situation“

Auch Sabine Poschmann, SPD-Abgeordnete im Bundestag für Dortmund und Beauftragte für Mittelstand und Handwerk, sowie der Abgeordnete für den Kreis Unna, Oliver Kaczmarek, kamen nach Schwerte, um dem 27-Jährigen aus Guinea zur abgeschlossenen Ausbildung zu gratulieren.

„Integration im Betrieb bringt dem Betrieb was, aber es hilft auch dem Integrierten selbst unheimlich viel. Überall fehlen Fachkräfte - es ist also eine Win-Win-Situation“, so Sabine Poschmann. Auch Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder spricht von Yamoussa Sylla als Beispiel gelungener Integration. Rund ein Drittel aller Geflüchteten hat in Deutschland bereits einen Job gefunden, 324.000 arbeiten insgesamt in einem sozialversicherungspflichtigen Verhältnis, zwölf von 13 werden übernommen.

Erfolgsgeschichte: Yamoussa Sylla schließt als erster Flüchtling in Schwerte die Lehre ab

Flüchtling Yamoussa Sylla (M.) hat seine Aubildung bei der WBG in Westhofen abgeschlossen. Es gratulierten v.l. Oliver Kaczmarek, Sabine Poschmann, Ulrich Benke, Klaudia Benke, Berthold Schröder und Pate Karl-Heinz Draxler. © Aileen Kierstein

Im Beruf wie auch im alltäglichen Leben sei allerdings die Sprache die größte Hürde. „Für mich war es schwierig, mit der Fachsprache im Beruf und dem Papierkram bei den Ämtern umzugehen. Integration ist ohne gute Sprache nicht möglich“, berichtet Yamoussa von seinen Erfahrungen.

Das Leben geht jetzt richtig los

In schwierigen Situationen an seiner Seite: Karl-Heinz Draxler, der den Geflüchteten seit Jahren im Alltag, bei Behördengängen, bei Bewerbungsverfahren unterstützt hat. „Ich sage immer, das ist mein Stiefvater“, sagt Yamoussa dankbar, „Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft, ich wäre niemals so weit gekommen.“

Yamoussa kam wegen politischer Zustände und fehlender Sicherheit aus Guinea her, schon lange bevor man in Deutschland Begriffe wie Flüchtlingswelle oder Flüchtlingskrise kannte. Er bezeichnet Dortmund als zweite Heimat, wohnt mit seiner Familie in der Nordstadt.

Pate Karl-Heinz Draxler freut sich mit seinem Schützling - und die kleine Familie hat vor wenigen Wochen noch Zuwachs bekommen. „Ich bin jetzt Vater“, freut sich Yamoussa. Das Kind stehe jetzt an erster Stelle. Müdigkeit auf der Arbeit? Ja, aber gerne. Und auch der Fußball, seine große Leidenschaft muss jetzt hinten anstehen, nach der Winterpause könne es vielleicht wieder weitergehen. „Ich habe das Gefühl, dass mein Leben jetzt sowieso erst richtig losgeht.“

Lesen Sie jetzt