Hier biegt der Radarwagen verbotenerweise in die Bahnhofstraße ab. © Hartmann

Erwischt: Radarwagen blitzt Verkehrssünder in Schwerte – ist aber selbst einer

Der Kastenwagen bog vor ihm falsch in die Einkaufsstraße ein und stellte sich dann vor die Bushaltestelle, um Jagd auf Verkehrssünder zu machen. Da schrieb Dirk Hartmann aus Schwerte an den Landrat.

Die drei VW-Lieferwagen mit den verräterischen Kennzeichen „UN LR“ für Landrat sind bei den meisten Autofahrern eher unbeliebt. Denn die Radarwagen des Landrates messen die Geschwindigkeit der Autofahrer und sorgen dafür, dass Geschwindigkeitsverstöße geahndet werden. Kein Wunder, dass viele Autofahrer auf die Blitzer-Fahrzeuge ein besonderes Auge werfen.

Blinker gesetzt und verboten abgebogen

So auch Dirk Hartmann, als er am Freitag (14.5.) auf der Karl-Gerharts-Straße in Richtung Bahnhof unterwegs war. Direkt vor ihm war eines der drei in unauffälligen Grautönen lackierten Fahrzeuge. Und am Ende der Karl-Gerharts-Straße setzte der Wagen den Blinker links und bog in die Bahnhofstraße ein. Moment: links?

Seit der Sanierung der Bahnhofstraße vor drei Jahren ist das Linksabbiegen in die verkehrsberuhigte Einkaufsstraße verboten. Dirk Hartmanns Frau auf dem Beifahrersitz hielt den Vorgang auf Video fest.

Doch damit nicht genug: „Als ich dann nach einem Einkauf aus der Gegenrichtung kommend ebenfalls die Bahnhofstraße herunter fuhr, stand der Radarwagen an der Bahnhofstraße, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren“, schreibt er in einer E-Mail an die Redaktion.

Der Wagen habe auf einem Platz, auf dem jeder andere Bürger ein Ticket wegen unerlaubten Parkens bekommen würde, gestanden, so Dirk Hartmann. Das Beweisfoto, das er gemacht hat, zeigt den Radarwagen vor der Boutique Tita, direkt am Fahrradständer parkend. Hier ist, anders als wenige Meter zuvor, kein Parkplatz markiert, vermutlich weil direkt dahinter die Bushaltestelle anschließt.

So stand der Messwagen der mobilen Geschwindigkeitskontrolle am Freitag an der Bahnhofstraße. © Hartmann © Hartmann

Dirk Hartmann findet das so ärgerlich, dass er eine E-Mail an Landrat Mario Löhr schrieb: „Mir stellen sich nun die Fragen: Stehen die Mitarbeiter der Ordnungsbehörde über dem Gesetz? Auf der einen Seite Fotos bei Geschwindigkeitsüberschreitungen machen und selbst auf alle Regeln pfeifen? Das hat mit Vorbildfunktion nichts mehr zu tun“, so Dirk Hartmann in seinem Schreiben.

Video an die Bußgeldstelle weitergeleitet

Auf Nachfrage der Redaktion antwortet Kreissprecherin Birgit Kalle am Montag (17.5.): „Wenn ein Verkehrsvergehen durch Videoaufnahmen etc. dokumentiert wird, kann natürlich jedermann eine Anzeige erstatten. Sicherlich ist hier nicht der Landrat persönlich die erste Adresse, sondern die Bußgeldstelle des Kreises Unna. Der Landrat hat das ihm gesendete Video an die zuständige Stelle im Hause weitergeleitet, wo der Fall jetzt geprüft wird. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor.“

Generell zu Verkehrsverstößen im Dienst erklärt die Kreissprecherin Birgit Kalle: Auch am Steuer der Dienstwagen des Kreises Unna oder der Radarwagen der Kreisverwaltung sitzen Menschen, und Menschen machen manchmal Fehler. Wenn ein Kreis-Mitarbeiter also gegen Verkehrsregeln verstößt, wird ein solcher Verstoß genauso geahndet wie jeder andere; das heißt der Einzelfall wird in der Bußgeldstelle geprüft, und das Verhalten wird nach Bußgeldkatalog sanktioniert. Wer wann welchen Wagen gefahren ist, ist im Hause dokumentiert.“

Radarwagen dürfen auf dem Gehweg parken

Allerdings: Was das Parken betrifft, seien die Messfahrzeuge mit Ausnahmegenehmigungen unterwegs und dürfen, was andere nicht dürfen – nämlich unter anderem auf Geh- und Radwegen parken, so Birgit Kalle aus der Pressestelle des Kreises.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes waren die Zitate aus dem Kreishaus Landrat Mario Löhr zugeordnet. Sie stammen aber im Wortlaut aus einer E-Mail von Kreissprecherin Birgit Kalle.

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Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer