Extremes Corona-Minus in Schwertes Hotels: „Rückfall darf nicht kommen“

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94 Prozent minus – die Übernachtungszahlen in Schwerte sind in der Corona-Zeit massiv eingebrochen. Jetzt kommen mehr Touristen, doch eine Chefin sagt: „Ein Rückfall darf nicht kommen.“

Schwerte

, 17.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knapp 2000 Gäste waren im April 2019 gekommen. Zusammen sorgten die für rund 3300 Übernachtungen. Im April 2020 war dann Corona-Lockdown. Die Folgen in konkreten Zahlen: 109 Gäste, 295 Übernachtungen, ein Minus von 94 beziehungsweise 91 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das geht aus den Zahlen hervor, die der Landesbetrieb IT NRW am Dienstag veröffentlichte.

„Monteure zum Beispiel durften ja kommen“, sagt Uwe Fuhrmann, der Touristikbeauftragte der Stadt Schwerte. „Die Schlipsträger aber“, fügt Jutta Max an, die Chefin des Hotels Reichhof am Bahnhof, die seien weggeblieben.

Homeoffice und Video-Konferenzen seien plötzlich eben eine Alternative gewesen zu den Geschäftsreisen, auch wenn die durchgehend erlaubt gewesen seien.

Mitarbeiter in Kurzarbeit: „Man putzt dann eben selbst“

Jutta Max schickte ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit. „Es ist gut, dass es Soforthilfen gab und die Möglichkeit zur Kurzarbeit“, unterstreicht sie: „Man putzt dann eben selbst.“

Was ihr ebenfalls half, diese Zeit besser zu überstehen als andere: Das Hotel ist Eigentum. Sie musste also keine Pacht weiterzahlen, während Einnahmen wegbrachen. Außerdem habe ihr persönliches Minus an Gästen nicht bei mehr als 90 Prozent gelegen.

Konfessionelle Tagungszentren dicht: Das sorgt für Minus-Zahlen

Der Grund für den extremen Verlust liegt nicht einmal bei Schwertes Hotels, sondern bei den konfessionellen Tagungszentren. Das der evangelischen Kirche, Haus Villigst, ist immer noch geschlossen, bis in den August hinein noch. Die Katholische Akademie öffnete erst Anfang Juni wieder zaghaft. Und beide Häuser fallen in die Kategorie „Beherbergung im Reiseverkehr, Betriebe mit mindestens zehn Betten“.

Nur vier von neun Schwerter Häusern aus dieser Kategorie hatten im April überhaupt geöffnet. Das macht das Minus noch etwas extremer als in den umliegenden kleineren Städten. Kreisweit lag es beispielsweise „nur“ bei 86 Prozent.

So sieht der Eingang zum Hotel Reichshof in Corona-Zeiten aus.

So sieht der Eingang zum Hotel Reichshof in Corona-Zeiten aus. © Heiko Mühlbauer

Und aktuell? Wie sieht es aus – jetzt, wo etwas gelockert wird? Der Mai mit seinen langen Wochenenden sei grundsätzlich anders, erklärt Jutta Max: „Da kommen nicht die Geschäfts-, sondern die Privatreisenden.“

Einzelne Reisende kämen, auch mal Pärchen, aber nicht die größeren Gruppen wie Kegelclubs, auch noch recht wenige aus der Generation „70+“, die in den vergangenen Jahren gerne den Ruhrtalradweg angesteuert hätten und dann eben auch ihr Hotel.

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Mehr Trinkgeld als üblich, aber kein Frühstück im Hotel

„Die, die kommen, sind aber super-dankbar“, findet Jutta Max. Es gebe mehr Trinkgeld als üblich. Und das obwohl man derzeit noch nicht einmal Frühstück anbieten könne. Das sei mit der Abstandsregelung nicht möglich. Deshalb müsse man die Übernachtungsgäste zur Eisdiele oder zum Bäckerei-Café schicken.

„Bis Ende Mai steckt man’s weg, aber lange darf das so nicht weitergehen“, unterstreicht Jutta Max dennoch: „Ein Rückfall darf nicht kommen. Denn was weggebrochen ist, kann man nicht mehr aufholen.“

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Ruhrtalradweg: Größere Nachfrage als in den Vorjahren

Was Uwe Fuhrmann aktuell bemerkt, kann Schwertes Hotelbetreibern Hoffnung machen: Das Telefon klingele häufig, vielleicht sogar noch mehr als in den Jahren zuvor: „Ich merke an den Nachfragen, dass die Leute die Alternative Deutschland gefunden haben.“ Die Nachfrage nach dem Ruhrtalradweg sei derzeit enorm.

Kleinere Anbieter sind ohnehin schon mit weniger Kundschaft zufrieden, etwa Christian Schmidt, der das „Bed and Breakfast Nr. 1“ in der Altstadt betreibt, mit nur zwei Zimmern und rund 500 Übernachtungen pro Jahr: „Jetzt ist die Bude wieder voll“, sagt er.

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