Familie Mattiuzzi kam vor fast 50 Jahren nach Schwerte

Gastarbeiter

Die Nachbarn hatten gesagt: "In einem Monat bist du wieder zu Hause." Als Loredana Mattiuzzi aus Venedig nach Schwerte aufbrach, glaubte niemand, dass die damals 16-Jährige es lange in Deutschland aushalten würde. Nun lebt sie seit fast 50 Jahren hier.

SCHWERTE

von Von Heiko Mühlbauer

, 30.10.2011, 14:43 Uhr / Lesedauer: 1 min

Am Sonntag vor 50 Jahren wurde das Anwerbeabkommen mit der Türkei unterzeichnet. Kurz darauf trafen die ersten Gastarbeiter von jenseits des Bosporus’ auch in Schwerte ein. Doch schon zuvor hatten ihre Kollegen aus Italien, Portugal, Spanien und Griechenland die Ruhrstadt für sich entdeckt.Immer geplant, zurückzugehen Ob Loredana noch Schwerterin wäre, wenn ihr Mann Francesco noch leben würde, ist nicht so sicher. Der hatte immer geplant, im Alter nach Italien zurück zu kehren. Francesco Mattiuzzi, ein gelernter Elektriker, war 1959 aus Treviso auf der Suche nach Arbeit nach Schwerte gekommen. Hier lebten bereits seine Schwester und sein Schwager, die ein Eiscafé betrieben. So wurde aus dem Fachmann für Schalter und Sicherungen einer für Eis.Den Sommer durchgearbeitet „Damals waren die Verdienstmöglichkeiten in Deutschland viel besser als in Italien, heute ist das nicht mehr so“, erklärt Sohn Alessandro. 1967 eröffnete sein Vater das erste eigene Eiscafé im Reichshof. Seine Frau kam 1969 in die Ruhrstadt. Und angelte sich gleich den Chef. „Wir haben meist den ganzen Sommer über durchgearbeitet“, erinnert sich Loredana. Im Winter ging es dann nach Italien, auch um neue Arbeitskräfte anzuwerben. „Damals hatten wir nur Eis, das lief im Winter nicht“, betont Loredana. Außerdem hätte das Lokal gar keine Heizung gehabt. „Freie Tage kannten wir nicht“, erzählt sie.In Italien nur noch im Urlaub In Italien ist die Inhaberin der Eisdiele am Bahnhof nur in den Ferien. Und ihr Sohn Alessandro ist da noch deutlicher: „Schwerte ist gut fürs Leben, Italien gut für den Urlaub.“  

FAKTEN
Es leben insgesamt 3580 Ausländer aus 100 Nationen in Schwerte. Die größte Gruppe unter ihnen bilden nach wie vor die Türken mit 1352, gefolgt von den Italienern mit 554. Seit 1977 gibt es übrigens einen Ausländerbeirat, der sich für die Rechte der Migranten einsetzt. Heute heißt das Gremium Intergrationsrat.

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