„Senkrecht auf den Boden geprallt“: Bericht zum tödlichen Flugzeugabsturz liegt vor

mlzFlugzeugabsturz bei Schwerte

Tödlich verletzt wurde der 57-jährige Pilot beim Absturz eines Ultraleichtflugzeugs bei Schwerte im August. Jetzt liegt ein erster Untersuchungsbericht zur Ursache vor. Er offenbart Tragik.

Hennen

, 24.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine tödliche Tragik lassen die Zeilen der Bundessstelle für Flugunfalluntersuchung spüren. Seine Hilfsbereitschaft könnte den Piloten des abgestürzten Ultraleichtflugzeugs am 5. August auf dem Segelflugplatz Rheinermark offenbar das Leben gekostet haben.

Diese Schlüsse lässt der Zwischenbericht der Braunschweiger Experten zu, deren Untersuchung ausdrücklich nicht der Feststellung eines Verschuldens dient. Alleiniges Ziel sei die Verhütung künftiger Unfälle und Störungen, wird betont.

Auf der Suche nach einem verlorenen Segelflugzeug-Schleppseil

Dem Unfall auf der Rheinermark war ein anderes Ereignis vorausgegangen. Laut Zeugen - so heißt es in dem Papier - sei beim Start eines Segelflugzeuges per Seilwinde das Seil gerissen.

Es wurde vermutet, dass das sogenannte Vorseil, ein etwa drei Meter langes ummanteltes Stahlseil, südlich des Flugplatzes zu Boden gefallen sei: „Der Pilot habe sich angeboten, nach dem Vorseil zu suchen.“ Dabei nahm er einen Passagier mit, der ihm gesagt habe, wo sich das Vorseil befinden könnte. Dieser Mann überlebte den Absturz schwer verletzt.

Für den 57-jährigen Piloten des abgestürzten Ultraleichtflugzeugs vom Typ Zlin Aviation Savage kam jede Hilfe zu spät.

Für den 57-jährigen Piloten des abgestürzten Ultraleichtflugzeugs vom Typ Zlin Aviation Savage kam jede Hilfe zu spät. © Reinhard Schmitz (A)

Gegen 10.25 Uhr an jenem Unglückstag hob das Ultraleichtflugzeug von der Startbahn auf der Rheinermark ab. Die Zeugen hörten normale Triebwerksgeräusche und schilderten, wie sich die Maschine nach einer Linkskurve in etwa 40 bis 70 Metern Höhe zunächst parallel zum Flugplatz bewegte.

Als sie etwa in Platzmitte eine erneute Kurve beschrieb, passierte es demnach: Das Fluggerät kippte über die rechte Tragfläche ab und prallte nach einem „spiralsturzähnlichen Flugzustand“ mit einer 270-Grad-Drehung um seine Längsachse auf die Graspiste.

Pilot steuerte beruflich große Verkehrsflugzeuge

„Der Begleiter gab an, dass er den Piloten unmittelbar vor dem Abkippen auf die geringe Fluggeschwindigkeit aufmerksam gemacht habe, aber eine Reaktion des Piloten habe es nicht mehr gegeben“, heißt es in dem Bericht weiter. Der 57-Jährige hatte weit mehr als den Luftfahrerschein für Sportflugzeuge: „Der Pilot war beruflich als Verkehrsflugzeugführer tätig.“

Er besaß die Lizenz, als verantwortlicher Pilot gewerbliche Flugzeuge mit mehrköpfiger Besatzung zu steuern - verbunden mit einer Berechtigung für die McDonnell-Douglas MD11, ein dreistrahliges Großraum-Langstreckenflugzeug. Laut Internet-Lexikon Wikipedia wurde dieser Typ 200 Mal gebaut und vor allem als Frachtflugzeug eingesetzt, unter anderem von Lufthansa Cargo.

Um die Verkehrspilotenlizenz zu erwerben, muss man nach derselben Quelle mindestens 1500 Flugstunden nachweisen, ein Drittel davon auf Verkehrsflugzeugen.

Fallschirm des Ultraleichtflugzeugs war noch im Packschlauch

Große Erfahrungen hatte der Pilot dem Bericht zufolge aber auch auf kleinen Maschinen: 513 Stunden auf einmotorigen Flugzeugen, 347 Stunden auf Segelflugzeugen und 133 Stunden auf Ultraleichtflugzeugen. Am Unglückstag steuerte er ein Ultraleichtflugzeug vom Typ Savage des tschechischen Herstellers Zlin Aviation, Baujahr 2014. Dieses Modell habe er laut persönlichem Flugbuch zuvor schon 5:33 Stunden gesteuert, verbunden mit 42 Starts und Landungen.

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Das Gutachten schildert, wie die Savage „nahezu senkrecht auf den Boden geprallt“ war. Das Rettungssystem habe teilausgelöst dagelegen: „Die Hülle des Fallschirms befand sich im Packschlauch, die Rakete war ausgebrannt.“ Die beiden Auslösegriffe hätten sich vollständig in ihren Halteblöcken befunden, lediglich der vordere von ihnen sei entsichert gewesen.

In welcher Stellung sich die übrigen Hebel und Schalter im Cockpit zum Zeitpunkt des Absturzes befanden, konnte nicht mehr ermittelt werden. Die Zerstörungen waren zu groß, weil für die Bergung der Insassen die linke Wand herausgetrennt werden musste.

Flugunfälle im August

  • Fliegen ist nicht ungefährlich, wie die Statistik der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen für den August 2020 zeigt. Sie enthält alle gemeldeten Ereignisse des Monats, die in Deutschland sowie mit in Deutschland zugelassenen Maschinen im Ausland passiert sind.
  • Für Ultraleichtflugzeuge sind neben dem Unfall auf der Rheinermark noch zwei weitere in Spanien sowie an der Porta Westfalica verzeichnet, wo ebenfalls eine Person tödlich verletzt wurde.
  • Die meisten Einträge gibt es in der Kategorie „Segelflugzeuge und Motorsegler“, mit denen sich 23 Unfälle innerhalb des Monats ereigneten. In sechs Fällen waren dabei tödlich verletzte Personen zu beklagen, in vier Fällen schwer verletzte und einmal eine leicht verletzte Person. Zwölf Fälle endeten glimpflich ohne Verletzte.
  • Ein tödlicher Unfall mit einem Freiballon ereignete sich in St. Goar am Rhein.
  • Bei einem Unfall mit einem Hubschrauber in Lübstorf (Mecklenburg-Vorpommern) gab es einen Leichtverletzten.
  • Außerdem ereigneten sich fünf Vorfälle mit Flugzeugen mit einem maximalen Startgewicht von 7 bis 5,7 Tonnen sowie 17 Vorfälle mit Flugzeugen von weniger als 2 Tonnen Startgewicht.
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