Petra Scholz und eine Mitarbeiterin mit einer Kundin: Wer für Dienstag einen Friseur-Termin ergattern konnte, hatte Glück. Ab Mittwoch müssen Friseure schließen. © Holger Bergmann
Corona-Lockdown

Friseurin sagt 100 Termine ab – Plötzlich hatte das Jahr nur noch zwei Tage

Es war der wohl stressigste Sonntag im Leben von Petra Scholz. Nachdem der neue Lockdown beschlossen war, musste die Friseurin aus Schwerte ihre Kundinnen anrufen. Hundert Termine musste sie absagen.

Der Terminkalender im Salon von Petra Scholz war voll. Viele Kundinnen wollten vor Weihnachten oder vor Silvester noch einmal ihre Haaren machen lassen. Und dann lauschte Petra Scholz am Sonntag (13.12.) den Nachrichten.

„Als klar war, dass es am Mittwoch einen Lockdown geben würde, und das Geschäftsjahr nur noch zwei Tage hat, musste ich natürlich die Kundinnen anrufen“, sagt die Schwerter Friseurmeisterin.

Hundert Termine mussten abgesagt werden

Den ganzen Sonntag, bis in den Abend, verbrachte sie am Telefon. Damit ging es ihr wie allen Friseuren in Schwerte, ach, in ganz Deutschland. Doch sie konnte nicht alle erreichen. Am Dienstag hatte sie erst 80 von 100 Terminen storniert oder verlegt.

Viele Kundinnen, die Glück hatten, konnten noch am Montag oder Dienstag versorgt werden. „Wer seinen Termin am Mittwoch hatte und vorher fünf Wochen nicht beim Friseur war, der kann nicht noch mal fünf Wochen warten“, erklärt Petra Scholz ihr Bemühen, vor dem Beginn des Lockdowns noch so viele Kundinnen wie möglich in ihrem Salon zu versorgen.

Für jede Kundin eine halbe Stunde Zeit

Dem hektischen Sonntag folgten dann zwei entsprechend arbeitsreiche Wochentage. Jeweils bis 20 Uhr hielt Petra Scholz ihre Tür offen. „Mit einer Taktung von einer Kundin pro halber Stunde pro Mitarbeiterin“, berichtet Petra Scholz.

Für ihre Kundinnen brachte Petra Scholz an diesen beiden Tagen besondere Opfer: „Kein Mittagessen und keine Toilette“, berichtet sie – mit einem Lachen. Besonders dankbar war Petra Scholz den aufmerksamen Kundinnen, die sie rechtzeitig benachrichtigten, wenn sie einen Termin nicht wahrnehmen konnten.

Mit langen Haaren am Weihnachtsbaum

Denn danach gab es sofort einen weiteren Anruf. Bei einer Kundin, die keinen Termin mehr bekommen hatte. „Können sie um 15 Uhr kommen? Prima.“ Solche Gespräche gab es auch am Dienstag (15.12.) vor dem Lockdown – mit Kundinnen auf Abruf.

Trotz dieser Mühen werden viele Schwerter ohne vorherigen Friseur-Besuch Weihnachten und Silvester erleben. „Da werden viele Leute mit langen Haaren sitzen“, vermutet Petra Scholz.

„Das war auch so beim ersten Lockdown“, erinnert sie sich. „Da sind die Kundinnen nachher mit Corona-Frisur, mit langen Haaren, zum ersten Termin gekommen.“

Bittere Abrechnung mit dem Jahr 2020

Erleichterung bei denen, die es geschafft hatten. Eine Kundin, die noch einen Termin für Dienstag bekommen hatte, freute sich: „Weihnachten ist gerettet.“

Mit einem Gefühl der Ungewissheit vereinbarte Petra Scholz mit jeder frisch frisierten Kundin einen Nachfolgetermin im Januar: „Wenn der Lockdown verlängert wird, müssen wird die Termine wieder verschieben.“

Vor lauter Termin-Stress hatte Petra Scholz gar keine Zeit, verärgert über den Lockdown und die verlorenen Einnahmen zu sein. „Ich kann die Rechnungen bezahlen“, ist ihre Bilanz des gesamten Corona-Jahres.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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