Für den zweiten Teil von „Hallöchen aus Ergste“ gehen die Filmemacher sogar in den Knast

mlzSchwerter Heimatfilm

Die langerwartete Fortsetzung des Ergster Heimatfilms feierte vor geladenen Gästen in St. Monika Weltpremiere. Es gab viel Applaus für die gelungene Mischung aus Dokumentation und Klamauk.

Ergste

, 17.02.2019, 17:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Polizeidackel Anton sollte man sich nicht anlegen. Gefährlich wie ein ganz Großer knurrt er, wenn ihn Hauptkommissar Jörg Przystow von der Leine lässt. Vor allem dann, wenn ihn ein Verbrechereinsatz bei der „beruflichen Fortbildung“, dem sonntäglichen Tatütatatort, vom Sofa reißt.

Einige zuckten zusammen, andere staunten. Sekundenbruchteile später aber lachten zum ersten Mal alle der über 200 Besucher auf, die am Samstagabend zur Premiere des zweites Teils der filmischen Hommage „Hallöchen aus Ergste“ in das Gemeindezentrum St. Monika geladen worden waren. Gelungen war der Klamauk, den die Produzenten Gunther Gerke und Elias Passavanti wieder zwischen die Dokumentarszenen gemischt hatten, die gewohnt liebevoll besondere Einrichtungen und Menschen im Ortsteil porträtierten. Was man früher in Heimatbüchern lesen musste, war jetzt mit Originalton auf der Großbildleinwand zu erleben.

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Premiere von "Hallöchen aus Ergste 2"

Die humorvolle Heimat-Doku "Hallöchen aus Ergste" hatte am Samstag Weltpremiere in Ergste.
17.02.2019
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Das "Kino in Ergste" drehte in Eigenproduktion Werbespots für die örtliche Wirtschaft, hier bei Edeka Patzer.© Reinhard Schmitz
Gas geben musste Filmreporter Gunther Gerke, um Fotografin Manuela Schwerte bei ihrer Sonntagsrunde über die Fußballplätze zu folgen.© Reinhard Schmitz
Es war schon fast Mitternacht, als sich die Mitwirkenden und Macher des Films "Hallöchen aus Ergste 2" nach der Premiere zum Gruppenfoto aufstellten.© Reinhard Schmitz
Der ehrenamtliche Moderator Jörg Przystow (M.) interviewte bei der Premierenfeier die Filmemacher Elias Passavanti (l.) und Gunther Gerke (r.)© Reinhard Schmitz
Was live nur jeweils 31 Gäste erleben, konnten im Film gleich gut 250 Besucher: "Hallöchen aus Ergste 2" gab auch einen Einblick in die Schwerter Operettenbühne, das wohl kleinste Theater der Welt im Wohnhaus von Gunther Gerke.© Reinhard Schmitz
Begeisterten Applaus spendeten die Premierenbesucher des Films "Hallöchen aus Ergste 2" am Ende des (mit Pause) vierstündigen Abends.© Reinhard Schmitz
30 Jahre lang Knastkleidung tragen mussten Gunther Gerke (vorn) und Elias Passavanti für ihre Graffiti-Sprüherei in Ergste.© Reinhard Schmitz
Mit zwei Feilen aus dem Marmeladenglas versuchten Elias Passavanti (l.) und Gunther Gerke, die Zellengitter durchzusägen.© Reinhard Schmitz
Gelungener Klamauk: Die Schwerter Zeitung berichtete über das überharte Urteil für die Graffiti-Sprayer Gunther Gerke und Elias Passavanti.© Reinhard Schmitz
Mit Polizeidackel Anton machte sich Gendarm Jörg Przystow auf die Verbrecherjagd.© Reinhard Schmitz
Die langerwartete Doku-Fortsetzung "Hallöchen aus Ergste 2" feierte ihre Premiere im Gemeindezentrum St. Monika.© Reinhard Schmitz
Als Kiepenkerl führt Friedrich-Wilhelm Vogt (l.) den Reporter Gunther Gerke durch seinen Bierhof.© Reinhard Schmitz
Reporter Gunther Gerke erfuhr auch, warum es in Ergste eine Schwarzwaldstube gibt.© Reinhard Schmitz
Spannender Moment: Nicht einmal die Mitwirkenden hatten vor der Premiere Szenen aus "Hallöchen von Ergste" gesehen.© Foto: Reinhard Schmitz

Jeder kennt die Protagonisten und Örtlichkeiten

Das besondere Flair macht aus, dass eigentlich jeder die Örtlichkeiten und Protagonisten aus dem Alltag kannte. Wem hatte nicht der Paketbote Frank schon mal einen Karton vor die Wohnungstür geschleppt? Wer hatte nicht als Kind oder Mutter Kontakt zu Ellen Köster, der (mittlerweile pensionierten) jahrzehntelangen Leiterin der Kita Regenbogen gehabt? Eine Rekord-Backaktion von „Fanta“ Harde bestaunt oder die Fotografin Manuela Schwerte durchs Dorf brausen sehen? Nebenbei erfuhr man aber auch, wo Schlagerstar Olaf Henning kurzzeitig gelebt hat und dass es in der Johanniskirche einen geheimen Raum gibt, von dessen Existenz selbst Pfarrer Thomas Gössling bis dato nichts wusste. Die Kamera schaute durch die Luke hinein. Genauso wie in die wohl kleinste Operettenbühne der Welt im Keller des Wohnhauses von Gunther Gerke. Zumindest auf der Leinwand konnte diesmal jeder eine der Revuen miterleben, die sonst genau 31 Besuchern vorbehalten sind.

Für den zweiten Teil von „Hallöchen aus Ergste“ gehen die Filmemacher sogar in den Knast

Es war schon fast Mitternacht, als sich die Mitwirkenden und Macher des Films "Hallöchen aus Ergste 2" nach der Premiere zum Gruppenfoto aufstellten. © Reinhard Schmitz

Für 30 Jahre in den Knast

Sogar Hochsicherheitstüren öffneten sich. „Die beeindruckendste Arbeit war die hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt“, berichtete Gunther Gerke, der von Leiterin Gabriele Harms bis in eine Zelle geführt wurde. Glücklicherweise brauchte er dort nur ein paar Minuten und nicht die 30 Jahre zu verbringen, die ihm und Elias Passavanti nach der „Festnahme“ mithilfe von Polizeidackel Anton geblüht hatten - weil die beiden bei Nacht und Nebel „Hallöchen aus Ergste“ auf die Graffitiwand am Kreisel Ruhrtalstraße sprühen wollten. Die Feilen, die ihnen per Marmeladenglas in die Zelle geschmuggelt wurden, konnten diese Zeit nicht verkürzen. Die sichtbar alternden Gefangenen hatten die Gitterstäbe erst zerlegt, als der „Wärter“ die Tür sowieso aufschloss.

Auch Bürgermeister Axourgos begeistert

Das Lachen war den beiden Filmemachern mal wieder sicher. Genauso wie der langanhaltende Schlussapplaus, als nach gut drei Stunden der Abspann über die Leinwand gelaufen war. Begeistert in der ersten Reihe: Bürgermeister Dimitrios Axourgos. „Ich habe den ersten Teil auch gesehen. Der hat schon Lust auf mehr gemacht“, sagte er: „Das Schönste ist: Man erfährt ganz viel über den Ortsteil und die Menschen.“

Als nächstes folgt ein Spielfilm

Alles war ein Jahr lang auf Feierabend gedreht und nächtelang geschnitten, wie die Filmemacher erzählten. Nach soviel Doku-Arbeit träumen sie jetzt von einem Spielfilm. Vielleicht gibt es dann ja die Fortsetzung der Sage vom Ergster Werwolf aus dem ersten „Hallöchen“-Teil, die einige schon jetzt gern gesehen hätten. „Wir wären sofort wieder dabei“, sagten Toto Bartke und Sandra Wiese, die damals ein Liebespärchen gespielt hatten. Und Polizeidackel Anton könnte sicherlich auch andere Rollen übernehmen - mit neuer Synchronstimme. „Das Knurren ist nicht von unserem Hund“, verriet Besitzer Thorsten Ritterswürden: „Das ist nur untergelegt.“

Fünf öffentliche Aufführungen

Fünf öffentliche Aufführungen von „Hallöchen aus Ergste 2“ sind im Gemeindezentrum St. Monika, Am Kleinenberg 7, geplant. Vorstellungstermine sind am Freitag, 22. Februar und Samstag, 23. Februar sowie am Samstag, 2. März, jeweils um 19 Uhr. Außerdem an den Sonntagen, 24. Februar, und 3. März, jeweils um 18 Uhr. Karten zum Preis von sechs Euro gibt es im Vorverkauf bei Bücher Bachmann, Mährstraße 15 und Edeka Patzer, Letmather Straße 124.
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