Auf dem Vordach des Marienkrankenhauses Goethestraße gaben (v.l.) Stefan Breuer, Stefan Käßner und Matthias Möller-Paul ein „Abständchen"-Konzert zum Ostersonntag. © Detlev Schnitker
Marienkrankenhaus Schwerte

Fürs Ständchen für den Vater steigt Stefan Käßner aufs Klinik-Vordach

Besuchen darf Stefan Käßner seinen Vater im Marienkrankenhaus wegen der Coronasperre nicht. Ein Osterständchen erhielt er dennoch – zusammen mit allen Patienten und Mitarbeitern der Klinik.

Patienten standen an den Fenstern der Bettentrakte und klatschten begeistert in die Hände. Krankenpfleger schwenkten ihre Handys mit eingeschalteter Taschenlampe im Takt. Der donnerte vom Vordach des Marienkrankenhauses an der Goethestraße herauf, wo die Gruppe „&Band“ ihre Instrumente hinter einem Tischchen aufgebaut hatte. Mit ihrem „Abständchen“-Konzert im Corona-gerechten Format brachten Stefan Käßner, Stefan Breuer und Matthias Möller-Paul am Nachmittag des Ostersonntags einen kleinen Lichtblick in diese trostlose Pandemiezeit.

Der Vater von Stefan Käßner hörte in einem Krankenzimmer zu

Für Stefan Käßner war es zugleich die Lösung einer Herzensangelegenheit. Nur ein paar Treppenstufen entfernt und doch derzeit unerreichbar wurde sein Vater Matthias Käßner auf einer der Stationen behandelt. Besuchen durfte er ihn nicht, aber ihm quer durch den Vorhof der Klink zurufen: „Dein Sohnemann spielt dir ein persönliches Stück.“

Nach den ersten Tönen war klar: Es war der Reinhard-Mey-Song „Ich wollte wie Orpheus singen.“ Das Lied, das der ebenfalls musikalische Vater früher so oft seinem kleinen Jungen vorgesungen hatte.

Und noch eines Ehrengastes gedachten die Musiker mit einem besonderen Ständchen: Krankenhaus-Geschäftsführer Jürgen Beyer, der sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiern konnte. Stefan Käßner hatte spitz bekommen, dass der Klinikchef ein Fan von Marius Müller-Westernhagen ist und sang mit ein wenig Augenzwinkern als kleine Retrospektive dessen Hit „Mit 18“.

Vorher gab es schon ein Konzert am Standort Schützenstraße

„Aber hauptsächlich haben wir für die Patienten und das Personal gespielt“, sagt Stefan Käßner, der das Format „Abständchen“ erfunden hat. Eine Stunde lang unterhielt sein Trio mit akustischen unplugged-Versionen deutscher und englischer Songs der 70er- bis 90er-Jahre. Auch ein paar Passanten, die am Haus vorbeikamen, seien stehen geblieben – natürlich mit derzeit gebotenem Abstand.

„Es war eine schöne Atmosphäre“, so der Musiker. Getreu dem Klinik-Motto „Wir sind eine Familie“ hatten auch deren Mitarbeiter und Sicherheitskräfte tatkräftig mit angepackt, um Instrumente und andere Ausrüstung auf das Vordach zu wuchten. Die Aufbauzeit war knapp, weil man vorher schon ein weiteres Konzert am Krankenhaus-Standort Schützenstraße gegeben hatte – dort von der Ladefläche eines Lkw.

Polizei zeigte „Daumen hoch“ für die Musiker

Mit ihrer „Abständchen“-Reihe sind Stefan Käßner und seine Mitstreiter in Corona-Zeiten bis weit ins Ruhrgebiet hinein unterwegs. Immer auf privatem Grund vor Zuhörern, die sich weit verteilen. Mit Polizei und Ordnungsämtern habe er dabei durchweg nur positive Erfahrungen erlebt, lobt der Berufsmusiker: „Sie haben immer ,Daumen hoch´ gemacht und gesagt: ,Macht weiter!´“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
Zur Autorenseite
Reinhard Schmitz

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.