Haus Gerhold in Ergste schließt: Corona ist nur einer der Gründe

mlzGastronomie in Schwerte

Seit dem Ausbruch der Coronakrise im März war das Haus Gerhold geschlossen. Es öffnet nur noch einmal für einen einzigen Tag zum Abschiednehmen. In der Dorfmitte gibt es keine Kneipe mehr.

Ergste

, 31.07.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Geschmack von Zagrebschnitzel, gebackenem Hirtenkäse und Sarajevo-Salat sollten die Ergster gut auf der Zunge bewahren. Nur noch ein einziges Mal haben sie Gelegenheit, von der Speisekarte des Hauses Gerhold zu bestellen. Die Coronakrise ist nur ein Grund, warum das Restaurant am Bürenbrucher Weg geschlossen wird. Nachdem schon das Haus Schneider für ein Wohnbauprojekt abgerissen wurde, geht damit das letzte Gasthaus in der Dorfmitte verloren, wo man noch gemütlich am Tresen sitzen und die Kegelkugel rollen lassen konnte. Auch Elternstammtische, Eigentümerversammlungen und andere Gruppe verlieren ihren Treffpunkt.

Neue Eigenheime verbauen die idyllische Aussicht von der Terrasse

„Bis der Bauzaun kam, war das hier eine Idylle“, sagt Wirt Danijel Cucek und schaut mit Wehmut von der Terasse auf das unmittelbar angrenzende Neubaugebiet Am Knapp/Am Hinkeln. Er vermisst den Blick ins Grüne bis zum Bürenbruch hinauf mit Bauern, die Heuballen aufstapeln und weidenden Pferden im Hintergrund: „Deswegen sind wir hierher gezogen.“ Mit jedem Stein, der aufeinandergesetzt wurde, mit jeder Betonschicht ist das ungestörte Panorama mehr und mehr geschwunden. Die Gaststätte am Dorfrand ist nicht mehr das, was sie einmal war. Auch angrenzende Parkplätze fallen weg.

Der traumhafte Blick von der Terrasse zum Bürenbruch wird verbaut. Das Neubaugebiet ist einer der Gründe, warum Danijel Cucek das Haus Gerhold nach sechs Jahren schließt.

Der traumhafte Blick von der Terrasse zum Bürenbruch wird verbaut. Das Neubaugebiet ist einer der Gründe, warum Danijel Cucek das Haus Gerhold nach sechs Jahren schließt. © Reinhard Schmitz

Seit dem Ausbruch der Coronakrise im März, als alle Gaststätten zur Schließung gezwungen wurden, hatte Danijel Cucek nicht wieder neu gestartet. Die Enge der Räume erlaubte keinen Betrieb unter Einhaltung der Abstandsregeln. Kegelbahn-Benutzung und Thekenbetrieb mit Skat und Knobeln wären ebenfalls nicht möglich gewesen. Zudem gehörte ein Großteil der Gäste der Ü-60-Risikogruppe an und war schon deshalb zurückhaltender mit dem Ausgehen. Und als die Bestimmungen endlich gelockert waren, habe es bei Gesprächen über Renovierungen mit dem Vermieter gehakt. Das gab dem Rest in dem ganzen Paket von Gründen, um die Gaststätte zu schließen.

Am Samstag, 1. August, wird noch einmal zur Abschiedsfeier geöffnet

Vorher wird die Tür aber am Samstag, 1. August, ab 17 Uhr noch ein einziges Mal zur Abschiedsfeier geöffnet. „Wir möchten uns bei allen Ergstern und allen Gästen bedanken für die wunderschöne Zeit“, sagt Danijel Cucek: „Wir sind dankbar, dass wir das erleben durften.“ Als Belohnung für den 36-jährigen - so erzählt seine Frau - zählte gar nicht das Geld. Es machte ihn glücklich, wenn er das Reden und Lachen der Gäste hörte und sah, wie sie Spaß hatten.

Das Plakat an der Tür lädt ein: Ein letztes Mal öffnet das Haus Gerhold am Samstag, 1. August, ab 17 Uhr zum Abschiednehmen.

Das Plakat an der Tür lädt ein: Ein letztes Mal öffnet das Haus Gerhold am Samstag, 1. August, ab 17 Uhr zum Abschiednehmen. © Reinhard Schmitz

Obwohl der Kroate darauf künftig erstmal verzichten muss, blickt er zuversichtlich nach vorn: „Es ist wie überall im Leben: Geht eine Tür zu, geht eine andere auf.“ Auf jeden Fall will er mit seiner Familie in in Ergste wohnen bleiben, wo auch seine Tochter geboren wurde. Und dann mal weitersehen.

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