Lehrerin Sabine Hofmann unterrichtet die Tablet-Klasse 5b in der Gesamtschule Gänsewinkel. © Reinhard Schmitz
Schulen in Schwerte

Gesamtschüler lernen am iPad – Eltern können Geräte in Raten zahlen

An Corona-Krise und Unterricht zu Hause dachte noch niemand, als die Gesamtschule Gänsewinkel 2017/18 ihr Konzept für Laptop-Klassen aufstellte. Doch jetzt sind die Schüler ausgestattet.

Mit dem Harms-Atlas „Deutschland und die Welt“ oder „Dierkes Weltatlas“ haben sich Generationen von Schülern abgeschleppt. Zwei fünfte Klassen der Gesamtschule am Gänsewinkel brauchen die kiloschweren Wälzer nicht mehr in ihre Tornister zu packen.

Genauso wie der komplette Jahrgang 11, der hier „EF“ (Einführungsphase für das Abi) heißt. Als sogenannte Laptop-Klassen haben sie das gesamte Kartenmaterial als Datei auf ihren mobilen Rechnern. Zum Schuljahresbeginn im August ist das Pilotprojekt gestartet, das im nächsten Jahr ausgedehnt werden soll.

Nur Ergänzung, nicht Ersatz für Buch und Stift

„Ich bin beeindruckt, wie schnell die Kinder damit umgehen können“, sagt Schulleiter Jürgen Priggemeier. Man wolle Kompetenzen schulen: „Aber es gibt nach wie vor Notizblock und Buch.“ Was sich seit Jahrhunderten bewährt habe, solle durch die Laptop-Arbeit nur ergänzt, nicht ersetzt werden.

Die sei ein wichtiges Hilfsmittel, um eine umfassende Medienkompetenz zu erlangen, ergänzt Lehrerin Sabine Hofmann, die mit der 5b eine der beiden Tablet-Klassen dieses Jahrgangs leitet. Gleichzeitig wird damit natürlich auch Distanzunterricht zu Hause möglich, wie er in Corona-Zeiten teilweise nötig ist.

Seit dem Schuljahresbeginn im August ist die 5b der Gesamtschule Gänsewinkel eine Laptop-Klasse.
Seit dem Schuljahresbeginn im August ist die 5b der Gesamtschule Gänsewinkel eine Laptop-Klasse. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

An die Pandemie dachte aber noch niemand, als sich die Gesamtschule Gänsewinkel mit dem Aufbau eines WLan-Netzes beschäftigte, das die Grundvoraussetzung für die Einführung von Laptop-Klassen bildet. „Wir haben schon 2017/18 ein Medienkonzept aufgestellt“, berichtet Jürgen Priggemeier. Auf der Suche nach Sponsoren stellte er das Vorhaben bei der Sparkasse vor – und erhielt den Zuschlag.

Mit rund 60.000 Euro unterstützte die Sparkassenstiftung den Aufbau des WLan-Netzes mit den teuren Zugangspunkten. Die Kabel waren schon während der Grundsanierung des Unterrichtsgebäudes vorsorglich mit in die Wände gelegt worden.

Eltern bezahlen die Laptops mit monatlichen Raten

Als „Werkzeug“ bekam jeder Schüler der Laptop-Klassen ein eigenes iPad, das die Eltern in einer Art Ratenkauf von der Gesellschaft für digitale Bildung beziehen. Je nach Ausstattung, die die Erziehungsberechtigten selbst wählen, müssten dafür im Monat zwischen 15 und 20 Euro bezahlt werden, berichtet Jürgen Priggemeier.

Mit inbegriffen sei eine Versicherung, die sich für ein Mädchen in der vergangenen Woche schon bezahlt gemacht hat, als das Display ihres Laptops einen Sprung bekam. Für die Dauer der Reparatur stellte der Verkäufer ein Leihgerät.

Statt auf Arbeitsblättern aus Papier erledigen die Schüler der Laptop-Klasse 5b einen Teil ihrer Aufgaben digital am Bildschirm.
Statt auf Arbeitsblättern aus Papier erledigen die Schüler der Laptop-Klasse 5b einen Teil ihrer Aufgaben digital am Bildschirm. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Anders als Bücher müssen die iPads nicht am Schuljahresende abgegeben werden. Die Schüler dürfen sie behalten. Nach einer etwas ruckeligen Startphase mit der umständlichen Vergabe von Passworten und ähnlichen Vorbereitungen haben sie sich richtig eingefuchst.

Was viele Erwachsene in den Büros erst während der Corona-Krise lernen mussten, erfassten sie spielerisch im Handumdrehen. Mit dem Programm „Teams“ kommunizieren sie nicht nur untereinander, sondern auch mit ihren Lehrern.

Zur Belohnung gibt es Münzen, um Spiele zu spielen

„Wir haben Gruppen erstellt, zum Beispiel ein Mathe-Team“, berichtet die Fünftklässlerin Mira. Für sie und ihre Kameraden ist es inzwischen ganz normal, dort auch ihre Hausaufgaben zu bekommen und nach deren Erledigung auf „Abgeben“ zu klicken.

Über die Chat-Funktion könne er mit den Klassenkameraden und den Lehrern schreiben oder auch den Videochat nutzen, ergänzt ein Mitschüler – auch wenn man krank sei oder zu Hause bleiben müsse: „Das macht sehr viel Spaß.“

Das gilt sogar für Matheaufgaben, die das Programm auf Wunsch sogar vorliest, wie Fünftklässler Tristan mit der App „Anton“ zeigt. Spielerisch lernt er dort mit dem Hilfsmittel gerade das Koordinaten-System kennen. Die Entwickler haben für fleißige Arbeit ein besonderes Bonbon eingebaut: „Man kann Münzen sammeln und Spiele als Belohnung spielen.“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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