Geschäftsführer Tobias Bäcker zu Ausschreitungen bei 80er-Party

Stellungnahme

SCHWERTE Mit einer Schlägerei endete die letzte 80er-Jahre-Party in der Rohrmeisterei in der Nacht zu Samstag. Nachdem auch Veranstalter Chris Stemann ankündigte, im nächsten Jahr keine Partys in Schwerte mehr zu veranstalten, bezieht Rohrmeisterei-Chef Tobias Bäcker Stellung.

von Ruhr Nachrichten

, 06.10.2009, 12:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die problematischen Termine sind vorhersehbar. Nur dass inzwischen die präventive Aufstockung von Security nicht mehr ausreicht. Diese Erfahrung haben wir bei sogenannten Stufenpartys gemacht, nun auch mehrfach bei den 80er-Partys. Anzulasten ist dies zwar nicht den Veranstaltern. Sehr wohl lässt sich aber feststellen, dass bei diesen Formaten mehrere Faktoren zusammen kommen - wie Art und Streuung der Werbung, Getränkeangebot, Musik, Publikumsstruktur - , die offenbar gewaltbereite Jugendliche anziehen.  Zwar ist gegen Feiern, die nur aus Musik und Alkohol bestehen, nichts einzuwenden - andererseits handelt es sich um rein kommerzielle Events, denen nicht unbedingt ein pädagogischer oder kultureller Wert zuzumessen ist - vielleicht ein Grund für die Eskalationen. Die Rohrmeisterei hat daher, unabhängig von den jüngsten Ereignissen, bereits 2008 beschlossen ab 2010 gar nicht mehr zuzulassen - mit Rücksicht auf Umfeld, Nachbarn, Mitarbeiter, Gäste.

Was macht eine reibungslose Party aus? Das Programm, die Musikrichtung, die Art der Werbung, die festgesetzten Anfangs- und Enduhrzeiten, die Lautstärke, die Preise, die Kontrollen usw. Bezeichnenderweise haben wir bei eigenen Events wie den Rohrmeisterei-Schülerpartys, den Krass-Konzerten, den Joynuz-Events und vielen mehr noch nie irgendwelche Probleme gehabt. Daher wird es solche Veranstaltungen auch weiterhin geben, die Rohrmeisterei wird keine Party freie Zone. Wir stellen uns damit auch einer gesellschaftlichen Verantwortung für eine Entwicklung, die es differenzierter zu betrachten gilt, als nur unter reißerischen Headline "Schlägerei Party K.O.". 

Es ist ärgerlicher Unsinn zu behaupten, solche Probleme gebe es nur in Schwerte. Jeder Zeitungsleser weiß, dass es sich um eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung handelt. Sie hat zu tun mit überforderten Elternhäusern, schlecht ausgestatteten Schulen, unzureichenden Freizeitangeboten, fehlenden Berufsperspektiven, Migrationslebensläufen, mit der Kommerzialisierung, Anonymisierung und Reizüberflutung vieler Lebensbereiche - alles bekannt. Gerade in einer überschaubaren Stadt wie Schwerte kann es aber besser gelingen, vernetzt gegenzusteuern. Die Stärkung vorhandener Ansätze bei Gewaltprävention, Streetworkereinsätzen (Quarterback), Lernpartnerschaften, Integration ist wichtig. Die Belebung öffentlicher Räume, zumal in der Innenstadt, ist nicht als Belastung, sondern als Chance zu verstehen. Projekte, die sich in die Spannungsfelder hineinbegeben und naturgemäß auch Konflikte aushalten, müssen unterstützt werden (Kunterbunt, Skateranlage, Bauwagenprojekt).  

Die Bürgerstiftung Rohrmeisterei versucht, ihren Beitrag zu leisten. Unser aktuelles Jugendprojekt "Amok" greift exakt das Thema auf. Bei "InTro" spielen behinderte und nicht-behinderte Kinder zusammen Theater. Die Skateranlage wird durch den neuen Landschaftspark aufgewertet. Zusätzliche Ausbildungsplätze werden mit Jugendlichen mit Vermittlungshemmnissen besetzt. Wir unterstützen Gewaltpräventionsprojekte. Und wir wünschen uns, dass bei vermeintlich schwierigen Themen genauer hingeschaut wird."

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