Gibt es bald weniger Erdbeeren? Coronavirus könnte die Ernte bedrohen

mlzErdbeerfelder in Schwerte

Das Einreiseverbot für Saisonarbeiter trifft auch die Erdbeerplantagen im Schwerter Umland hart. Zwei Landwirte sprechen über ihre Sorgen und erzählen, wie sie ihre Ernte retten können.

Schwerte

, 01.04.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind noch ungefähr sechs Wochen, bis die Erdbeer-Saison in Deutschland beginnt. Für Knut Schulze Neuhoff ist das eigentlich eine sichere Sache – die Pflanzen wachsen und reifen auf seinem Feld in Hagen-Garenfeld, dann reisen seine Hilfskräfte aus Polen an und ernten die Früchte ab.

So die Theorie. In diesem Jahr sieht es anders aus, Knut Schulze Neuhoff kann diesmal nicht kalkulieren.

Das Bundesinnenministerium hat am vergangenen Mittwoch ein allgemeines Einreiseverbot für ausländische Saisonkräfte ausgesprochen, zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus. „Es ist eine nervöse Zeit für uns“, meint der Landwirt. „Wir haben uns schon vor der Grenzschließung Gedanken gemacht. Da ging es noch darum, ob die Helfer überhaupt kommen wollen oder ob sie Angst haben.“

Manche Helfer haben abgesagt, andere wollen kommen

Schließlich seien die Polen – so weiß es Schulte Neuhoff aus Erfahrung – in Sachen Infektionsschutz gerade besonders vorsichtig. Viele seiner Helfer hätten ihm schon abgesagt, weil ihnen die Situation zu heikel ist. Sie helfen dann lieber auf polnischen Höfen.

Andere wollen aber auf jeden Fall kommen. Wenn sie denn dürfen.

„Wir können gerade nichts abschätzen. Man kann ja gerade nicht sagen, was in ein paar Tagen oder sogar Wochen ist.“ Und genau deshalb habe man sich schon frühzeitig nach Alternativen umgeschaut. Auf Internetportalen wie „Bauer sucht Hilfe“ können betroffene Landwirte nach Unterstützung suchen. Knut Schulze Neuhoff hat sie schon bekommen.

Viele Menschen aus dem Umkreis wollen die Landwirte unterstützen

„Es gab so viele Rückmeldungen, wir haben unsere Anzeige schon wieder pausiert. Jetzt müssen wir filtern. Und wir nehmen natürlich eher Leute, die aus dem nahen Umland kommen.“ Natürlich, das Team freue sich, dass so viele Leute helfen wollen. Trotzdem ist es eine große Unsicherheit, die zurück bleibt.

Die osteuropäischen Arbeitskräfte fehlen massiv. Sie sind erfahren und kennen die Arbeitsabläufe, arbeiten Vollzeit und stehen für die gesamte Saison zur Verfügung.

Jetzt lesen

Das sei jetzt die größte Herausforderung: „Eigentlich ist man es ja anders gewohnt. Die Helfer aus dem Umkreis, die jetzt zusagen, machen das meist nebenbei und können nur an bestimmten Tagen. Heißt: Wir müssen alles koordinieren, damit wir unsere Ernte sichern können.“

Landwirt aus Holzen: „Wir müssen das jetzt aussitzen“

Etwas entspannter ist Rudolf Stöver, wenn es um die Erdbeerernte auf seinem Feld am Krinkelweg in Dortmund-Holzen geht: „Was sollen wir machen? Ändern können wir die Situation sowieso nicht. Die Ernte geht in der zweiten Maihälfte los, wenn wir Glück haben, sind die Grenzen dann offen.“

Seine Helfer aus Polen stünden jedenfalls bereit und wollen gerne helfen. Und falls es nicht klappt, habe auch er schon Hilfe von der Familie und vielen Bekannten angeboten bekommen. „Wir müssen es jetzt aussitzen“, so Stöver.

Jetzt lesen

Schwerter können ihre Erdbeeren hoffentlich wieder selbst pflücken

Das Selbstpflücken soll auf beiden Höfen bleiben – wenn das Coronavirus nicht auch hier wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Knut Schulze Neuhoff und sein Team basteln schon an Anleitungen, wie man hier die Hygiene sicherstellen kann. „Da geht es um alles, was wir im Alltag schon seit Tagen kennen: Desinfektionsmittel bereitstellen, Sicherheitsabstände einhalten, nur eine bestimmte Menge von Menschen darf aufs Feld. Das Schlimmste wäre natürlich, wenn die Regierung auch das unterbindet und sagt: Selbstpflücken geht in diesem Jahr nicht.“

Lesen Sie jetzt