Gegen falsche und überteuerte Versicherungen kann man sich nicht versichern. Aber man kann unabhängige Experten um Rat fragen. Und sich so Kosten und Ärger ersparen.

Schwerte

, 20.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das erlebt Versicherungsberater Dietmar Schwesig nicht oft: Ein Verbraucher mit passendem Versicherungsschutz und günstigen Tarifen. „So erlebe ich das nur alle fünf Jahre mal“, sagt Schwesig, nachdem er die Unterlagen und Verträge von Gerhard Kreutzer geprüft hat. Der Leser hatte die kostenlose Versicherungsberatung bei einer Aktion von Verbraucherzentrale und dieser Zeitung gewonnen.

Als Gerhard Kreutzer zum Beratungstermin kam, hatte er schon „Hausaufgaben“ gemacht und all seine Versicherungen auf einem Fragebogen aufgelistet. Beitragsrechnungen und Policen hatte der 78-Jährige ebenfalls dabei und überraschte den Berater gleich zu Beginn mit mehreren Versicherungen, die er online bei einem Direktversicherer ohne Außendienstmitarbeiter abgeschlossen hat. „Außergewöhnlich für Ihr Alter“, lobte er die Innovationsbereitschaft des Seniors.

Auch bei Fahrlässigkeit nicht den Versicherungsschutz verlieren

Der punktete sogleich mit einer zwar schon älteren, aber günstigen Gebäudeversicherung, an der Versicherungsberater Schwesig nur wenig Verbesserungsbedarf erkannte. Er riet Gerhard Kreutzer dazu, sich beim Versicherungsunternehmen zu erkundigen, ob man den „Verzicht auf Einrede der groben Fahrlässigkeit“ in den Vertrag aufnehmen könne. Dann würde die Versicherung im Schadensfall auch dann zahlen, wenn Fahrlässigkeit des Hausbesitzers einen Schaden verursacht oder begünstigt hat. Das könnte vielleicht 20 Euro im Jahr mehr kosten, erklärte Dietmar Schwesig, sei aber zu empfehlen.

Hausrat-Versicherungssumme: 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche

Seine Hausratversicherung kostet Gerhard Kreutzer jährlich 168 Euro. „Hier lautet die Faustregel, dass die Versicherungssumme pro Quadratmeter Wohnfläche 650 Euro betragen sollte“, erklärt Dietmar Schwesig. Das passt bei Gerhard Kreutzer in etwa. Das sei allerdings auch preiswerter zu haben, sagt der Berater und zeigt dem Kunden mit ein paar Klicks im Internet, dass es den vergleichbaren Versicherungsschutz auch schon für 95 Euro pro Jahr geben würde. „Ich rate allerdings nicht dazu, für sechs Euro im Monat das Versicherungspaket auseinanderzunehmen und mit jedem Vertrag einzeln woanders hinzugehen.“

Bei der Privathaftpflicht sieht der Experte ebenfalls ein kleines Einsparpotenzial. Gerhard Kreutzer wird sich erkundigen, ob das Unternehmen auch Single-Tarif anbietet, denn inzwischen ist der erwachsene Sohn längst selbst versichert. Schwesig: „Und wenn es nicht preiswerter wird, könnte man mit einem modernen Vertrag womöglich die Bedingungen verbessern.“ Und zum Beispiel auch „Gefälligkeitshandlungen“ absichern. Zum Beispiel, wenn man beim Blumengießen bei den urlaubenden Nachbarn versehentlich einen Blumentopf von der Fensterbank kickt.

Unfallversicherungen halten viele Experten für überflüssig

Gerhard Kreutzer hat auch eine Unfallversicherung. Die sehen Versicherungsberater generell ziemlich skeptisch. „Die muss an sich in den meisten Fällen nicht sein“, sagt Dietmar Schwesig, „aber diese hier ist mit 78 Euro pro Jahr sehr günstig und stärkt vielleicht das Sicherheitsgefühl des Verbrauchers.“ Zahlen muss sie jedoch nur, wenn der Versicherte durch einen Unfall bleibende Schäden davonträgt. Das Risiko einer schweren Behinderung nach einem Unfall sei jedoch viel geringer als das durch Behinderungen als Folge einer Krankheit. Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung habe, brauche auf gar keinen Fall eine Unfallversicherung.

Gerhard Kreutzer investiert auch in Rehtsschutzversicherung. Die kostet ihn knapp 200 Euro pro Jahr, deckt Streitfälle im Straßenverkehr, rund um die Immobilie und bei privaten Verträgen ab. „Die habe ich schon genutzt“, berichtet er, „und sie hat mir geholfen.“ Daran hat auch der Experte nicht auszusetzen.

Mit der Smart-Box die KFZ-Versicherung preiswerter machen?

Auch nicht an der KFZ-Versicherung seines Klienten. „Alles wunderbar“, sagt er beim Blick auf die Police. Gerhard Kreutzer will deshalb auch gar nichts wissen von Schwesigs Spartipp, der selbst ein Telematik-Programm nutzt, bei dem mit technischen Mitteln das Fahrverhalten des Autobesitzers aufgezeichnet wird. Wer umsichtig fährt, bekommt dafür Rabatte auf die Kfz-Versicherung. Er fahre auch ohne so eine Datenbox vorsichtig, versicherte Gerhard Kreutzer.

Bei aller vorsichtigen Lebensweise: Für Krankheitsfälle hat den Rentner mit einer Zusatzversicherung vorgesorgt. Die schlägt monatlich mit rund 100 Euro zu Buche und garantiert ihm im Krankenhaus Einzelzimmer und Chefarztbehandlung sowie Zuschüsse bei Zahnersatz und Brille. Die Police stammt noch aus einer Zeit, als für Männer und Frauen unterschiedliche Tarife galten. Heutzutage gibt es nur noch Unisex-Tarife, weiß Dietmar Schwesig: „Und die können manchmal zu einer Beitragsreduzierung führen.“ Er rät Gerhard Kreutzer, bei seiner Versicherung mal nach einem neuen Tarif zu fragen, um mögliches Einsparpotenzial abzuklären.

Der Senior hat sich viele Notizen gemacht während des Gesprächs, er wird Kontakt zu seinen Versicherungen aufnehmen. Er ist aber auch zufrieden: „Im Großen und Ganzen habe ich wohl das Meiste richtig gemacht.“ Dietmar Schwesig stimmt zu. Das tut er so nur alle fünf Jahre.

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Sofortauskunft

  • Eine halbstündige Versicherungsberatung bei der Verbraucherzentrale, Westwall 4, kostet 40 Euro. Terminvereinbarung unter Tel. (02304) 942260.
  • Eine telefonische Sofortauskunft gibt es donnerstags von 10 bis 12 Uhr unter Tel. 0900 1897967 (1,86 Euro pro Minut aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend)
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