Joachim Kockelke konnte das Gefühl nicht beschreiben, als er sein Geschäft "Kettler Geschenke + Schmuck" im Frühjahr erstmals schließen musste. © Reinhard Schmitz
Coronavirus

Händler in Fußgängerzone besorgt: Lockdown vor Weihnachten – das stecken viele nicht weg

Steht der harte Lockdown kurz bevor? Wenn es nach NRW-Ministerpräsident Armin Laschet geht, am besten sofort. Doch was würde das für Schwerter Einzelhändler bedeuten? Wir haben nachgefragt.

Aller Voraussicht nach kommt es in den nächsten Tagen zu einem harten Lockdown. Das würde für die ohnehin gebeutelten Schwerter Einzelhändler zu Schließungen in der Vorweihnachtszeit führen.

Gerade vom Weihnachtsgeschäft erhofften sich viele Einzelhändler die verlorenen Umsätze des ersten Lockdowns wieder etwas aufzuholen. Doch wie sehen die Schwerter Einzelhändler die wahrscheinlich bevorstehenden Schließungen ihrer Geschäfte? Die Meinungen ähneln sich in manchen Punkten, gehen in anderen aber doch auseinander.

„Ein wirtschaftliches Fiasko“

Joachim Kockelke führt das Geschäft „Kettler Schmuck+Geschenke” in der Schwerter Innenstadt. Als Unternehmer hofft er noch darauf, dass der harte Lockdown erst nach Weihnachten kommt. „Vor Weihnachten ist die Hauptgeschenkezeit. Ein harter Lockdown würde erhebliche Einbußen bedeuten”, so Kockelke. Als Bürger wisse er natürlich, dass die Maßnahmen notwendig sind, aber für viele Unternehmer „wäre es ein wirtschaftliches Fiasko”.

Hinzu kommt: Viele Kollegen von Joachim Kockelke verkaufen vor Weihnachten typische Saisonartikel. Diese müssten bei einem harten Lockdown bis zum nächsten Jahr eingelagert werden. „Nach Weihnachten läuft das Geschäft auch gut, aber der Ausfall wäre noch verkraftbar. Einen harten Lockdown vor Weihnachten können viele, gerade nach dieser Saison, nicht mal eben so wegstecken.” Doch Joachim Kockelke weiß auch: „Wir müssen damit leben”.

„Rücklagen gehen langsam aus“

Ähnlich sieht es Annette Neuert, Inhaberin von Nette‘s Lädchen an der Hüsingstraße. „Diese Woche war die stärkste im ganzen Jahr. Wenn das Geschäft ausgerechnet jetzt schließen muss, gehen uns auch langsam die Rücklagen aus.“, berichtet Neuert.

Gerade kurz vor Beginn der Corona-Pandemie steckte Annette Neuert ihre Geld in ein neues Ladenlokal, sodass diese Rücklagen jetzt fehlen. „Käme der Lockdown ab dem 20. wäre das noch zu verkraften. Ein direkter Lockdown würde uns hart treffen.“, so Neuert.

Dass die Pandemie in den Griff bekommen werden muss, steht für sie außer Frage. Dennoch sollte ihrer Meinung nach mehr zwischen Hotspots, wie dem Westenhellweg in Dortmund, und kleinen Läden, wie ihrem in der Schwerter Innenstadt differenziert werden: „Es gibt auf meinen 85 Quadratmetern keine Ansammlungen. Ich denke nicht, dass sich schon jemand in meinem Laden infiziert hat.“

Online-Shops helfen Buchhandlungen

Olaf Bachmann, der seine Buchhandlung in der Innenstadt betreibt, geht davon aus, dass ein harter Lockdown für die Einzelhändler enorme Auswirkungen haben wird: „Der wirtschaftliche Schaden wird enorm sein.” Nüchtern betrachtet sei ein harter Lockdown natürlich sinnvoll, aber vor Weihnachten reiße er für den Einzelhandel ein großes Loch in die Umsätze. „Gerade der Dezember, die letzten Tage vor Weihnachten, kompensieren auch ein Stück weit die Zeiten des Jahres, in denen die Geschäfte stellenweise vielleicht auch mal nicht so gut laufen”, so Bachmann. Der Vorteil für den Buchhandel sei, dass es funktionierende Online-Shops gibt. Und: „Wenn es keine erweiterten Ausgangssperren gibt, werden wir auch eine Buchabholung anbieten.”

Eva Stapper, Inhaberin der Ruhrtal-Buchhandlung, geht vergleichsweise gelassen mit der drohenden Schließung um: „Natürlich blutet mein Händlerherz, aber als Mutter habe ich volles Verständnis. Es ist die einzige Möglichkeit das Virus in den Griff zu bekommen.“ Auch ihrer Buchhandlung helfe der Online-Shop mit möglicher Bücherlieferung natürlich. Stapper weiß, dass nicht alle Händler die gleichen Möglichkeiten haben. „Für uns Buchhandlungen ist es wohl noch einfacher zu verkraften, da man Bücher mal eben online bestellt.“ Die Inhaberin der Ruhrtal-Buchhandlung fühlt sich für die kommenden Wochen gerüstet: „Der Lockdown kam für mich auch nicht wirklich überraschend, sodass wir uns in den letzten Wochen schon damit beschäftigt haben.“

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Student für Sozialwissenschaft und Philosophie – gebürtiger Schwerter und Wahl-Dortmunder. Immer interessiert an Menschen aus dem Ruhrgebiet und ihren Geschichten.
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Felix Mühlbauer
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