Tanja Reimann ärgert sich, dass immer mehr Parkplätze an der Bahnhofstraße unbenutzt bleiben, weil sie für tankende Elektrofahrzeuge reserviert sind. Die grüne Ladestation an der Laterne neben der blauen Doppelsäule der Stadtwerke verschwindet aber wieder. © Reinhard Schmitz
Einkaufen in Schwerte

Händlerin klagt: Ladesäulen für E-Autos klauen Kunden die Parkplätze

Für Besitzer von E-Autos reserviert sind Parkplätze neben den Ladesäulen. Mit jeder neuen Stromtank-Station fallen zwei weitere Stellflächen für „normale“ Kunden weg. Im Handel wächst Unmut.

Die Suche nach einem Parkplatz beim Einkaufen in der City wird immer schwerer. Und mit jeder neuen Ladesäule werden wieder zwei der begehrten Flächen in der Stadt exklusiv für die Besitzer von Elektroautos reserviert.

„Das ist überdimensioniert“, ärgert sich Tanja Reimann vor allem über die Konzentration der Strom-Tankplätze in der Nähe von Blumen Christina an der Bahnhofstraße. Das Geschäft betreibt sie mit ihrer Schwester Christiane Gasser.

Händlerin: Autohäuser parken ihre E-Fahrzeuge dort werbewirksam

Nur ein paar Schritte vom Geschäftseingang entfernt, ist auf jeder Straßenseite eine blaue Doppelsäule der Stadtwerke aufgestellt, dazu kommt eine grüne Steckdosen-Anlage an der Laterne am Dönerladen. Für ihren Zweck genutzt würden die Ladestationen aber – so berichtet Tanja Reimann – höchst selten: „Nur minimal wird dort geladen.“

Nach ihren Beobachtungen seien es meistens Autohäuser, die ihre E-Fahrzeuge dort gut sichtbar abstellten: „Ich tippe: aus Werbegründen.“ Die ganze übrige Zeit blieben die Flächen frei, ohne dass andere Kunden sie benutzen dürften: „Die legen zwei Parkplätze komplett brach.“

Die Piktogramm-Markierung im Pflaster allein reserviert den Parkplatz nicht für Elektroautos. Sie muss durch ein offizielles Verkehrsschild nach der Straßenverkehrsordnung ergänzt werden, wie Stadtsprecher Ingo Rous erläutert.
Die Piktogramm-Markierung im Pflaster allein reserviert den Parkplatz nicht für Elektroautos. Sie muss durch ein offizielles Verkehrsschild nach der Straßenverkehrsordnung ergänzt werden, wie Stadtsprecher Ingo Rous erläutert. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Die grüne Station an der Straßenlaterne vor dem Haus Bahnhofstraße 2 ist aber ein Auslaufmodell und wird verschwinden, wie Stadt-Pressesprecher Ingo Rous auf Anfrage mitteilt. Sie sei früher mit einem System namens Ubitricity installiert worden, „das sich funktional aber nicht durchgesetzt hat“.

Die grünen Ladestationen entsprachen nicht mehr den Anforderungen

Die Gründe dafür kennt Michaela Zorn-Koritzius, Sprecherin der Stadtwerke Schwerte. Ubitricity habe mehrere Anforderungen nicht umsetzen können. Zum einen forderten die Kunden höhere Ladeleistungen, um in kürzerer Zeit mehr Reichweite zu tanken. Außerdem verlange seit 2019 eine neue Ladesäulenverordnung, dass der gezapfte Strom „eichrechtskonform gemessen und abgerechnet wird“.

Deshalb seien die Stadtwerke zu einem anderen Ladesystem gewechselt, das zudem den Vorteil biete, in der ganzen Bundesrepublik nutzbar zu sein. Im Internet wirbt der Versorger mit „über 10.000 öffentlichen Ladepunkten deutschlandweit“. Bezahlt wird über eine Ladekarte mit Chip oder über die Handy-App „eCharge“.

Zwei neue Doppel-Ladesäulen haben die Stadtwerke am Eingang des Parkplatzes „Im Reiche des Wassers
Zwei neue Doppel-Ladesäulen haben die Stadtwerke am Eingang des Parkplatzes „Im Reiche des Wassers“ installiert. Insgesamt gibt es 25 Stück in der Stadt, die meisten (6) auf dem Parkplatz des Unternehmens an der Liethstraße. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Im Zuge dieses Systemwechsels – so Stadtsprecher Ingo Rous – hätten die Stadtwerke an der Bahnhofstraße 2 die neue blaue Ladesäule errichtet, an die zwei Elektro-Fahrzeuge gleichzeitig angeschlossen werden können. Ausschließlich für sie reserviert sind die angrenzenden Parkplätze seinen Angaben zufolge aber erst, wenn dort Schilder nach den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung aufgestellt sind.

Nur sie „machen aus den Flächen rechtsverbindliche Ladeflächen für E-Fahrzeuge, die künftig dort ausschließlich zum Zwecke des Ladens abgestellt werden können“. Die Piktogramme mit dem Stromstecker, die auf dem Pflaster markiert sind, könnten „alleine noch keine Rechtskraft entfalten“. Die Beschilderung sei in Auftrag gegeben und werde sukzessive installiert: „Bis dahin können alle Fahrzeuge an diesen Stellen im Rahmen der Vorgaben parken.“ Der städtische Ordnungsdienst kontrolliere dort.

„Im Sinne des Klima- und Umweltschutzes treiben die Stadt Schwerte und ihre Partner und Partnerinnen den Ausbau der Infrastruktur für die E-Mobilität voran“, erklärt Ingo Rous weiter. In einem Projekt zur Verringerung der Stickstoffdioxid-Werte in der Luft (sog. „NOx-Block“) arbeite man unter anderem mit den Städten Dortmund und Iserlohn sowie Universitäten zusammen.

Laut einer Übersicht der Stadtwerke gibt es in Schwerte mittlerweile 25 Doppelladesäulen – verteilt vom Parkplatz am Bahnhof bis zum Sportplatz Ergste. Die Zahl soll noch wachsen. „Eine Handvoll Standorte werden in diesem Jahr noch umgesetzt“, kündigt Stadtwerke-Sprecherin Michaela Zorn-Koritzius an.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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