Haseneck: Flüchtlinge kamen im Festsaal unter

Serie "Was Häuser erzählen"

Ein Bauernhof mit Kühen schräg gegenüber. Viel mehr stand damals nicht an der Wandhofener Straße, als Eva und Roland Haase 1962 die Gaststätte kauften, über deren Eingang noch "Haus Schulte" stand. Doch der neue Name war schnell gefunden: "Zum Haseneck".

WANDHOFEN

, 19.08.2014, 11:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Für Flüchtlinge beschlagnahmt wurde Ende der 40er-Jahre der Saal der Gaststätte Haseneck.

Für Flüchtlinge beschlagnahmt wurde Ende der 40er-Jahre der Saal der Gaststätte Haseneck.

Die einsame Lage, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten, hatte die Gaststätte Ende der 40er-Jahre nicht davor bewahren können, in den Blickpunkt der Flüchtlingsbehörden zu geraten. Von der Landesstelle in Unna-Massen wurde Wirtin Elfriede Schulte aufgefordert, in ihrem Festsaal Vertriebene und "Sowjetzonenflüchtlinge" unterzubringen. Grundlage war der "Paragraph 10 Notleistungsgesetz". So steht es auf vergilbten Schreibmaschinen-Briefen, die Haase in einem braunen Köfferchen verwahrt. "In dem Saal wurden Leichtbauwände aufgestellt, um Parzellen für die Vertriebenen einzurichten", sagt er. Wie viele Personen auf den 166 Quadratmetern und den 10,6 Quadratmetern der Sportler-Umkleide hausten, weiß keiner mehr.

Zur Wasserstelle mussten sie in den benachbarten Stall gehen. Es sei auch zu Problemen mit Nachbarn und Kneipenbesuchern gekommen - vor allem, als ein Kind mit dem Moped eines Gastes davonbrauste. Damit war Schluss, als der Saal 1954 wieder zum Veranstaltungsraum zurückgebaut wurde. An viele schöne Feste und Familienfeiern können sich die Wandhofener seitdem dort erinnern. Und an die kleine Poststelle, die Eva Haase in den 70er- und 80er-Jahren im Nebenraum betrieb.

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